Pensionskassen-Loch wächst um 2,7 Milliarden

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 31.03.2012 1 Kommentar

Die beiden kantonalen Vorsorgeeinrichtungen wollen den technischen Zinssatz auf 2,5 Prozent senken. Das hat gravierende Folgen.

Die Pensionskasse der Lehrer will den Zinssatz um ein Prozent senken.

Die Pensionskasse der Lehrer will den Zinssatz um ein Prozent senken.
Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Interview

Ein ausführliches Interview mit Regierungspräsident Bernhard Pulver zum Pensionskassenproblem folgt im «Bund» vom Montag.

Ein einziger Prozentpunkt kostet Milliarden. Am Freitag haben die Pensionskassen des Staatspersonals sowie der Lehrerschaft bekannt gegeben, dass sie den technischen Zinssatz von 3,5 auf 2,5 Prozent senken wollen. Die Massnahme reisst ein Loch in die Buchhaltungen von 2,7 Milliarden Franken. Zusammen mit der bereits bestehenden Deckungslücke müsste somit jede Bernerin und jeder Berner 5500 Franken zahlen, damit die beiden Vorsorgeeinrichtungen wieder im Lot wären.

Der technische Zinssatz spiegelt die langfristige Renditeerwartung wieder. Das heisst: Eine Pensionskasse muss am Finanzmarkt einen Nettozins in dieser Höhe erwirtschaften, um ihren Verpflichtungen nachkommen und die Renten garantieren zu können. Derzeit gilt bei der Bernischen Pensionskasse (BPK) sowie der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK), die zusammen 50'000 Aktive versichern, ein technischer Zinssatz von 3,5 Prozent. Aus Sicht der meisten Experten ist dies zu optimistisch. Beide Kassen fassen daher eine Senkung auf 2,5 Prozent ins Auge. Die BPK hat die Massnahme bereits beschlossen und will sie auf Anfang 2013 umsetzen. Die BLVK hat noch nicht entschieden, ob sie den Zins in Etappen senken will.

24 Lohnprozente für die Vorsorge

Auch die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich. Da nun mit tieferen Zinserträgen gerechnet wird, muss die Bernische Pensionskasse ihre Beiträge um 3 Prozentpunkte erhöhen. Die Lohnabzüge der Arbeitnehmer steigen um 1,3 Prozentpunkte, der Arbeitgeber steuert 1,7 Prozentpunkte bei. Damit zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig insgesamt 24 Lohnprozente in die Altersvorsorge ein – mehr ist nach Gesetz nicht mehr möglich.

Bei der BLVK ist noch keine Erhöhung der Beiträge in Sicht. Bei einer etappierten Senkung des technischen Zinssatzes seien erst bei 2,5 Prozent allenfalls Massnahmen nötig. Das erklärt sich laut Direktor Luzius Heil so: Früher erhielt von der BLVK eine Invaliditätsrente, wer nicht mehr als Lehrkraft arbeiten konnte. Seit 2005 kennt die BLVK einen strengeren Invaliditätsbegriff. Unter anderem deshalb ist sie in der Lage, von den für die Invaliditätsfälle erhobenen Risikobeiträgen Verschiebungen zu den Sparbeiträgen vorzunehmen. Damit kann eine durch die Senkung des technischen Zinssatzes notwendige Erhöhung der Sparbeiträge vermieden werden.

Diese Senkung vergrössert automatisch die Deckungslücke der Kassen, weil mit weniger Erträgen aus Geldanlagen kalkuliert wird. Bei der BPK wächst das bereits bestehende Loch von gut 1,4 auf 3 Milliarden Franken, bei der BLVK von 1,4 auf 2,5 Milliarden. Bei einem technischen Zinssatz von 2,5 Prozent fehlen den beiden Kassen somit insgesamt 5,5 Milliarden Franken.

Die Vorsorgeeinrichtungen können den technischen Zins in Eigenregie beschliessen, Beitragserhöhungen müssen hingegen vom Regierungsrat genehmigt werden. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne), der das Dossier betreut, sagt zu den Absichten der Pensionskassen: «Es ist anerkannt, dass ein technischer Zins von 3,5 Prozent zu hoch ist. Die Frage ist aber, ob er tatsächlich auf 2,5 Prozent gesenkt werden muss.» Seines Wissens rechne keine andere öffentlich-rechtliche Kasse mit so tiefen Ertragserwartungen. Fraglich sei auch, ob der Regierungsrat bereit sei, die rund 30 Millionen Franken zu übernehmen, die ihn als Arbeitgeber die Beitragserhöhungen bei der BPK kosten.

«Futura» wird noch komplizierter

Im Grossprojekt «Futura» versucht der Regierungsrat seit Jahren, Lösungen für seine kriselnden Kassen zu finden. Vor den Sommerferien will Pulver das Paket in die Vernehmlassung schicken. Darin soll geklärt werden, wie das Milliardenloch gestopft werden kann und nach welchem System – Leistungs- oder Beitragsprimat – die Pensionskassen künftig funktionieren sollen. «Die Senkung des technischen Zinssatzes vergrössert das Problem», sagt Pulver, «wir sollten das Fuder jetzt nicht mit einer Vergrösserung der Deckungslücke überladen.»

Personalvertreter reagierten gestern irritiert auf die Massnahmen ihrer Pensionskassen. «Ich hoffe, dass der Regierungsrat die Beitragserhöhungen nicht genehmigt», sagte Matthias Burkhalter, SP-Grossrat und Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands. Der technische Zins dürfe nicht so radikal gesenkt werden. Blaise Kropf, grüner Grossrat und VPOD-Vertreter, sagte: «Ich bin davon ausgegangen, dass das Problem im Rahmen von ‹Futura› gelöst wird.» Wenn die Senkung des technischen Zinssatzes bei der BPK einfach mit höheren Beiträgen kompensiert werden solle, bedeute dies für das Kantonspersonal einen inakzeptablen Reallohnverlust. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2012, 10:31 Uhr

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1 Kommentar

Sibylle Weiss

31.03.2012, 13:24 Uhr
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Jetzt machen sich vermutlich die immer weniger einbezahlten Beiträge in die Pensionskassen durch immer mehr Aussteuerungen bemerkbar;was nicht zunimmt, nimmt in der Regel ab! Eines ist sicher:mit Workingspoors, befristeten Arbeitsverträgen, und Abrufjobs, wird sich das Loch NICHT stopfen lassen!Unbefristete AV sind ja nur noch auf Wenige beschränkt u.machen das Loch nicht mehr wett! Antworten



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