Bern

Parlament soll Standorte für Herz-Zentren bestimmen

Von Markus Brotschi. Aktualisiert am 22.04.2012

Nationalrat Joder will im Streit um Herztransplantationen den Kantonen das Dossier entziehen. Sonst drohe das Inselspital auf der Strecke zu bleiben.

Die Insel drohe auf der Strecke zu bleiben, mahnt Nationalrat Joder: Wer Herztransplantationen durchführen darf, soll nach seinem Dafürhalten das Parlament entscheiden.

Die Insel drohe auf der Strecke zu bleiben, mahnt Nationalrat Joder: Wer Herztransplantationen durchführen darf, soll nach seinem Dafürhalten das Parlament entscheiden.
Bild: Valérie Chételat

Ende 2013 wollen die Kantone darüber entscheiden, an welchen Standorten künftig Herzen verpflanzt werden. Das Ziel des zuständigen Beschlussorgans, in dem die fünf Unispital- und fünf Zentrumsspitalkantone sitzen, ist eine Reduktion von heute drei auf zwei Standorte. Bern hätte bei dieser Ausmarchung einen schweren Stand. Denn Lausanne hat seine Stellung als Transplantationszentrum auf sicher, weil die Westschweizer Unispitalkantone Genf und Waadt eine Sperrminorität haben. Das Rennen läuft also zwischen Bern und Zürich. Das Inselspital hat diese Woche einen Rückschlag erlitten, weil es vor Bundesverwaltungsgericht mit dem Versuch scheiterte, einziges Herztransplantationszentrum zu werden («Bund» von gestern).

Drei Zentren oder nur eines

Lange Zeit hatten die Berner die unbestrittene Führungsrolle bei den Herztransplantationen. Dazu kam, dass das Unispital Zürich nach der Verpflanzung eines Spenderorgans mit falscher Blutgruppe im Jahr 2004 einen massiven Imageschaden erlitt. Die Patientin starb aufgrund der Panne. Doch Zürich hat in den letzten Jahren mit dem politischen Sukkurs des kantonalen Gesundheitsdirektors in seine Herzchirurgie investiert und macht dem Inselspital nun wieder Konkurrenz. Letztes Jahr verpflanzte Zürich erstmals seit 2007 wieder am meisten Herzen (14), gefolgt von Lausanne (12) und Bern (10).

SVP-Nationalrat Rudolf Joder befürchtet, dass die Zürcher das Inselspital verdrängen, wenn das Beschlussorgan der Kantone Ende 2013 den Standortentscheid fällt. So könnten die Ostschweizer Kantone sich für das ihnen näherliegende Zürich einsetzen, während es Bern an Verbündeten fehlt. Deshalb will Joder den Standortentscheid nun auf die eidgenössische Ebene hieven. Mit einer Motion verlangt Joder, dass der Bundesrat dem Parlament zwei Varianten unterbreitet: Die Beibehaltung der heutigen drei Standorte und die Reduktion auf ein einziges Zentrum für Herztransplantationen. Das Parlament müsste sich dann für eine der beiden Varianten entscheiden. Joder reicht die Motion Anfang Mai ein.

Bei einer Reduktion auf einen Standort sieht Joder das Inselspital nach wie vor als gesetzt. Aber auch er beobachtet, dass das Unispital Zürich den Bernern den Platz streitig macht. Dass das Inselspital vor Bundesverwaltungsgericht seine Stellung verbessern wollte, hält Joder für ungeschickt.

Carrel: «Normale Schwankungen»

Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, führt die Zunahme der Herzverpflanzungen in Zürich und Lausanne darauf zurück, dass sich in beiden Unispitälern neue Teams etabliert hätten. Diese setzten wieder vermehrt Patienten auf ihre Wartelisten für Herztransplantationen. Dies habe dazu geführt, dass Zürich und Lausanne mehr Spenderherzen zugeteilt würden. «Aber auch das Inselspital gewährt noch immer exzellente Behandlungsqualität», sagt Immer.

Was die Zahl grosser Herzoperationen angeht, so ist die Herzchirurgie am Inselspital unter Leitung von Thierry Carrel nach wie vor führend in der Schweiz. Carrel führt die leichte Abnahme der Verpflanzungen in Bern auf «normale Schwankungen» zurück. Es sei falsch, den Fokus nur auf die Transplantationen zu richten. Deren Zahl hänge auch davon ab, wie viele Kunstherzen eingesetzt würden. Für Carrel ist es dennoch entscheidend, dass die Insel Transplantationszentrum bleibt. Einer Transplantation gehe immer eine lange Behandlungsphase voraus, in der zunächst andere Heilungsmethoden versucht würden. Wenn am Schluss nur die Transplantation eine Verbesserung verspreche, müsse diese möglich sein. Falls diese Option in Bern wegfalle, würden schwere Fälle in den Spitälern mit Transplantationsmöglichkeit behandelt. (Der Bund)

Erstellt: 22.04.2012, 09:58 Uhr

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