Bern
Nachrüstung von Mühleberg-Damm verzögert sich
Von Simon Thönen. Aktualisiert am 23.06.2012 1 Kommentar
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Überstehen die Schweizer AKW Erdbeben? Diese Frage prüft das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) momentan mit Hochdruck. Fällt die Antwort für ein AKW negativ aus, muss es vorläufig abgeschaltet werden. Das Ensi wollte den Entscheid ursprünglich bis am 30. Juni fällen. Aber es sei offen, ob es den Termin einhalten könne, sagt auf Anfrage Ensi-Sprecher Anton Treier. Das Ensi überprüft entsprechende Nachweise der AKW-Betreiber.
Die BKW schreibt auf ihrer Internetseite – eher vorsichtig –, sie habe diese Nachweise für ihr AKW Mühleberg «nach eigener Einschätzung» erbracht. Eine Schlüsselfrage ist, ob das Stauwehr des Wasserkraftwerks oberhalb des AKW einem Erdbeben standhalten würde. Obwohl dies laut den Berechnungen der BKW der Fall sei, kündete BKW-Chef Kurt Rohrbach am 14. März überraschend eine Nachrüstung des Stauwehrs an.
Die BKW wolle nach dem «Grundsatz safety first» die «Sicherheitsmarge zusätzlich erhöhen»: 20 Meter lange Metallpfähle sollen in den Untergrund der Aare gerammt werden, um das Wehr zu stabilisieren. Und dies sehr rasch, wie Rohrbach damals ankündete: Die Gesuche für die Arbeiten würden «in den nächsten Tagen eingegeben», die BKW rechne damit, «Anfang Juni 2012» mit den Bauarbeiten zu beginnen und diese «bis Ende Jahr» abzuschliessen.
Noch kein Baugesuch eingereicht
Doch auch gestern war noch kein Baugesuch beim zuständigen kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA) eingetroffen, wie die kantonale Baudirektion auf Anfrage bestätigt. Da die Baudirektion zudem der Ansicht ist, dass zwingend ein Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden muss, dürfte sich die Nachrüstung zusätzlich verzögern. Dies allein wegen der Frist für die öffentliche Auflage des Gesuchs und erst recht, falls dagegen Einsprache erhoben würde.
«Wir finalisieren gegenwärtig die Projektunterlagen», sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage. Danach würden die Dokumente beim AWA eingereicht. Als Grund für die Verzögerung nennt er: «Wir wollten zusätzliche Berechnungen anstellen, damit wir die optimale Verbesserung der Sicherheit erreichen können.» Ein weiterer Grund seien offene Fragen zum Bewilligungsverfahren gewesen. Denn die BKW hatte sich zuerst auf den Standpunkt gestellt, dass für die Verstärkung des Wohlenseedamms keine Baubewilligung nötig sei.
Sommavilla will sich nicht dazu äussern, wie lange sich die Arbeiten nun verzögern werden. Das Projekt bleibt laut Sommavilla grundsätzlich dasselbe. Die Pfähle sollen das Stauwehr stabilisieren und verhindern, dass es sich bei einem schweren Erdbeben aus der Verankerung im Untergrund lösen und sich verschieben könnte.
Grundwasser für Notkühlung
Bei einer anderen Sicherheitsanforderung, welche die Atomaufsicht Ensi nach Fukushima forderte, ist die BKW inzwischen von ihrer ursprünglichen Lösung abgerückt. Das Ensi hatte bis am 31. August 2011 Vorschläge verlangt, wie die BKW den Reaktor im Notfall zusätzlich kühlen könnte. Dies, weil die Leitungen mit dem Kühlwasser aus der Aare bei Naturkatastrophen verstopfen könnten. Die BKW schlug damals einen Mini-Kühlturm vor. Dann prüfte sie aber zwei weitere Varianten. Nun steht laut Sommavilla eine Wasserleitung zum Grundwasserstrom aus der Saane im Vordergrund. Die BKW muss die Projektunterlagen für die neue Kühlquelle bis am 30. Juni beim Ensi einreichen.
AKW-Gegner kritisierten die zeitliche Verzögerung bei der Suche nach einer neuen Kühlquelle. Denn die BKW rechnet allein für den Bau drei Jahre ein – und die Suche nach einer neuen Lösung hat sie nun ein weiteres Jahr gekostet. Das AKW will sie aber höchstens noch zehn Jahre lang betreiben. (Der Bund)
Erstellt: 23.06.2012, 09:35 Uhr
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