Bern
Nach den Quads nun die Helikopter
Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 03.05.2012 2 Kommentare
«Erfahre den Naturpark» ist der Werbeslogan für Touren mit vierrädrigen Töffs im Gantrischgebiet. Der lokale Anbieter der Quad-Touren wirbt mit «Erblicke den Naturpark» aber ebenso für Helikopterrundflüge im Gantrischgebiet ab Oberbalm. Verbunden werden soll der Flug mit einem Imbiss im Chäs-Stübli oder einem Mittagessen in der Wirtschaft Borisried.
Obwohl man sich auf der Geschäftsstelle des Naturparks Gantrisch darüber ärgert, dass das Label für solche Werbezwecke missbraucht wird und fälschlicherweise mit dem Naturpark in Verbindung gebracht wird, lassen sich die Angebote nicht einfach verbieten – Naturpärke bringen keine neuen Regelungen mit sich, es gelten die üblichen Gesetze.
Verboten, oder doch nicht?
Umstritten ist aber nun, ob die Landungen in Oberbalm für Helikopter erlaubt sind. «Die Gemeinde bewilligt den Landeplatz nicht», sagt Gemeindepräsident von Oberbalm, Rudolf Anken. Man habe dies dem Anbieter mitgeteilt, nachdem man sich über den Förderverein Naturpark Gantrisch mit allen Parkgemeinden abgesprochen habe. Man habe damit verhindern wollen, dass der Anbieter versuche, sein Angebot in einer anderen Gemeinde durchzuführen. Und wenn die Helikopter trotzdem in Oberbalm landen? «Dann werden wir Anzeige erstatten», sagt Anken. Der Gemeindepräsident stützt sich dabei auf eine Empfehlung des Fördervereins Naturpark Gantrisch. Dieser hält fest, dass für die Bewilligung von Starts und Landungen die betroffenen Gemeinden zuständig sind.
Den Gemeinden werde empfohlen, von einer Bewilligung abzusehen. Denn regelmässige Helikopterrundflüge stellten einen Widerspruch zum Erholungsbedürfnis der Naturparkbesucher dar.
Keine explizite Bewilligung nötig
Tom Aebersold von Gantrisch Quad-Tours und Gantrisch Heli-Tours zeigt sich überrascht: Gemäss Auskunft vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) brauchten die Helikopterflüge im geplanten Rahmen keine explizite Bewilligung der Gemeinde. Der Helilandeplatz in Oberbalm stellt ein Landwirt zur Verfügung, und weil er auf 875 Meter über Meer liege, gelte er auch nicht als Gebirgslandeplatz. «Am geplanten Standort dürfen Helis frei landen und starten», sagt Aebersold. Das Bazl bestätigt, dass die Gemeinde in diesem Fall nichts dazu sagen könne.
Einschränkungen gäbe es hingegen für das kommerzielle Angebot am Siedlungsrand schon: Am gleichen Ort sind laut Bazl maximal 20 Bewegungen pro Monat erlaubt, was zehn Flügen entspricht. Gemäss Aebersold seien bis jetzt noch keine Flüge durchgeführt worden. Und eine Anfrage für den 13. Juni habe man ablehnen müssen, weil das Helikopterunternehmen keine Kapazitäten habe. Mühe bekundet Aebersold mit dem Vorgehen der Gemeinde Oberbalm. Die Gemeinde habe ohne seine Einwilligung die Informationen zu seinem geplanten Angebot an den Förderverein und an alle Parkgemeinden weitergegeben, sagt er.
Kein Geld annehmen
Nebst dem Imageproblem für den Naturpark entstehe ein gewisser Konflikt mit der Philosophie der Naturpärke, sagt Jan Ryser, Geschäftsführer Pro Natura Bern. Die 26 Parkgemeinden haben einen Vertrag unterzeichnet, der den Zweck des Naturparks festlegt: Eine nachhaltig betriebene Wirtschaft soll gefördert und die Qualität von Natur und Landschaft erhalten und aufgewertet werden. Als Ziele sind etwa die Stärkung und Förderung des naturnahen Tourismus, die Erhaltung und Aufwertung der Natur-, Landschafts- und Kulturwerte sowie Sensibilisierung, Umweltbildung und Forschung festgehalten.
Bereits in Bezug auf die Quad-Touren könnte der Naturpark aktiv werden, sagt Andreas Weissen, Geschäftsführer des Netzwerks Schweizer Pärke. Der Mobilitätsfonds, in den der Anbieter pro Quad-Fahrt drei Franken zur Förderung des öffentlichen Verkehrs einzahlt, müsste seiner Meinung nach aufgehoben werden. Wenn die Anbieter ihr Gewissen reinigen wollten, könnten sie dies bei Myclimate tun, als Naturpark sollte man keine solchen Gelder entgegennehmen, sagt Weissen.
Ansonsten scheint den Quad-Tours niemand etwas anhaben zu können, solange alles im legalen Rahmen bleibt. Dies ist aber schwer abzuschätzen, da unbekannt ist, wo die Touren genau durchführen und wo sich das Trainingsgelände befindet. Eine Befürchtung von Pro Natura, dass dieses Angebot weitere Quad-Fahrer in die Gegend bringen könnte, scheint sich zudem bereits zu bewahrheiten. Gestern Abend fand in Oberbalm der erste Quad-Treff 2012 statt. (Der Bund)
Erstellt: 03.05.2012, 07:05 Uhr
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2 Kommentare
Es ist schon erstaunlich, wie rücksichtslos und geldgierig gewisse Leute sein können. Dass die Touren des Quadfahren nicht genau bekannt sind, weist eigentlich darauf hin, dass sie vermutlich quer durchs Beet fahren und nur Zerstörung hinter sich lassen. Diesen Typen geht es nicht um Naturerlebnis, sondern um Adrenalinkicks, die sie offenbar blind machen. Antworten
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