Mutz-Doppelstöcker nützen
 die Schienen stark ab

Das Problem mit den Doppelstockzügen auf der Strecke S 6 ist der BLS seit längerem bekannt, aber noch nicht gelöst. Die BLS misst und rechnet, die Herstellerfirma Stadler Rail versucht es mit «Feinjustierungen».

Auf der Strecke nach Schwarzenburg weisen die Kurven kleinere Radien auf als auf dem übrigen Netz der BLS.

Auf der Strecke nach Schwarzenburg weisen die Kurven kleinere Radien auf als auf dem übrigen Netz der BLS. Bild: Tobias Anliker

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Der Moderne Universelle Triebzug Mutz der BLS steht seit April auch auf der Strecke S 6 Bern–Schwarzenburg fahrplanmässig im Einsatz. Diese Strecke ist aber so speziell, dass der «universelle» Charakter des doppelstöckigen Zuges aus den Werkstätten von Stadler Rail an seine Grenzen kommt. Ursprünglich war das Trassee nach Schwarzenburg als Schmalspurstrecke konzipiert worden, gebaut wurde sie jedoch in Normalspur: Enge Kurvenradien und starke Steigungen sind die Markenzeichen der einspurigen Strecke durch das Hügelland zwischen Köniz und Schwarzenburg. Die Folge: Der 216 Tonnen schwere Zug nützt die Gleise offenbar stärker ab als die anderen eingesetzten Züge.

Zudem erleben Passagiere im oberen Stock die Fahrt durch die Kurven als wacklig. Mit anderen Worten: «Äs gigampfet.» Für Aldo Hänni von Pro Bahn Schweiz ist der Mutz deshalb «wohl nicht das am besten geeignete Fahrzeug für die Strecke». Moderne Züge bedingten eine «perfekte Infrastruktur», sagt der Präsident der Sektion Espace Mittelland von Pro Bahn. Investitionen in die Infrastruktur seien aber generell sehr teuer.

Kurvenradius unter 250 Meter

«Auf dieser Strecke haben wir die engsten Radien und die steilsten Rampen des ganzen BLS-Netzes», sagt Mediensprecher Michael Blum. Vor Schwarzenburg beträgt die Steigung 37 Promille, der steilste Abschnitt auf der Lötschbergroute weist dagegen nur 27 Promille auf. Die Kurvenradien liegen unter 250 Meter, auf dem Schweizer Eisenbahnnetz sind die Radien sonst meist über 250 Meter. Als Folge der stärkeren Abnützung hat die BLS für den Mutz auf der Strecke bisher vom Bundesamt für Verkehr nur eine beschränkte Zulassung erhalten. Derzeit führt die BLS Messungen und Berechnungen durch, die zeigen sollen, wie stark sich die Gleise wirklich abnützen. Wegen der engen Radien kommen zudem nicht die gleichen Schienen wie auf dem übrigen Streckennetz zum Einsatz. Sie weisen ein etwas schmaleres Profil auf.

BLS plant weiter mit Mutz

Eine Folge könne sein, dass die BLS das Unterhaltsintervall verkürzen müsse, sagt Blum. Das heisst, die Schienen müssten jeweils einige Jahre früher als bisher ersetzt werden. Die BLS geht aber davon aus, dass der Einsatz der Doppelstocktriebwagen wie geplant ausgebaut werden kann. Ab September soll ein zweiter Mutz verkehren, ab Fahrplanwechsel im Dezember ein dritter. Damit würde der gesamte Fahrplan der S 6 durch diese Züge bedient. Eine einfache Variante wäre es, in den Kurven langsamer zu fahren. «Hier haben wir aber nicht viel Spielraum, sonst geht der Fahrplan nicht mehr auf», erklärt Blum. Laut BLS befand sich die anforderungsreiche Strecke bei der Beschaffung im Pflichtenheft. Darum zählt das Transportunternehmen auf den Support des Herstellers. Wer allfällige Mehrkosten übernimmt, ist noch nicht klar.

Beim Bundesamt für Verkehr heisst es: «Die BLS muss den Einsatz der Mutz-Züge so abstimmen, dass ein übermässiger Schienenverschleiss auf der Schwarzenburg-Strecke vermieden werden kann.» Die Sicherheit sei aber gewährleistet. Die Abklärungen betreffen auch die Fahrzeuge, denn die Strecke umzubauen, zu begradigen oder die Radien zu vergrössern, kommt aus Kostengründen kaum infrage. Für Strecken mit Radien von weniger als 250 Metern muss gemäss den Bestimmungen «das Zusammenspiel von Zugrädern und Schienen untersucht und müssen die Abnützungsfolgen für die Infrastruktur bestimmt werden», wie das Bundesamt weiter mitteilt.

Gemeinden wollen eine Lösung

Bei der Firma Stadler Rail prüft man unterdessen mögliche Modifikationen in Zusammenarbeit mit dem Kunden, wie es heisst. «Es ist absolut normal, dass man da Feinjustierungen macht», sagt Mediensprecher Tim Büchele. Stadler Rail hält weiter fest, dass die Doppelstocktriebzüge Mutz «sämtliche Normen» erfüllen. In Schwarzenburg wartet man gespannt auf die weitere Entwicklung. Im Magazin «Schwarzenburg» hat Gemeindepräsident Ruedi Flückiger die Probleme mit dem Zug bereits zweimal thematisiert. Er ist in dieser Sache auch bei der BLS vorstellig geworden. «Mir ist eigentlich gleichgültig, wie die Probleme behoben werden, solange der Fahrplan eingehalten werden kann», sagt Flückiger. Wichtig sei, dass wie geplant auf die Doppelstöcker umgestellt werden könne, das sei wichtig beim hohen Passagieraufkommen.

Seit April ersetzt ein Mutz die beiden morgendlichen Zusatzzüge. Etwas überrascht ist Flückiger, dass die Abklärungen noch nicht weiter gediehen sind. Immerhin kündete die BLS bereits im Oktober 2013 intensive Abklärungen an. Sonst ist Flückiger des Lobes voll über die neuen Züge. «Der Komfort ist sehr gut, und es stehen ­genügend Sitzplätze zur Verfügung.»

Für die Könizer Gemeinderätin Katrin Sedlmayer ist wichtig, «dass die notwendigen Kapazitäten auf dieser sehr gut frequentierten Strecke» vorhanden sind. Viele Könizerinnen und Könizer pendeln mit der S 6 zur Arbeit. «Wenn im öffentlichen Verkehr ein attraktives Angebot bereit steht, so wird dieses auch benützt», sagt Sedlmayer. (Der Bund)

Erstellt: 25.06.2014, 09:47 Uhr

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