Bern

«Künstlerisches Schaffen ist Gewaltprävention»

Von Andrea Mantel. Aktualisiert am 25.08.2012

Die Kulturvermittlung wird an den Stadtberner Schulen seit 25 Jahren grossgeschrieben. Auf kantonaler Ebene hat die Idee einen wesentlich schwierigeren Stand.

Beiträge für die Kulturvermittlung hätten nie für Diskussionen gesorgt, sagt Edith Olibet (SP).

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Bild: Valérie Chételat

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Die Kulturvermittlung in den Kindergärten und Volksschulen der Stadt Bern feiert ihr 25-jähriges Bestehen. In dieser Zeit wurden fast 900 Kulturprojekte durchgeführt. In der Stadt wird seit einem Vierteljahrhundert die Verbindung von Kultur und Schule als selbstverständlich angesehen und auch so praktiziert, die finanziellen Mittel waren nie umstritten. «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Beiträge für die Kulturvermittlung im Stadtrat je zu grossen Diskussionen geführt hätten», sagt Edith Olibet (SP), Direktorin für Bildung, Soziales und Sport.

Immerhin handelt es sich dabei jährlich um 110'000 Franken. Ergänzend dazu stehen 20 000 Franken für den Besuch von Theatervorstellungen und Musikdarbietungen von Kulturinstitutionen der Stadt Bern zur Verfügung. «Die Nachfrage vonseiten der Schulen ist gross», bestätigt Olibet. «Die Kulturvermittlung ist eine Erfolgsgeschichte – pro Jahr werden etwa 35 Projekte durchgeführt.» Die Kultur sei ein Teil der Bildung und etwas Gutes für die Entwicklung der Kinder. «Kunst, künstlerische Aktivitäten sowie kulturelle Bildung sind ungemein wichtig», sagt Olibet. «Dabei werden Sozial-, Selbst- und Sachkompetenz gefördert.» Das würden die Erfahrungen aus den letzten 25 Jahren zeigen. Zudem führe künstlerisches Schaffen zu einem besseren Klassenklima und diene als Gewaltprävention.

Theater, Tanz oder Hörspiel?

Zweimal im Jahr schreibt das Schulamt die Kindergärten und Volksschulen an und legt ein Anmeldeblatt, einen Projektbeschrieb sowie die aktuelle Liste mit den Kulturschaffenden bei. Die Lehrpersonen wählen ein passendes Angebot aus, melden sich und ihre Klasse an, und das Schulamt vergibt die Projekte nach verschiedenen Kriterien. Diese sind etwa eine gleichmässige Verteilung auf die Schulkreise, Schulstufen und Schulstandorte. «Wir achten auch darauf, dass speziell belastete Schulen von den Kunstprojekten profitieren können», sagt Irene Hänsenberger, Leiterin Schulamt. «Zur Auswahl stehen rund 150 Kunstschaffende aus den verschiedensten Sparten, die sich freiwillig für solche Projekte zur Verfügung stellen.»

Die Künstlerinnen und Künstler aus Stadt und Umgebung arbeiten dann während eines Semesters oder eines Quartals je eine Doppellektion pro Woche mit einer Klasse und deren Lehrperson zusammen – dieser Zeitrahmen wird fest in den Unterricht eingebaut. Dabei wird zum Beispiel ein Hörspiel verfasst, ein Theater erarbeitet oder die Choreografie eines Tanzes entwickelt und einstudiert. «Dabei ist vor allem der Weg das Ziel», so Olibet. «Im Zentrum steht die gemeinsame Auseinandersetzung, das gemeinsame Suchen und erproben.»

Kanton gewichtet Kultur weniger

Das kantonale Projekt «Bildung und Kultur» hat sich ähnliche Ziele auf die Fahne geschrieben. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver stellte die Idee 2009 erstmals im Grossen Rat vor. Damals umfasste es noch acht Massnahmen und hätte für vier Jahre 15 Millionen Franken gekostet. Nach heftigen Diskussionen und mehrmaliger Redimensionierung auf Druck des Kantonsparlaments blieben noch drei Massnahmen übrig – Gutscheine für Kulturprojekte oder Kulturangebote, Mus-E-Programm für die Zusammenarbeit mit Künstlern und eine Internetplattform zum Kulturvermittlungsangebot der Erziehungsdirektion.

Dafür bewilligt wurden 6,2 Millionen Franken. Zu verdanken war dies einer Allianz aus SP, Grünen, EVP, GLP, CVP und einzelnen Bürgerlichen, die das Projekt mit 83 gegen 61 Stimmen retten konnte. «Wir sind froh, dass der Kanton ebenfalls Mittel zur Verfügung stellt», sagt Olibet. «So kann die grosse Nachfrage nach Kultur an den Schulen besser befriedigt werden.» (Der Bund)

Erstellt: 25.08.2012, 09:33 Uhr

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