Kochen, einkaufen, 
Geld zählen und putzen

Anfang Monat öffnete in Burgdorf ein neues Durchgangszentrum für Asylbewerber. Gestern konnte die Bevölkerung die Anlage besichtigen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schmale, lange Gänge und schmucklose Räume: Die Zivilschutzanlage ist wahrlich kein Kleinod. Die Vorsteherin des kantonalen Migrationsdienstes war bei der ersten Besichtigung «geschockt», wie sie gestern gegenüber dem «Bund» sagte. Die Anlage sei aber sehr gross und nur jedes zweite Bett belegt, weshalb sie das Zentrum nun akzeptabel finde – und scheinbar durchaus auch vorzeigbar: Eineinhalb Wochen nach der Eröffnung des Zentrums veranstaltete der Kanton zusammen mit dessen Betreiberin, der ORS AG, eine Informationsveranstaltung und führte Pressevertreter und die lokale Bevölkerung durch das neue Flüchtlingsheim.

Die Burgdorferinnen und Burgdorfer erschienen zahlreich: Rund dreihundert Personen fanden sich gestern Abend in der Mensa des Bildungszentrums Emme ein. In dessen Untergeschoss, in der Zivilschutzanlage Lindenfeld, befindet sich das Durchgangszentrum, das rund 100 Menschen Platz bietet. Aktuell sind gemäss den Angaben von ORS-Geschäftsführer Stefan Moll-Thiessen 88 Menschen im Zentrum einquartiert, manche davon haben bereits einen negativen Asylentscheid bekommen.

Herausforderung für Burgdorf

Gemeindepräsidentin Elisbeth Zäch (SP) sagte, die Mehrheit der Burgdorferinnen und Burgdorfer begrüsse es, dass Flüchtlingen in ihrer Stadt ein temporäres Zuhause geboten werde. Es gebe bereits Anfragen von Anwohnern und Lehrern, die sich im Zentrum engagieren möchten. Die Gemeinde selbst werde Beschäftigungsprogramme zur Verfügung stellen. Gemäss Zäch hat der Gemeinderat den Auftrag des Kantons, in Burgdorf die Infrastruktur für ein Durchgangszentrum zur Verfügung zu stellen, einstimmig angenommen. In der Stadt gebe es aber auch einige kritische Stimmen. Auch sie selbst sei nicht «blauäugig». «Das Zentrum ist für Burgdorf eine Herausforderung.» Man wolle die Bevölkerung deshalb nicht in der Luft hängen lassen und diese transparent informieren, so Zäch. Unter den erschienen Burgdorfern schien die Neugier über die Unterkunft gross zu sein. «Wann hat man schon die Gelegenheit, eine solche Anlage zu besichtigen?» Unter den Besuchern waren auch besorgte Väter und einige Anwohner, die sich nicht besonders auf die neue Nachbarschaft freuen.

«Es kommen Nette, Scheue, Traumatisierte, aber auch Schlitzohrige», sagte ihnen Regierungsrat Hans-Jörg Käser (FDP). Weitere würden kommen; in Italien landeten täglich Tausende Flüchtlinge, viele von ihnen würden dereinst auch in die Schweiz reisen. «Europa ist das Paradies, die Schweiz das Schlaraffenland. Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Negerbubli», so Käser. Der kantonale Migrationsdienst sei ob der Flüchtlingswelle gefordert, aber nicht überfordert, versicherte Käser.

Geldverwalten als Beschäftigung

Der Polizeidirektor äusserst sich auch zur Schlägerei im von der Heilsarmee betriebenen Zentrum in Riggisberg: «Wer schon einmal in einem Pfadilager war, weiss, wie schnell es zu solchen Vorfällen kommen kann.»

Oft sind Langeweile und fehlende Beschäftigung die Ursache von Reibereien und Problemen in den Asylunterkünften. Dass weiss auch die ORS. Gemäss Moll-Thissen wurde deshalb eine Tagesstruktur geschaffen. «Die wichtigsten Beschäftigungen für die Bewohner sind das Zubereiten des Essens und das ‹Verwalten› ihres Budgets.» Sie erhalten zwischen 8 und 13.50 Franken pro Tag. Wichtige Fixpunkte seien auch die an die Bewohnern delegierten «Putz-Ämtli». Für die medizinische Versorgung sei ein Hausarzt verantwortlich, so Moll-Thiessen. Ob dieser Aussage enervierte sich eine eifrige Lokalreporterin: Der angesprochene Arzt sei nicht erfreut über diese Aufgabe. Ihm fehle dazu schlicht die Kapazitäten, das habe er ihr selbst gesagt. (Der Bund)

(Erstellt: 12.09.2014, 11:19 Uhr)

Artikel zum Thema

Burgdorf öffnet Zivilschutzanlage für Asylsuchende

Die Stadt Burgdorf stellt ab Anfang September eine Zivilschutzanlage für die Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung. Mehr...

Verletzte nach Schlägerei im Asylzentrum Riggisberg

Ein Streit unter Asylbewerbern artete am Montagabend aus. Mehrere Personen mussten ins Spital gebracht werden. Mehr...

Plötzlich gibt es Alternativen

Weil Ostermundigen kein Asylzentrum in einer Zivilschutzanlage will, schlägt die Gemeinde andere Gebäude vor – in Bern. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Trauer: Donnapha Kladbupha weint während der Zeremonie zum Gedenken an den Geburtstag des verstorbenen thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej (5. Dezember 2016).
(Bild: Rungroj Yongrit) Mehr...