Bern
Ist die Dakota bald eisfrei?
Von Simona Benovici, Dölf Barben. Aktualisiert am 01.09.2012
Manuel Rufener (v.l), Peter Flühmann und Lucas Kocher mit ihrem Fund auf dem Gauligletscher.
Bild: Copyright SRF
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Es war eine Sensation, als junge Bergsteiger vor fünf Wochen auf dem Gauligletscher einen Propeller des legendären Dakota-Flugzeugs fanden. 66 Jahre nach der Bruchlandung der amerikanischen Militärmaschine hat der Gletscher das Wrackteil unerwartet freigegeben. Während der Propeller bereits von der Luftwaffe geborgen und zur Gaulihütte transportiert wurde, trifft der Kanton als Eigentümer des Wracks nun Vorbereitungen, um den Rest des Flugzeugs vom Gletscher zu holen – so es denn zum Vorschein kommt.
Die Zeichen dafür stehen allerdings sehr gut. Laut Kantonsarchäologe Daniel Gutscher ist damit zu rechnen, dass der Gletscher weitere Fundgegenstände und Wrackteile der Dakota freigibt – und zwar «in nächster Zeit». Allerdings wisse niemand, wann das genau sein werde. Aber: «Da liegt noch einiges rum. Erste Gegenstände sind bereits zum Vorschein gekommen, und es werden sicher noch mehr folgen.»
Runder Tisch einberufen
In zwei Wochen will der Kanton darum die weiteren Schritte im Fall Dakota besprechen. Der Archäologische Dienst hat einen runden Tisch einberufen. Daran werden voraussichtlich Vertreter der Luftwaffe, des Alpinen Museums der Schweiz, des Fliegermuseums Dübendorf, des Verkehrshauses Luzern, des Museums für Ernährung Alimentarium Vevey und des Lokalmuseums Meiringen teilnehmen. Ziel der Gespräche sei es, mit den Institutionen Möglichkeiten der Bergung, der Konservierung und letztlich auch der Finanzierung zu besprechen, so Gutscher.
Standort ist «einigermassen klar»
Dass der Archäologische Dienst trotz vieler Unsicherheitsfaktoren bereits so konkret das weitere Vorgehen besprechen will, erstaunt. Selbst Experten können nicht sagen, wann der Flugzeugrumpf oder die Tragflächen tatsächlich zum Vorschein kommen und in welchem Zustand die potenziellen Ausstellungsgegenstände sind. Handelt der Kanton nicht etwas vorschnell? Oder weiss man vielleicht doch, wo die Dakota liegt? Nein, sagt Gutscher. Es sei aber «einigermassen klar, wo sich der Rumpf befindet». Lokalisiert sei das Wrack aber nicht.
Nichtsdestotrotz müsse man jetzt abklären, wer ausser Enthusiasmus auch über das nötige konservatorische Know-how verfüge. Das Projekt Dakota müsse vorbereitet sein, eine solche Bergung dürfe nicht zu einer «improvisierten Übung» werden. Insofern sei es durchaus sinnvoll, sich mit den Fachstellen abzusprechen, auch wenn niemand genau wisse, wann der Plan, der nun geschmiedet werden soll, tatsächlich aus der Schublade genommen werden könne. Noch sei die Dakota eines von 250 Geschäften, mit dem sich der Archäologische Dienst derzeit befasse. Solange das Flugzeug selber nicht zum Vorschein komme, sei es ein «kleines Geschäft». «Es kann aber ganz schnell zu einem Riesengeschäft für uns werden.»
Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass der Kanton eine allfällige Bergung aus eigenen Mitteln unmöglich finanzieren kann – unabhängig davon, wie teuer eine solche zu stehen kommt. Gutscher verweist auf das beschlossene Ausgabenmoratorium und auf die unkomfortable Finanzlage des Kantons. Und diese werde sich auch in den nächsten Jahren nicht verbessern. Dennoch ist er überzeugt, dass sich eine Lösung finden lässt und die Dakota für den Kanton nicht zu einem unliebsamen Geschenk wird. «Wir haben die Erhaltung von Kulturgütern und die Kulturpflege noch immer wahrgenommen.» Selbst in schwierigen Situationen hätten sich jeweils Möglichkeiten aufgetan. «Dafür haben wir die verschiedenen Fachinstanzen. Ich habe da gar keine Panik.»
Konservierung zur Not mit Schnee
Unter Umständen müsste die Dakota vorläufig auf dem Gletscher zurückgelassen werden. Dem Kanton bliebe dann nichts anderes übrig, als seiner gesetzlichen Pflicht zur nachhaltigen Konservierung vor Ort nachzukommen. «Im äussersten Fall würde die Dakota wieder mit Schnee zugedeckt.»
Auch Roger Cornioley, der Kehrsatzer Hobbyhistoriker, der das Drama auf dem Gauligletscher 2006 akribisch aufgearbeitet hat, verfolgt die Entwicklung mit Interesse. Mittlerweile hat er aufgrund alter Fotos weitere Details geklärt. So sei nun klar, sagt er auf Anfrage, dass es sich beim gefundenen Propeller um den rechten handle. Dessen Blätter seien bei der Bauchlandung in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil verbogen worden. Der linke Propeller dagegen sei unbeschädigt geblieben. Deshalb sei er – wie auch die beiden Motoren – von Mechanikern ausgebaut und zu Tal gebracht worden. Der rechte Propeller dagegen sei für eine weitere Verwendung nicht mehr infrage gekommen. Deshalb sei er vom Motor getrennt und auf dem Gletscher zurückgelassen worden. Unklar ist, ob er schliesslich in einer Gletscherspalte «entsorgt» wurde oder in unmittelbarer Nähe des Wracks liegen blieb.Die zwölf Insassen der Dakota, von denen keiner lebensgefährlich verletzt wurde, waren im November 1946, fünf Tage nach der Bruchlandung, auf spektakuläre Weise geborgen worden. Im Sommer 1947 kam das Wrack nochmals zum Vorschein. Dies verschaffte der Armee die Gelegenheit, die Motoren auszubauen. Danach wurde die Maschine vom Gletscher verschluckt. (Der Bund)
Erstellt: 01.09.2012, 09:25 Uhr
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