In der Stadt Bern könnten Prämien sinken

Der Bund will die Prämienregionen im Kanton Bern neu einteilen. Das freut die Städte. Doch im restlichen Kanton dürften die Prämien 2018 deshalb zusätzlich ansteigen.

Die Prämien könnten 2018 in den drei grössten Berner Städten sinken. (Symbolbild)

Die Prämien könnten 2018 in den drei grössten Berner Städten sinken. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die alljährlichen Aufschläge bei den Krankenkassenprämien sind längst zur lästigen Gewohnheit geworden. Da erstaunt es umso mehr, dass die Prämien in den drei grössten Berner Städten 2018 sinken könnten. Zumindest dürften sie schwächer ansteigen als zuletzt. Doch der Grund sind nicht sinkende Spital- und Arztkosten, sondern die geplante Neueinteilung der Prämienregionen.

Der Bund sieht dabei auch vor, dass es im Kanton Bern künftig nur noch zwei statt drei Prämienregionen gibt. Und genau davon dürften die Gemeinden in den Kernagglomerationen Bern und Biel profitieren. Zwar verbleiben sie in der teuersten Prämienregion. Doch da die Gemeinden künftig aufgrund der Zugehörigkeit zu den 2010 eingeführten Verwaltungskreisen eingeteilt werden, gehören künftig auch die Agglomerationsgemeinden und das Gros der restlichen Gemeinden der teuersten Region an.

In diesen Kommunen beanspruchen die Bürger im Schnitt weniger Gesundheitsleistungen als in den Kernagglomerationen Bern und Biel mit ihren stark ausgebauten Gesundheitsangeboten. Da für die Berechnungen der effektiven Prämien der Durchschnittswert der gesamten Region herangezogen wird, sinken somit die Prämien in der höchsten Prämienregion.

Für die Prämienzahler in den 195 neu der höchsten Kategorie zugeteilten Gemeinden ist dies gleichwohl kein Grund zur Freude: Da sie eine Prämienregion nach oben rutschen, werden die Prämien unter dem Strich steigen.

1000 Franken teurer

Die grossen Verlierer der Verschiebungen sind in den Regionen Emmental und Oberaargau zu finden. Insgesamt 60 Gemeinden sollen gemäss den Plänen des Bundes aus der derzeit tiefsten der drei in die künftig höchste Region umgeteilt werden. Als Folge werden die Prämien massiv steigen. Ein Beispiel: Ein Erwachsener, der im Städtchen Langenthal wohnt, muss ab 2018 aufgrund der Neueinteilung mit jährlichen Mehrkosten von gegen 1000 Franken rechnen.

In den betroffenen Regionen stösst dies auf wenig Verständnis. Langenthals Gemeindepräsident Thomas Rufener (SVP) hat «kein Freude». Gerade auch, weil die Kosten auch sonst schon ansteigen würden. Er hofft, dass der Kanton Bern im Rahmen der diese Woche gestarteten Vernehmlassung darauf hinwirkt, dass der Prämienanstieg im nordöstlichen Bernbiet weniger stark ausfällt. Erst nach Ende der Vernehmlassung im Januar 2017 wird klar sein, ob der Vorschlag des Bundes eins zu eins umgesetzt wird.

Emmentaler so teuer wie Bieler

Beim Kanton hat man derzeit noch keine Meinung zum Ansinnen des Innendepartements. Wichtig sei, dass die Neuverteilung «kostenorientiert» erfolge, sagt der neue Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP). Man habe den Vorschlag und die Berechnungen des Bundes aber noch nicht analysiert.

Die Neueinteilung des Bundes stützt sich auf die effektiven Gesundheitskosten ab. Die Zahlen zeigen, dass der anstehende Prämienanstieg im Verwaltungskreis Oberaargau – der negativen Rückmeldungen aus der Region zum Trotz – seine Berechtigung hat: Der durchschnittliche Oberaargauer gibt nämlich mit durchschnittlich 291 Franken im Monat fast exakt gleich viel aus wie die Menschen im Verwaltungskreis Biel. Auch im Emmental sind die Kosten nur minim tiefer (289 Franken). Spitzenreiter ist derweil der Verwaltungskreis Bern-Mittelland mit 301 Franken.

Hier sind die Prämien am billigsten

Die tiefsten Prämien wird es künftig im Berner Oberland geben. Alle vier Oberländer Verwaltungskreise gehören nach den Plänen des Bundes der zweiten, tieferen Prämienregion an. Wegen der Reduktion der Prämienregionen werden die Prämien im Kreis Thun leicht sinken. Im restlichen Oberland steigen sie derweil leicht an. Gleichwohl: Ein Oberländer verursacht im Schnitt nur rund 10 Prozent weniger Kosten als eine Person in der Region Bern. (Der Bund)

Erstellt: 29.09.2016, 07:22 Uhr

Prämienregionen in der Übersicht

Die Folgen der neuen Prämienregionen für die Versicherten.

Weshalb braucht es die Regionen?

Der Bund will die Prämienregionen anpassen. Damit kann innerhalb eines Kantons eine Abstufung bei den Prämienkosten erreicht werden. So wird versucht, die Kosten gerechter zu verteilen: Regionen, die wenig Kosten verursachen, sollen auch weniger bezahlen müssen.

Die Idee dahinter: Anreize zu setzen, keine unnötigen Leistungen zu beanspruchen. Im Kanton Bern wurden die Regionen aufgrund der Amtsbezirke eingeteilt. Die Amtsbezirke wurden bereits 2010 von Verwaltungskreisen abgelöst. Auch bildete die Einteilung die wahren Kosten nicht mehr ab. Neu dienen die Verwaltungskreise der geplanten Neueinteilung als Basis. In welche Region ein Kreis eingeteilt wird, entscheidet sich aufgrund der durchschnittlichen Kosten pro Einwohner.

Im bernischen Grossen Rat ist derzeit ein Vorstoss hängig, der ebenfalls eine Neueinteilung der Prämienregionen verlangt. Motionär Lars Guggisberg (SVP) bemängelt am Vorschlag des Bundes, dass es künftig nur noch zwei statt drei Regionen geben soll. Das werde der Heterogenität des Kantons nicht gerecht. (bwg)

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