Bern

Grosse Erfahrung und offener Garten

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 20.05.2012

Susanne Schütz öffnet ihre Gartentore für interessierte Besucher – wie viele andere Gartenbesitzer auch: Ein klassischer Bauern- und Nutzgarten auf dem Hof Birnbaum oberhalb von Zollbrück.

Der Bauerngarten von Susanne Schütz in Zollbrück ist nach dem Vorbild des Französischen Gartens angelegt.

Der Bauerngarten von Susanne Schütz in Zollbrück ist nach dem Vorbild des Französischen Gartens angelegt.
Bild: Adrian Moser

Offene Gärten

Offene Gärten in der ganzen Schweiz mit Öffnungszeiten: www.offenergarten.ch.

Sonnenschein, Regen und Graupelschauer wechseln sich an diesem Nachmittag ab. Graue, schwere Wolken werfen dunkle Schatten auf die sanften Hügeln des Emmentals. Am Morgen habe es geschneit, heisst es auf dem Bauernhof Birnbaum oberhalb von Zollbrück. Entschuldigend erklärt Susanne Schütz, die mit ihrem Mann im Stöckli wohnt, dass um diese Jahreszeit auf 830 Meter über Meer noch nicht viel gewachsen sei. Trotzdem öffnet sie bereits am Sonntag die Gartentore ein erstes Mal für Besucherinnen und Besucher. Seit drei Jahren macht sie bei «Offene Gärten» mit, einer Aktion, bei der private Hausgärten für das Publikum zugänglich sind.

Vor den Fenstern des grossen Bauernhauses blühen weisse Geranien – «sehr vornehm», sagt Schütz zum Blumenschmuck ihrer Schwiegertochter. Den Garten und den «Pflanzblätz» betreut sie selber. Zwar sind die Pflanzen noch klein, aber es scheint bereits jedes Plätzchen besetzt. «Das ist eine klassische Mischkultur», erklärt Schütz. Auf ihrem Gebiet ist sie Profi – mit 40 Jahren Erfahrung und als Pionierin im Biogartenbau. In einem Beet mit fünf Reihen wachsen in drei Reihen langzeitiges Gemüse, das in die Höhe wächst, dazwischen steht Salat als Lückenfüller, der den «Bodenraum bewohnt». Wo immer eine Lücke entstehe, pflanze sie einen Salat, sagt sie. Falls nicht alle Salate gegessen würden, profitierten die Hühner, von denen 6000 auf dem Hof lebten, sagt Schütz.

Kuchen und Kaffee sind gratis

Susanne Schütz gibt gerne Tipps: Das liebten die Besucher der offenen Gärten, sagt sie. Sie kämen ohne Anmeldung, die meisten seien selber «Gärteler» oder hätten zumindest vor, bald einen eigenen Garten anzulegen. Maximal seien bis jetzt 25 Leute an einem Tag gekommen. Mehr wäre zu viel, weil sie sonst den Leuten kaum noch gerecht würde. Sie zeige den Garten, erkläre, tausche sich aus und versorge die Besucher mit Kaffee und Kuchen. «Es ist gratis, das ist eine Dienstleistung», erklärt Schütz. Neben den vielen zahlenden Besuchern auf dem Hof falle das nicht ins Gewicht.

Schütz empfängt regelmässig Gartenbauvereine auf dem Hof und gibt Kurse über effektive Mikroorganismen, eine Methode zur Verbesserung der Bodenqualität. Insgesamt 800 Personen, die alle mindestens einen Salatteller oder ein Menü serviert bekämen – mit Gemüse aus dem Garten. Daneben ernährten sich die 20 Personen auf dem Hof vom Ertrag aus den rund fünf Aren Nutzgarten. Deshalb sei das alles nicht einfach nur zum Spass, sagt Schütz. Und es sei auch klar, dass sie wegen des biologischen Anbaus keine Ertragseinbussen in Kauf nehme. Im Gegenteil: Auf dem Pflanzplätz wachsen Riesenkohlrabis, die vier bis fünf Kilogramm schwer werden. Auch für Abwechslung ist gesorgt. Trotz der frühen Jahreszeit ist der Blumenkohl bereit zum Ernten. Es handle sich um Winterblumenkohl, den sie im letzten Juni gesät habe, sagt Schütz. Das sei äusserst praktisch, weil während der kalten Monate keine Schädlinge dem Gemüse zusetzen könnten.

Den Stolz befriedigen

Am Wegrand blühen Flieder und Maieriesli, und im Gewürzbeet grünt und spriesst es. «Das Gewürz muss möglichst nahe an der Küche wachsen, damit es die Hausfrau um fünf vor zwölf Uhr tatsächlich holen geht», sagt Schütz. Auch bezüglich Goldmelisse hat sie einen Ratschlag. Schneide man sie, wenn sie etwa 20 Zentimeter hochgewachsen sei, so schlügen drei Zweige aus und der Ertrag verdreifache sich. «Ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter, es müssen ja nicht alle zuerst immer etwas falsch machen», sagt Schütz.

Anderen bereite das Zeigen ihres Gartens Freude, weil sie damit den Stolz befriedigen könnten, sagt Clemens Bornhauser, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur, eine der Trägerorganisationen von «Offene Gärten». Anforderungen an die Leute, die ihre Gärten öffneten, stelle man bewusst nicht, weil man nicht nur elitäre Anlagen zeigen wolle. Was zähle, sei das Engagement, und das sei recht hoch. Offene Gärten seien in Deutschland beliebt. Laut Bornhauser stammt die Idee aus England. (Der Bund)

Erstellt: 20.05.2012, 08:23 Uhr

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