Bern
Gefahr durch den kleinen Blutsauger
Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 22.05.2012 1 Kommentar
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Zeckenliga feiert 10-Jahres-Jubiläum
Die Liga für Zeckenkranke Schweiz (LiZ) mit Sitz in Bern wurde im April 2002 gegründet. Ihr Ziel ist es, Informationen über Zeckenkrankheiten auszutauschen und zu verbreiten. Ebenso engagiert sich die LiZ für die Prävention und versucht, Kontakte zwischen Kranken und medizinischen, sozialen und gesundheitspolitischen Institutionen zu erleichtern. Des Weiteren unterstützt die Liga Betroffene bei juristischen Problemen. Gemäss LiZ-Präsident Christian Keller sind 80 Prozent der Mitglieder Betroffene, die restlichen 20 Prozent Angehörige oder Interessierte. Die LiZ arbeitet eng mit Lyme-Borreliose-Selbsthilfegruppen der Schweiz zusammen.
Informationen: www.zeckenliga.ch
Zecken auch in höheren Lagen
Trotz des Klimawandels muss in der Schweiz nicht mit einer Zeckeninvasion gerechnet werden. Es sei zwar «theoretisch möglich», dass es hierzulande wegen des wärmeren Klimas künftig mehr Zecken geben wird, sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Allerdings könne dies nicht abschliessend gesagt werden. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen wegen des schöneren und wärmeren Wetters vermehrt draussen aufhielten. Dadurch sei die Wahrscheinlichkeit, von einer Zecken gebissen zu werden, grösser. Man habe aber beobachten können, dass Zecken nun auch in höheren Lagen überleben können. Während die Parasiten einst nur bis rund 1500 Meter über Meer lebten, seien sie heute bis auf 2000 Meter über Meer zu finden.
Zecken stärker dank Bakterien
Eine an der Universität Neuenburg durchgeführte Nationalfonds-Studie hat zudem gezeigt, dass Zecken, die von bakteriellen Krankheitserregern befallen sind, warme Trockenperioden eher überleben als solche, die keine Erreger in sich tragen. Die Verfasser rechnen daher damit, dass sich in Zukunft – in einem zusehends wärmeren Klima – die durch Zeckenstiche übertragenen Krankheitsfälle mehren werden.
Die Nachricht, in den Kantonen Bern und Solothurn treibe sich angeblich ein Schwarzer Panther herum, sorgt derzeit für grosse Aufregung: Spaziergängerinnen überlegen sich zweimal, ob sie die Route durch den Wald nehmen sollen, Lehrer wollen vom Jagdinspektor wissen, ob der geplante Maibummel durchgeführt werden kann, und besorgte Eltern sagen wegen des Raubtiers sogar Kindergeburtstage ab.
Bei der ganzen Hysterie geht fast vergessen, dass die grösste Gefahr in Wald- und Wiesengebieten nicht von einer grossen Raubkatze, sondern von einem winzigen Parasit ausgeht: der Zecke. Die kleinen Blutsauger, welche nicht grösser sind als ein Stecknadelkopf, können schwere Krankheiten übertragen. So zum Beispiel die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – oder Hirnhautentzündung, welche im schlimmsten Fall tödlich enden kann.
Kalter Winter kein Problem
Im Winter hatten Experten gewarnt, dass in diesem Frühling und Sommer besonders viele Zecken im Unterholz lauern würden. Dies, weil die kleinen Blutsauger bei den eisigen Temperaturen im Januar und Februar in eine regelrechte Winterstarre fielen. Dabei sparen die Tiere Energie und können problemlos überleben. Es gebe im Moment in der Tat sehr viele Zecken, sagt Christian Keller, Präsident der Liga für Zeckenkranke (LiZ), auf Anfrage. Allerdings habe die Anzahl Betroffener gegenüber der letzten Jahre nicht gross zugenommen. Keller erklärt sich dies mit dem schlechten Wetter im April: Den Leuten sei es zu kalt und nass gewesen, um sich lange draussen aufzuhalten. «So konnten die Zecken gar nicht zuschlagen.»
2012 bisher 15 Personen erkrankt
Seit Jahresbeginn wurden gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) 15 Personen registriert, die an FSME erkrankten. Im letzten Jahr waren es in derselben Zeitspanne deren 11. Pro Jahr erkranken rund 100 bis 200 Personen an FSME. 2011 waren es 178, 2010 95. Es ist anzunehmen, dass mit steigenden Temperaturen auch die Anzahl infizierter Personen zunehmen wird.
Für Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, ist daher klar, dass Personen, die in einem Gebiet leben, in dem bekanntermassen infizierte Zecken leben, sich unbedingt gegen FSME impfen lassen sollen: «Auch solche, die sich nur ab und zu im Wald aufhalten.» In der Schweiz leben gemäss BAG zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten. Dazu gehören im Kanton Bern die Bewohnerinnen und Bewohner folgender Gebiete: Grosses Moos, Gampelen/Erlach, Lyss/Jens/Port, Mühleberg/Kriechenwil, Belp/Münsingen/Steffisburg, Thun/Spiez/Frutigen und Erlenbach/vorderes Simmental.
Keine Impfung gegen Borreliose
Obwohl dem FSME-Virus in der Öffentlichkeit grosse Beachtung geschenkt wird, macht der Patientenorganisation LiZ eine andere durch Zecken übertragene Krankheit viel mehr Sorgen: die Lyme-Borreliose. Denn während nur rund 3 Prozent der Zecken in der Schweiz das Enzephalitisvirus in sich tragen, sind 20 bis 50 Prozent – je nach Gebiet – der Zecken mit dem Borreliosebakterium infiziert. Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 5000 Personen an der Lyme-Borreliose. Experten rechnen allerdings mit einer hohen Dunkelziffer, da für die bakterielle Erkrankung keine Meldepflicht besteht.
Anders als gegen die Virenerkrankung FSME gibt es gegen Lyme-Borreliose nach wie vor keinen Impfstoff. Gemäss Keller kann Borreliose mit Antibiotika behandelt werden. Werde die Krankheit allerdings zu spät entdeckt, sei die Gefahr gross, dass Organe – insbesondere das Nervensystem und die Gelenke – geschädigt würden. Dies merkten Patienten manchmal erst Wochen oder gar Monate später. «Die Krankheit ist sehr heimtückisch», sagt Keller.
Es sei allerdings nicht so, dass alle Personen, die von einer infizierten Zecke gebissen werden, automatisch an Lyme-Borreliose erkrankten. «Ein starkes Immunsystem kann die Borreliosebakterien selber bekämpfen.» Dennoch rät Keller allen, die in den Wald gehen, sich gut «einzupacken». Es sei wichtig, stets lange Hosen zu tragen; diese sollen in die Socken gestopft werden, damit die Haut möglichst an allen Stellen bedeckt ist. Anti-Mückensprays, die angeblich auch Zecken fernhalten, kann Keller indes nicht viel abgewinnen: «Deren Schutz hält meist nur kurz an.» Auch mit dem besten Schutz könne es aber vorkommen, dass sich eine Zecke in der Haut festbeissen kann. In diesem Fall sei es wichtig, diese so schnell als möglich mit der Pinzette zu entfernen: «Und wenn man keine zur Hand hat, dann tun es auch die Fingernägel.»
Haustiere sind auch betroffen
Nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere können an Borreliose erkranken. Allerdings gibt es für sie bereits einen wirksamen Impfstoff. Wildtiere sind gegen den Borrelioseerreger hingegen immun. (Der Bund)
Erstellt: 22.05.2012, 13:58 Uhr
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1 Kommentar
Noch gefährlicher als Zecken ist die Ignoranz der chronischen Borreliose in unserem Gesundheitssystem. Betroffene erhalten keine Therapie, weil es keinen Test gibt, der aktive von ausgeheilten Infektionen unterscheiden kann. So werden sie mit der Psychodiagnose sich selbst überlassen. Wenn sie nicht mehr arbeiten können, landen sie auf dem Sozialamt, denn ohne Diagnose gibts keine Rente. Antworten
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