FDP schickt ihre «Jeanne d’Arc» in den Ständeratswahlkampf

Claudine Esseiva wurde von den Delegierten der FDP Kanton Bern mit über­raschend klarem Vorsprung nominiert.

Claudine Esseiva will für die FDP in den Ständerat.

Claudine Esseiva will für die FDP in den Ständerat. Bild: Keystone

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Es war nicht der erwartete Showdown zwischen den drei Ständertskandidierenden gestern Abend an der Delegiertenversammlung der FDP Kanton Bern in Thun. Vielmehr war es eine One-Woman-Show: Claudine Esseiva distanzierte ihre beiden männlichen Konkurrenten, die Grossräte Peter Flück und Adrian Haas, mit überraschend deutlichem Vorsprung.

86 Stimmen holte sie im zweiten und bereits entscheidenden Wahlgang. Flück und Haas mussten sich mit 34 respektive 32 Stimmen zufriedengeben. Das Resultat ist bemerkenswert, handelt es sich bei Flück und Haas doch um zwei gestandene FDP-Politiker. Es­seiva hingegen bekleidet derzeit kein politisches Mandat. Sie ist erst im letzten Jahr von Freiburg zurück nach Bern gezogen. Sie nahm zwar im letzten Frühjahr an den Grossratswahlen teil, landete aber nur auf dem fünften Ersatzplatz der Stadtberner FDP.

FDP setzt auf die Jungen

Esseivas Sieg hatte sich gestern Abend schon abgezeichnet, bevor die 153 Delegierten zur Abstimmung schritten. Sie wurde von vier Rednerinnen und Rednern empfohlen, Flück und Haas nur von je einer Person. Und es waren nicht nur die Jungfreisinnigen und Frauen, die sich für die 35-jährige Mutter starkmachten.

Auch der Burgdorfer Alt-Grossrat Hans-Rudolf Markwalder gehörte zu den Fürsprechern: «Wir haben in der FDP Kanton Bern immer Erfolg mit der Nachwuchsförderung gehabt», sagte er. Er dürfte dabei auch an seine Tochter Christa gedacht haben, die derzeit einen der beiden Nationalratssitze der Partei besetzt.

In der Aussenseiterrolle

Mit Esseivas Nomination setzt die FDP im Hinblick auf die nationalen Wahlen im kommenden Oktober voll auf jüngere Aushängeschilder. Denn auch die beiden Nationalräte sind noch keine 40. Markwalder ist 39, Christian Wasserfallen 33 Jahre alt. Kathrin Hayoz, Präsidentin der FDP Seeland, sagte an der DV, die Partei müsse mit jemand Neuem einen «Farbtupfer in den Wahlkampf» bringen. Das wird mit Esseiva zweifellos der Fall sein. Die Generalsekretärin der FDP-Frauen Schweiz gilt als streitlustige Provokateurin. Sie hat sich in der Vergangenheit schon mit der Parteileitung der FDP Schweiz angelegt oder für eine Kampagne mit nacktem Oberkörper ablichten lassen. Daher wurde sie bereits als «Jeanne d’Arc der FDP» betitelt.

Die Chancen, dass Claudine Esseiva am Ende in den Ständerat gewählt wird, sind allerdings gering. Mindestens drei Kandidaten aus anderen Parteien stehen ihr vor der Sonne, allen voran die beiden Bisherigen, die wohl wieder antreten werden. Bei Hans Stöckli (SP) ist das bereits klar, Werner Luginbühl (BDP) hat sich noch nicht geäussert. Zudem müsste Esseiva auch Albert Rösti (SVP) überflügeln. Letztendlich wird es der FDP mit ihrer Ständeratskandidatur darum gehen, Schub für die Nationalratswahlen zu erhalten. Dort möchte die Partei zumindest einen der beiden Sitze, die 2011 verloren gingen, zurückerobern. Daher kandidiert Esseiva gleichzeitig auch für die grosse Kammer. (Der Bund)

Erstellt: 06.11.2014, 08:40 Uhr

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