Eine grosse Schwester 
für die Lehrstellensuche

Studierende helfen Schüler­innen und Schülern beim Einstieg in die Berufswelt. 
Fünf Bernerinnen haben dieses Konzept aus Deutschland in die Schweiz gebracht.

?Jamaima Greub (links) und Miriam Maina bilden eines der «Tandem-Paare» ?der Initiative Rock Your Life.

?Jamaima Greub (links) und Miriam Maina bilden eines der «Tandem-Paare» ?der Initiative Rock Your Life. Bild: Manu Friederich

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Grafikerin würde Jamaima Greub gerne werden. Oder eine kaufmännische Lehre absolvieren, das wäre eine gute Grundausbildung. Im Büro hat sie bereits eine Schnupperlehre absolviert, ebenso als Pharmaassistentin und in einigen weiteren Berufen. Nun beginnt die Suche nach einer Lehrstelle. «Ich muss viele Briefe schreiben», sagt die Neuntklässlerin aus Bümpliz.

Wenn sie dabei nicht weiterkommt, kann sie auf die Unterstützung von ­Miriam Maina zählen. Die 29-jährige Zürcherin studiert in Bern Psychologie, und sie ist ­Jamaimas Mentorin. Das tönt formell – ist es aber keineswegs. Die beiden jungen Frauen zusammengebracht hat die Organisation Rock Your Life Schweiz. «Die Studierenden schlüpfen in die Rolle der grossen Schwester oder des grossen Bruders», sagt Helena von Känel von Rock Your Life. Während zwei Jahren, der achten und der neunten Klasse, begleiten Studierende wie Miriam Maina Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg in die Berufswelt.

Bei vielen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern hätten die Eltern wenig Zeit, zu schlechte Deutschkenntnisse oder sie wüssten nicht genug über das hiesige Berufs­bildungssystem, um ihre Kinder bei der Berufswahl zu unterstützen, erklärt von Känel. «Doch die Unterstützung geht über die reine Berufswahl hinaus.» Die Studentinnen und Studenten leisten ihren Einsatz ehrenamtlich. Das Zertifikat, das sie dafür erhalten, könne natürlich auch bei der eigenen Berufswahl behilflich sein, sagt Helena von Känel.

Die Idee kam aus einer Zeitschrift

Begonnen hat alles mit einem Artikel über das Projekt Rock Your Life in einer deutschen Zeitschrift. Die Bernerin Anna Leuenberger war vom Mentoring-Modell fasziniert und wollte dieses in die Schweiz importieren. Gemeinsam mit vier Frauen aus ihrem Bekanntenkreis fragte sie bei der deutschen Organisation an und erhielt die Genehmigung, den Namen Rock Your Life hierzulande zu verwenden.

Im Rahmen eines Businessplan-Wettbewerbs an der Universität Bern erhielten die fünf Frauen erste Unterstützung, danach gingen sie auf Geldsuche. Von der Primesteps Foundation des Berner Unternehmers Gerhard Jansen haben sie eine Anschubfinanzierung erhalten. Vor einem Jahr startete das Projekt schliesslich mit der Suche nach Teilnehmern. An den Berner Hochschulen einerseits und in drei Oberstufenschulen in Bümpliz und Ostermundigen andererseits wurden die Initiantinnen fündig. Studierende und Jugendliche mussten sich schriftlich bewerben – so konnte sichergestellt werden, dass es die Teilnehmer ernst meinen.

Die 22 sogenannten «Tandem-Paare» wurden gebildet, wie es manchmal auch andere Paare werden: mittels Speed-Dating. «Wir waren uns auf Anhieb sympathisch», sagt die 15-jährige Jamaima Greub. «Jamaima ist sehr selbstständig», sagt ihre Mentorin Miriam Maina, «ich bin für sie eine Art Beraterin». So haben die beiden über Persönliches gesprochen, aber auch über allgemeine Fragen zur Berufswahl: «Was ist das KV überhaupt, wie wird man eigentlich Grafikerin oder Zeichnungslehrerin und so weiter.» Einmal habe sie Jamaima auch mit an eine Uni-Vorlesung genommen, um ihr diese Welt zu zeigen, erzählt die Studentin.

Ein Bewerbungs-Wochenende

An drei Wochenenden bilden die Trainer von Rock Your Life Schweiz die Studierenden zu Mentoren aus. Jeweils am Samstag sind auch die Schüler mit dabei. Im Mai fand zudem ein Bewerbungssimulations-Workshop statt: Personalverantwortliche der Berner Kantonalbank und von Hewlett-Packard begutachteten die Bewerbungsunterlagen der Schüler und übten mit ihnen ein Bewerbungsgespräch.

Die Organisation will dieses Jahr insgesamt 180'000 Franken sammeln, womit unter anderem die Geschäftsstelle in Bern finanziert wird. Die Initiantinnen teilen sich 120  Stellenprozente und arbeiten daneben in ihren Berufen weiter. Nächstes Jahr sollen die Mittel dank Beiträgen von Stiftungen, von Unternehmen und von der öffentlichen Hand steigen, sagt Helena von Känel. Rock Your Life hat zudem in Bern, St. Gallen und Zürich lokale Vereine gegründet, welche das Vermitteln von Mentoren in die Hand nehmen sollen, so dass in den drei Städten diesen Herbst ­diesen Herbst oder im Frühling neue Tandem-­Pärchen entstehen können.

Kontakt: www.schweiz.rockyourlife.org (Der Bund)

Erstellt: 05.10.2014, 14:36 Uhr

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