Bern
Eine Spitalliste ohne Knalleffekt, aber mit Nebenwirkungen
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 21.04.2012 1 Kommentar
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Jetzt ist sie da: die seit langem erwartete, heftig umstrittene Spitalliste. Gestern hat der Regierungsrat des Kantons Bern das komplexe Dokument vorgestellt. Überraschungen sind ausgeblieben, Spitäler werden keine geschlossen. Trotzdem soll die Liste für weitere Konzentrationen sorgen, wie Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) vor den Medien sagte.
Die Spitalliste ist für die Spitalgruppen und -unternehmen existenziell, weil sie definiert, wer welche Leistungen erbringen muss und diese über die Grundversicherung abrechnen darf. Weil die Leistungsaufträge an die Spitalunternehmen ergehen und nicht an einzelne Spitalstandorte, lasse sich aus der Liste nicht ablesen, welches Spital allenfalls geschlossen werden müsse, sagte Annamaria Müller, Vorsteherin des Spitalamtes. Die Fussnoten jedoch würden «für Unmut sorgen», prophezeite sie.
«Fokussierungen» sollen Medizinalstandort Bern stärken
In der Tat sind in den zahlreichen Anmerkungen zur Spitalliste Einschränkungen und Vorbehalte definiert. Beim privaten Lindenhofspital beispielsweise soll die spezialisierte Neurochirurgie nur noch dann abgerechnet werden dürfen, wenn sie in Zusammenarbeit mit dem Inselspital erfolgt. Einschränkungen erfahren die bedeutenden Privatkliniken, aber auch die grossen öffentlichen Spitäler der Stadt Bern, wenn es beispielsweise um hoch spezialisierte Eingriffe an Bauchspeicheldrüse oder Leber geht.
Das Ziel des Kantons: Der Platz Bern soll durch «Fokussierungen» als Medizinalstandort gestärkt werden. In den Spitalregionen dagegen soll die Entwicklung darauf hinauslaufen, dass die wichtigen Dienstleistungen mit der Zeit nur noch an einem Hauptstandort angeboten werden. Dies sei der einzige Weg, um der bernischen Bevölkerung «dauerhaft eine qualitativ gute medizinische Versorgung zu einem tragbaren Preis» zur Verfügung stellen zu können, sagte Perrenoud. «Es ist der bestmögliche Kompromiss.»Dabei hält der Regierungsrat am Grundsatz fest, dass nur versorgungsrelevante Angebote auf der Spitalliste figurieren. Für ein Regionalspital ist das dann der Fall, wenn es 15 Prozent einer bestimmten Behandlung für die regionale Bevölkerung übernehmen kann. Das Prinzip wird von Gesundheitsökonomen kritisiert.
Eine Milliarde Franken pro Jahr
Perrenoud erinnerte gestern daran, dass der Kanton Bern jedes Jahr eine Milliarde Franken für die Gesundheitsversorgung seiner Bürger ausgebe, «ohne wirklich steuern zu können, wohin diese Mittel fliessen sollen». Der Regierungsrat sei mit seinen Bemühungen, solchen Tendenzen eine andere Richtung zu geben, gescheitert. Perrenoud sprach damit die von ihm vorgeschlagene Mengensteuerung an, die eine Ausgabenkontrolle hätte ermöglichen sollen. Diese war vehement abgelehnt worden.
Die neue Spitalliste ersetzt die bestehende aus dem Jahr 2005, die längst nicht mehr aktuell ist. Die Erstellung einer neuen Liste war mehrfach verzögert worden. Der Regierungsrat hoffe, sagte Perrenoud, dass die neue Spitalliste nun nicht mit Beschwerden blockiert werde. Sonst lasse sich das Ziel nicht erreichen: «Eine optimale Versorgung zu möglichst geringen Kosten.» (Der Bund)
Erstellt: 21.04.2012, 12:26 Uhr
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1 Kommentar
leider wird so kein geld gespart werden. die grossen zentren sind viel teurer als die kleinen privatspitäler. die leistung aber mindestens so gut wie an der Uni. Geld Sparen?? Welch eine Ironie - die Kosten werden nach oben schiessen, weil Monopole geschaffen werden. aber es ist schon so, dass die Zentren gefördert werden müssen, denn ihnen laufen nicht nur die Aerzte davon aber auch die Patienten Antworten
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