Ein Tram für viele statt mehr Autos für wenige

Nadine Masshardt plädiert dafür, dass die Wähler am 28. September Ja zum Tram stimmen sollen – Der Umwelt zuliebe.

Will, dass die Wähler an die Umwelt und an die Zukunft denken.

Will, dass die Wähler an die Umwelt und an die Zukunft denken. Bild: Manu Friedrich (Archiv)

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Vor dem 28. September wird um viele Details gestritten. Dabei droht die Gesamtsicht aufs Tram Region Bern vergessen zu gehen: Bei einem Nein nähme der Autoverkehr zu. Das wäre nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch für unsere Lebens- und Wohnqualität. Ein Nein wäre also eine vertane Chance für die gesamte Entwicklung der drei Gemeinden. Ein Ja zum Tram Region Bern hingegen ist eine Weichenstellung für eine verantwortungsvolle Zukunft.

Klimaschädliche Verkehrszunahme verhindern

Im Alltag bringt das Tram Fussgängern mehr Raum, Sicherheit und bessere Luft. Als Velofahrerin weiss ich zudem jederzeit, wo das Tram zu erwarten ist. Das Tram ist also trotz neuralgischen Stellen, welche so velo- und fussgängerfreundlich wie möglich auszugestalten sind, der verlässlichere Verkehrspartner als das Auto. Auch die Quartiere gewinnen: Das 10i-Tram entlastet sie von Verkehr, Lärm und Stau. Der Eigerplatz oder das Zentrum von Ostermundigen werden massiv aufgewertet.

Und das Tram Region Bern ist nicht zuletzt beste Wirtschaftsförderung: Es erschliesst einen Viertel der Bevölkerung und die Hälfte aller Arbeitsplätze in Köniz, Bern und Ostermundigen. Für junge Familien bietet das Tram – im Gegensatz zu den chronisch überfüllten 10er-Bussen, die mit Kinderwagen eine Tortur sind – erst Recht eine Alternative zum Auto. Weil junge Familien in Bern aktuell den höchsten Autoanteil pro Kopf verzeichnen, liegt hier ein sehr grosses Umsteigepotenzial.

Heute lebt die Mehrheit der Stadtbernerinnen und -berner ohne eigenes Auto. 78 Prozent der Wege werden mit nachhaltiger Mobilität (Tram, Bus, Velo oder zu Fuss) zurückgelegt. Auch beim öffentlichen Verkehr (öV) sind wir stark: So legen wir 28 Prozent aller Wege zurück. – Was wir nicht zuletzt den bestehenden Trams verdanken. Doch: Nur wenn auch künftig ein attraktiver öV zur Verfügung steht, bleiben wir Spitze!

Dass sich Investitionen in den öV lohnen, und mit der Umstellung auf Trambetrieb alle viel gewinnen, zeigt nicht zuletzt das Tram Bern West: Viele Pendlerinnen und Pendler in Bümpliz und Bethlehem stiegen auf den öV um. Trotz zusätzlicher Wohnungen sank der motorisierte Individualverkehr im Einzugsgebiet des neuen Trams um 7 Prozent, während die öV-Nutzung um 23 Prozent stieg. Womit sich das Tram Bern West einreiht in eine Liste vieler Städte wie Strassburg, Bordeaux, Besançon, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau, die heute wieder oder verstärkt auf Trams setzen. Auch wenn diese Städte unterschiedliche Lösungen fanden, gilt für all diese Beispiele: Das Tram ist eine Erfolgsgeschichte.

Explosive Stimmung im Abstimmungskampf

Eben erhielt ich das Stimmcouvert. Zeit, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Aus vielen Abstimmungen bin ich inzwischen auch politische Kämpfe mit harten Bandagen gewohnt. Doch beim Tram Region Bern wurde eine neue Dimension der Gehässigkeiten erreicht. Die Stimmung in Online-Foren oder an Podien ist zuweilen explosiv. Was mich besonders erstaunt: Diese teils stillosen Einwürfe kommen nicht etwa von jungen Wilden, sondern vor allem von gesetzten Persönlichkeiten. Ich finde es bedenklich, wenn man politischen Gegnern nicht mehr zuhören kann.

Dabei ist das Tram Region Bern kein Prestigeprojekt elitärer Politiker, sondern wurde über Jahre in der Öffentlichkeit im Rahmen unserer demokratischen Institutionen und Prozesse erarbeitet. Man konnte Anregungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge einbringen – auch die Gegnerinnen und Gegner des Projekts.

Eine Stadt der Zukunft setzt auf öV, Fuss- und Veloverkehr

Aber eben, allen Argumenten aus der Mottenkiste zum Trotz: Es geht beim Tram Region Bern um ein Zukunftsprojekt. Entscheiden sich mehr Leute für den öV und lassen ihr Auto stehen, profitieren am Ende alle. Insbesondere unsere Kinder und Grosskinder. (Der Bund)

(Erstellt: 12.09.2014, 15:03 Uhr)

Das Tram Region Bern spaltet die Meinungen: Der «Bund» will mit dem «Trampolin»-Blog mehrgleisig fahren und mit unterschiedlichen Standpunkten von Politikern, Quartierbewohnern und ÖV-Experten die Debatte anregen. Das Volk von Bern, Köniz und Ostermundigen stimmt am 28. September ab, ob das 10er-Tram ins Rollen kommt und die überlastete Buslinie ersetzt. Diskutieren Sie mit.

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