Bern
Die wohl jüngste bernische Führungskraft
Schweizweit 45 Rekrutinnen
7300 Rekruten haben am 12. März schweizweit die Rekrutenschule angetreten, rund 600 sind in der einzigen Panzerschule der Schweiz in Thun eingerückt. Einige von ihnen werden nach der siebten Woche in die Kaderschule wechseln, um Unteroffiziere zu werden.
Unter den 7300 Rekruten sind auch 45 Frauen, davon jedoch nur eine auf dem Platz Thun. Die sogenannt «kombattanten» Funktionen der Panzerschule ziehen weniger Frauen an als Bereiche wie die Sanität oder Logistik: «Wie bei der Berufswahl gibt es auch in der Armee eher typische Männer- oder Frauenfunktionen», so Waffenplatzkommandant Hans-Ulrich Haldimann.
Hingegen verfolgen Frauen, die sich für die RS entscheiden, öfter auch längerfristig konkrete Ziele im Militär. «Der Anteil weiblicher Rekruten, die sich für eine Weiterausbildung interessieren, ist sicher höher als bei den Männern», bestätigt Haldimann. Übrigens: In der Militärsprache hat die weibliche Form noch nicht Einzug gehalten (vgl. «Wachtmeister» und «Unteroffizier» Klinkert). «Bis der Hauptmann vor einem steht, weiss man nicht, dass es sich um eine Frau handelt.»
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Wachtmeister Klinkert, Panzerschule Waffenplatz Thun, 19 Jahre alt. Auf den ersten Blick fällt kaum ein Unterschied zu den Kameraden auf: das Béret adrett seitlich auf dem Kopf, den Dienstgrad und die Gruppenzugehörigkeit in Symbolen auf den Abzeichen und mit Nachnamen gut sichtbar angeschrieben; das Auftreten ausnahmslos korrekt. Vor zwei Wochen hat die RS begonnen. Einzig die unauffällige Tätowierung hinter dem Ohr zeugt noch vom zivilen Leben der jungen Frau.
Schon als Kind krabbelte sie auf Panzern rum
Als Unteroffizier ist Priscilla Klinkert jedoch einen Schritt weiter als die Rekruten: Sie ist bereits in Ausbildung zum höheren Unteroffizier. «Nach der theoretischen Ausbildung in der Kaderschule mache ich jetzt wie ein Praktikum», erklärt sie. Als designierter Fourier ist sie 150 männlichen Rekruten überstellt und für die Verpflegung ihrer Kompanie zuständig - organisatorisch, wie sie betont. Dass sie «weitermachen» wolle, war für sie schon lange klar: Als Tochter eines Berufsmilitärs krabbelte sie schon als Kind auf Panzern rum. So wechselte sie nach Abschluss ihrer kaufmännischen Lehre quasi direkt ins Militär - um endlich selber zu erleben, «was man da den ganzen Tag so macht».
Und das sei viel: «Das Tagesprogramm ist straff.» Auch wenn Priscilla Klinkert genau wie die Rekruten um fünf Uhr früh aufsteht, in ihrer stark administrativen Arbeit hat sie nun «eine andere Art von Belastung»: Buchhaltung, Telefonate - «und viele Rapporte». Etwa, um sich mit den anderen vier Kompanien à je 150 Leute für die Verpflegung abzustimmen. «Es ist ein Spurt, und am Abend bin auch ich kaputt.»
Immerhin kann sie dann, im Gegensatz zu den männlichen Rekruten, in ihr eigenes Zimmer gehen. Damit hat es sich aber schon mit den Vorteilen, die man als Frau im Militär geniesst: «Es stimmt nicht, dass man weniger leisten muss», ist Klinkert überzeugt. Aber: «Man bringt etwas anderes mit, ein anderes Denken, eine andere Art - vielleicht ist man als Frau etwas ruhiger.» Umgekehrt lerne sie ja auch von den Männern vieles, logisch, «es hat ja fast nur Männer.»
«Empfängergerecht kommunizieren»
Sich in dieser Männerdomäne zu behaupten, findet die junge Frau gar kein Problem. «Klar, man muss sich Respekt verschaffen», sagt sie. Wie das gelingt? «Indem man fachlich gut ist und fair handelt - eigentlich genau wie im zivilen Leben.» Was «zivil» hingegen undenkbar wäre: bereits so kurz nach der Lehre eine Führungsrolle zu bekleiden. In der Unteroffiziersschule und in der Praxis, «auf Platz», habe sie vor allem das Wie der Führung gelernt: Wie man mit Leuten umgeht und «empfängergerecht kommuniziert» - also so, dass die Botschaft ankommt und angenommen werden kann. Und sie habe an Selbstsicherheit gewonnen.
In der Tat erstaunt das ruhige, professionelle Auftreten der noch nicht einmal Zwanzigjährigen. Zurufe in rhythmischen Abständen dringen vom Parkplatz herüber. «Die Rekruten machen Liegestützen», erklärt Klinkert. Solche Übungen dienten nicht nur dem sportlichen «Aufbau» der Rekruten, sondern auch der «Gemeinschaftsförderung». Ihre Fachausbildung erhalten die Rekruten durch den Zugführer. Von Wachtmeister Klinkert bekommen sie den Sold und Unterstützung in administrativen Belangen. Ganz allgemein fungiert Klinkert für die Rekruten auch als Vorbild: «Béret tragen, grüssen, der formelle Umgang - all das leben der Feldweibel und ich vor.»
Erzieherische Massnahmen
Bei Fehlern kann Klinkert, so wie alle Vorgesetzten, sogenannte erzieherische Massnahmen anordnen. Die berüchtigten Militär-Schikanen? «Nein, darum geht es nicht», hält sie dagegen: «Es sind immer Aufgaben, die in Zusammenhang mit dem Fehler stehen.» Oftmals gehe es um die Sicherheit. Gerade dann sei es wichtig und richtig, eine Tätigkeit so oft zu wiederholen, «bis man sie beherrscht».
Ob Priscilla Klinkert dereinst den Weg ins Berufsmilitär einschlägt wie ihr Vater, möchte sie noch offenlassen. Der nächste Schritt wäre das Zeitmilitär, um das Gelernte weiter anzuwenden. Da wohne man auch nicht mehr in der Kaserne: «am Morgen kommen, am Abend gehen» - fast wie bei einem normalen Job. (Der Bund)
Erstellt: 26.03.2012, 10:33 Uhr
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