Bern
Die schwierige Chefsuche der BKW
Tritt als Konzernchef ab: Kurt Rohrbach. (Bild: Adrian Moser)
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Der AKW-Unfall im japanischen Fukushima hat Folgen für die morgige Generalversammlung der BKW Energie AG: Gestützt auf die neue Strategie, welche den schrittweisen Atomausstieg bis 2030 vorsieht, sucht der Berner Energiekonzern einen neuen Chef. Kurt Rohrbach, welcher die BKW seit über zehn Jahren leitet, will sich morgen als Vizepräsident in den Verwaltungsrat wählen lassen. Konzernchef wird er bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.
Die Suche nach dem neuen Chef verläuft laut Verwaltungsratspräsident Urs Gasche planmässig: «Wir rechnen damit, dass wir im früheren Herbst entscheiden können. Der genaue Zeitpunkt hängt von den Gespräche mit den Bewerberinnen und Bewerbern ab.» Die Stelle wurde Ende März in Inseraten im «Bund», in der «Berner Zeitung» und in der «Neuen Zürcher Zeitung» ausgeschrieben. Zudem war das Inserat während eines Monats im Onlineportal NZZ Executive aufgeschaltet. «Auf diese Weise wollten wir möglichst grosse Transparenz gegen aussen schaffen. Wir haben ebenfalls transparent bekannt gegeben, dass die BKW einen Strategiewechsel vornimmt», sagt Gasche. Aufgrund der Inserate seien bereits erste Bewerbungen eingetroffen.
Parallel zu den Inseraten hat das Unternehmen die auf Führungskräfte spezialisierte Personalberatungsfirma Boyden (Schweiz) in Zürich beauftragt, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten direkt anzusprechen. Auch interne Kandidaturen seien willkommen, führt Gasche weiter aus. Die breite Suche vergrössere am Schluss zwar die Qual der Wahl, sagt er: «Aber wir sind der Meinung, dass sich dank diesem Vorgehen mit hoher Wahrscheinlichkeit alle bewerben werden, die für diese Aufgabe qualifiziert sind und sich dafür interessieren.»
Sich aus der Politik heraushalten
Der Berner FDP-Nationalrat und Energiepolitiker Christian Wasserfallen erwartet vom BKW-Chef folgendes Profil:
• Er muss über das nötige technische Know-how in der Produktion und der Verteilung von Energie verfügen,
• als Manager muss er einen Konzern mit 2800 Angestellten betriebswirtschaftlich erfolgreich führen können.
Die BKW gehört mehrheitlich dem Kanton Bern, und der Bund erlässt Gesetze und Rahmenbedingungen für die Energiepolitik. Der neue Konzernchef soll sich laut Wasserfallen aus dem politischen Hickhack heraushalten. Seine Aufgabe sei es, die vom Verwaltungsrat beschlossene Strategie innerhalb des von der Politik gesetzten Rahmens umzusetzen. Das oberste Ziel sei die sichere Versorgung der Kunden mit Strom.
Die BKW stehe im Wettbewerb
Auch Peter Brand, Fraktionschef der SVP im Grossen Rat, stellt die sichere Stromversorgung in den Vordergrund. Zudem sollte der Strom für Privatkunden und für die Wirtschaft möglichst günstig sein. «Ob er mit Atomkraft oder mit andern Energiequellen erzeugt wird, ist nicht entscheidend», sagt er. Zu den Anforderungen an den neuen Konzernchef will sich Brand nicht äussern: «Es ist Sache des Verwaltungsrats, das Profil festzulegen und gestützt darauf den besten Kandidaten zu wählen», sagt er.
Er zeigt Verständnis dafür, dass die BKW künftig den privaten Hausbesitzern weniger für den ins Netz eingespeist Solarstrom bezahlen will: Die BKW stehe im Wettbewerb, und sie könne es sich nicht leisten, mit Solarstrom Verluste zu erzielen oder von den Kunden überhöhte Preise zu verlangen.
Nein zu AKW-Vergangenheit
Grossrat Blaise Kropf, Präsident der Grünen des Kantons Bern, erwartet vom neuen BKW-Chef grosse Managementfähigkeiten, denn das Unternehmen habe eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung für den Kanton Bern. «Nicht infrage kommt eine Person, die während mehrerer Jahre mit der Atomenergie verbandelt war», betont er.
Der neue Mann oder die neue Frau an der Spitze müsse offen sein für erneuerbare Energien. Die heutige Unternehmensführung sei das leider nicht: Das habe sie im vergangenen Jahr bewiesen, als sie die Ziele für erneuerbare Energien herabgesetzt habe. Und sie beweise es jetzt erneut, indem sie den privaten Hausbesitzern deutlich weniger für ihren Solarstrom zahlen wolle.
Optimistischer SP-Präsident
Er habe sich jahrelang über die BKW geärgert, jetzt aber sei er zuversichtlich, dass die Trendwende zum Besseren eingeläutet sei, sagt Roland Näf, Präsident der SP des Kantons Bern. Der Verwaltungsrat habe eingesehen, dass er sich auf die Zukunft ohne Atomstrom einstellen müsse. Das sei ein Akt der wirtschaftlichen Vernunft, weil keine neuen AKW gebaut werden könnten.
Während einige Kritiker morgen die Wahl von Konzernchef Kurt Rohrbach in den Verwaltungsrat verhindern möchten, sieht der SP-Präsident darin einen Kompromiss. Die rot-grüne Berner Regierung habe offenbar als Vertreterin des Mehrheitsaktionärs darauf gedrängt, den AKW-freundlichen Rohrbach an der Konzernspitze zu ersetzen. Die Entlassung Rohrbachs hätte aber den Verwaltungsrat zerrissen. Ein Streit im Verwaltungsrat hätte jedoch mutmasslich sowohl der BKW als auch der Energiewende geschadet – deshalb befürworte der Regierungsrat offensichtlich die Wahl Rohrbachs zum vollamtlichen Vizepräsidenten. Dieser werde Spezialaufgaben übernehmen, weshalb kein Konflikt mit dem künftigen Konzernchef zu befürchten sei, sagt Näf.
Der neue Unternehmenschef müsse aus der Strombranche stammen und viel von erneuerbaren Energien verstehen. Sowohl interne Kandidaten aus der BKW als auch Manager von Alpiq und Axpo könne er sich nicht vorstellen, da alle grossen Energieunternehmen eine atomfreundliche Vergangenheit aufwiesen, hält der SP-Präsident fest. Idealerweise stamme der neue BKW-Chef aus einer kleineren, auf erneuerbare Energien ausgerichteten Firma. (Der Bund)
Erstellt: 10.05.2012, 09:12 Uhr
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