Bern

Die Brandgefahr lauert im Nebenraum

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 07.02.2012

Im Kanton Bern kam es in den letzten Tagen zu vielen Bränden. Brennt es womöglich häufiger, wenn es sehr kalt ist? Der Fachmann winkt ab.

Das abgebrannte Bauernhaus in Hinterfultigen.

Das abgebrannte Bauernhaus in Hinterfultigen.
Bild: zvg

Ein Bauernhaus in Hinterfultigen. Ein Pferdestall in Oberburg. Ein Zirkuswagen in Burgdorf. Ein Keller in der Berner Lorraine. Restaurants in Münsingen und in Rüfenacht. Übers Wochenende und am Montag scheint es ein bisschen viel gebrannt zu haben im Kanton Bern. Brennt es womöglich häufiger, wenn es sehr kalt ist – ziehen sich Feuer und Eis gewissermassen an, so wie im Skisportfilm «Fire and Ice» aus dem Jahr 1986? Zumindest ein Fall, jener des Pferdestalls, spricht für diese Vermutung: Dort versuchte der Pferdebesitzer, eine Wasserleitung mit einem Gasbrenner aufzutauen.

Der Fachmann winkt bereits im ersten Satz ab: Aufgrund der Statistik lasse sich ein solcher Zusammenhang nicht bestätigen, sagt Walter Zysset, Sprecher der Berufsfeuerwehr der Stadt Bern, auf Anfrage. «Es brennt nicht häufiger, wenn es kalt ist.» Und dass ein Brand auf die klassische Art wie in Oberburg verursacht wird, sei eigentlich sehr selten.

Wenn es aber passiere, sagt Zysset, dann passiere es meistens nicht so, wie man es sich gemeinhin vorstelle. Denn besonders gefährlich an der Methode mit der offenen Flamme sei nicht das, was offensichtlich gefährlich ist: dass der Brand direkt durch die Flamme ausgelöst wird. Häufiger komme es bei Auftauaktionen zu sogenannten Sekundärbränden. Diese entstehen an Stellen, auf die der Heimwerker sein Augenmerk weniger richtet: etwa in einem Nebenraum oder innerhalb einer Wand.

Glühende Wasserleitungen

Diese Gefahr gilt es vor allem in älteren Häusern zu beachten, die noch über Wasserleitungen aus Stahl verfügen. Werden diese Leitungen zu lange mit einem Bunsen- oder Schweissbrenner erhitzt, beginnen sie zu glühen. Die Hitze pflanzt sich entlang der Leitung fort. Wände sind dabei kein Hindernis. Befinden sich im Nebenraum in der Nähe der Leitung leicht brennbare Materialien, kann sich ein Feuer entzünden – während der wackere Auftauer sich noch auf der sicheren Seite wähnt.

Um Wasserleitungen aufzutauen, sei es ratsam, Fachleute beizuziehen, sagt Zysset. Diese verfügten über entsprechende Geräte. Wer es trotzdem selber versuchen will, kann es mit einem Fön oder Tüchern versuchen, die er in heisses Wasser getaucht hat.

Fallen die Temperaturen, werden vielerorts zusätzlich Elektroöfen in Betrieb genommen. Auch sie sind bei unsachgemässer Verwendung brandgefährlich. Aber auch hier lauert die Gefahr nicht in erster Linie dort, wo sie jeder vermutet: bei Vorhängen und anderen Gegenständen, die direkt mit dem Ofen in Berührung kommen und Feuer fangen. Auch im Zusammenhang mit Elektroöfen spricht Walter Zysset von Sekundärbränden: In der Regel sei es die Überlastung der elektrischen Installationen, die schliesslich zu einem Brand führe.

Eis ist stärker als Metall

Was hingegen eindeutig mit der Kälte zusammenhängt, ist die Häufung von Wasserleitungsbrüchen. Am Sonntag platzte eine Leitung im Coop Ryfflihof in Bern. Und gestern Vormittag entstand in einem Mehrfamilienhaus im Berner Weissenbühl ein Sachschaden von über zehntausend Franken, wie die Berufsfeuerwehr mitteilte. In einer Toilettenanlage im Estrich des Wohnhauses barst eine Wasserleitung. Einem Mieter gelang es zwar, das Wasser abzustellen und grösseren Schaden zu verhindern. Trotzdem waren bereits drei Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Berufsfeuerwehr erfasse solche Ereignisse nicht statistisch, sagt Zysset. Erfahrungsgemäss aber nehme die Häufigkeit von Rohrleitungsbrüchen nach drei bis vier sehr kalten Tagen zu. Dann beruhige sich die Situation für eine Weile. Wenn die Kälteperiode vorüber sei, sagt Zysset, komme es aber erneut zu einer Häufung von Wasserschäden. Dies hänge vermutlich damit zusammen, dass eine gewisse Anzahl der zerplatzen Leitungen zunächst kein Wasser verliere, weil sie, solange es kalt ist, durch Eiszapfen verstopft bleiben.

Räume nicht unbeheizt lassen

Wer Schäden an den Wasserleitungen vermeiden will, sollte darauf achten, dass die Temperatur in den gefährdeten Räumen nicht unter Null Grad Celsius fällt – oder das Wasser stets laufen lassen. Die Alternative ist berechenbar: Wenn eine bestimmte Menge Wasser zu Eis gefriert, erhöht sich das Volumen – kraftvoll – um fast einen Zehntel. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2012, 08:01 Uhr

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