Bern

Der Stadt Bern droht eine Niederlage

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 14.03.2012 6 Kommentare

Biel, Burgdorf und Bern feilschen um die Abteilungen der Berner Fachhochschule. Eine Anti-Bern-Allianz könnte nächste Woche für Überraschungen sorgen.

Die Stadt Bern könnte um Ringen um die Standorte der Fachhochschulen den Kürzeren ziehen.

Die Stadt Bern könnte um Ringen um die Standorte der Fachhochschulen den Kürzeren ziehen.
Bild: Beat Schweizer

Am Ende könnte die Stadt Bern die grosse Verliererin im Geschacher um die künftigen Standorte der Berner Fachhochschule sein. Bei der Konzentration von kantonalen Bildungseinrichtungen war bisher zwar meist klar, dass eigentlich nur Bern als Zentrum des Kantons infrage kommt; Lehrerinnen und Lehrer werden heute beispielsweise nur noch in Bern ausgebildet.

Beim letzten Sparprogramm der Kantonsregierung musste die Hauptstadt aber bereits im Kleinen erfahren, dass es auch anders ausgehen kann. Anstatt die Ausbildung für Bekleidungsgestalterinnen an der Schlossbergschule in Spiez zu schliessen, muss nun die Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule (BFF) in Bern Federn lassen. Im Grossen könnte sich dieser Mechanismus nächste Woche wiederholen, wenn im Grossen Rat über die Standortkonzentration der Berner Fachhochschule entschieden wird. Heute sind die verschiedenen Abteilungen auf 24 Standorte in und um die Städte Bern, Biel und Burgdorf verteilt.

«Wir haben uns bewusst zurückgehalten»

Bereits vor Monaten haben Biel und Burgdorf ihre Lobbying-Maschinerie angeworfen, und seither weibeln sie unermüdlich für ihre Interessen. Verschiedenste Varianten stehen dabei zur Diskussion. Die Stimme der Stadt Bern war bisher aber kaum zu hören. Hier sind derzeit die Sparten Wirtschaft, Gesundheit, Soziales und Künste untergebracht.

«Wir haben uns bewusst zurückgehalten», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), «wenn wir Druck machen, wird dies im Grossen Rat meist als Arroganz der grössten Stadt ausgelegt». Tschäppät setzt auf die Überzeugungskraft bildungspolitischer Argumente. Tatsächlich hat Bern bezüglich Rahmenbedingungen überall die besten Noten erhalten. So gesehen sollte also niemand auf die Idee kommen, Abteilungen der Fachhochschule von Bern in andere Städte zu verlagern.

Fachhochschule würde den Preis zahlen

Und doch geistert genau diese Idee kurz vor dem Entscheid durch zahlreiche Politikerköpfe. Burgdorf fordert offen, die Bereiche Wirtschaft, Gesundheit und Soziales von der Aare an die Emme zu verschieben. Es wird aber nicht nur hier darüber nachgedacht, wie Burgdorf schadlos gehalten werden könnte, wenn die technischen Bereiche nach Biel abwandern. «Für Biel und Burgdorf hat die Fachhochschule eine hohe strategische Bedeutung», sagt etwa FDP-Fraktionschef Adrian Kneubühler (Nidau), «man darf sich schon fragen, ob das für Bern ebenfalls gilt». Jetzt müsse man ernsthaft darüber diskutieren, welche Kompensationen man Burgdorf anbieten könne, um den Campus Technik in Biel realisieren zu können.

«Die Fachhochschule sei extrem wichtig für die Stadt Bern», sagt Stadtpräsident Tschäppät. Sollte sich der Grosse Rat tatsächlich entscheiden, lediglich noch die Künste in Bern zu belassen, wäre aber nicht seine Stadt die Verliererin: «Den Preis würde die Berner Fachhochschule zahlen.» (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2012, 13:05 Uhr

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6 Kommentare

Sahra Gerster

14.03.2012, 16:09 Uhr
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Wenn das Land gegen die Stadt arbeitet, wäre es langsam Zeit für einen eigenen Stadt Kanton. Antworten


Jacqueline Gafner

14.03.2012, 17:06 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Nach dem "Provinz-Entscheid" der Kantonsregierung in Sachen Flughafenbus - eine direkte ÖV-Verbindung vom HB Bern zum Flughafen Bern-Belp ist ab 25. März 2012 Vergangenheit - wäre man wenig erstaunt, wenn Bern auch im Fall der Standortkonzentration der Fachhochschulen hinter Biel und Burgdorf zurückstehen müsste. Wie war das schon mit dem Projekt "Hauptstadtregion Schweiz" mit Bern als Herzstück? Antworten



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