Berner Männer arbeiten gerne Teilzeit

Berner Männer arbeiten häufiger Teilzeit als im schweizerischen Schnitt. Aber von einem Boom zu reden, ist etwas vermessen.

In Bern arbeiten Männer überdurchschnittlich oft Teilzeit.

In Bern arbeiten Männer überdurchschnittlich oft Teilzeit. Bild: TA Archiv

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Die prominenteste Zahl in der Debatte über Teilzeitarbeit, ihren Wert und ihren Effekt auf den gesellschaftlichen Wandel ist die folgende: 90 Prozent der Männer geben an, sie würden gerne weniger arbeiten und dabei auch Lohneinbussen in Kauf nehmen. Damit sind die Männer gewissermassen blosse Angeber. Wirklich Teilzeit arbeiten etwa 15 Prozent. Teilzeitjobs sind immer noch die prägende Arbeitsplatzrealität der arbeitenden Frauen. Von ihnen arbeiten knapp 60 Prozent teilzeitlich.

Insgesamt liegt die Schweiz im europäischen Vergleich in Sachen Teilzeitarbeit nach den Niederlanden auf Rang zwei. Aber dieser Spitzenplatz hat wegen der ungleichen Verteilung keinen Glanz: Gehts um Teilzeitarbeit, liegen rund 45 Prozentpunkte zwischen den Geschlechtern, weltweit betrachtet ein Spitzenwert. Der relativ hohe Level an Teilzeitarbeit in der Schweiz ist also vorerst kein Indiz für geteilte Arbeit.

Die Frauen ziehen – noch – davon

Das Prinzip «Er verdient, sie verdient dazu» ist zwar aufgeweicht, aber nicht vom Tisch. Wie lang der Weg noch werden könnte, umreissen die Entwicklungszahlen der letzten fünf Jahre: Prozentual schnellte die Zahl der Teilzeit arbeitenden Männer in der Schweiz von 300 000 auf 400 000 hoch (+33 %), jene der Teilzeit arbeitenden Frauen stieg von 1,136 auf 1,255 Millionen (+10 %): Der Zuwachs bei den Frauen übersteigt somit in absoluten Zahlen den Anstieg bei den Männer.

Berner über dem Durchschnitt

Und im Kanton Bern? Das ganz exakte Bild lässt sich nicht zeichnen. Verlässlich dokumentiert ist, dass die Bernerinnen und Berner bei der Bestandesaufnahme im Jahr 2008 häufiger Teilzeit arbeiteten als im schweizweiten Schnitt – und mit durchschnittlich kleineren Pensen als in der übrigen Schweiz. 9,6 % aller Berner und 33,1 % aller Bernerinnen (Schweiz: Männer 7,8 %, Frauen 30,9 %) arbeiteten damals im «hochprozentigen» Teilzeitbereich, also zwischen 50 und 89 Prozent. Einen Job im Umfang von weniger als 50 Stellenprozenten bekleideten 7,7 % der Berner und 26,3 % der Bernerinnen (Schweiz: 7,0 % Männer, 23,1 % Frauen). Und was ist mit jenen, die 90 oder 95 Prozent schuften? Sie fliessen gar nicht erst in die Betrachtungen über Teilzeitarbeit ein. Sie zählen statistisch betrachtet schlicht zu den Vollbeschäftigten.

Zulegen auf höherem Niveau

Allerneuste Zahlen zur Teilzeitarbeit sind für den Espace Mittelland verfügbar. Ausgehend davon, dass Bern der einwohnerstärkste Kanton im Espace Mittelland ist, taugen auch sie als bernischer Entwicklungsbarometer. Die Zahl Teilzeit arbeitender Männer – vor allem jener, die weniger als zu 50 % erwerbstätig sind – nahm zwischen 2008 und 2014 auch im Espace um rund ein Drittel zu – respektive um 30 000 in absoluten Zahlen.

Im gleichen Zeitraum stieg in diesem Wirtschaftsraum die Zahl Teilzeit arbeitender Frauen um 30'000. Anders als in der Gesamtschweiz geht die Schere zwischen den Geschlechtern also nicht weiter auf. Der Erklärungsversuch: Die Teilzeitarbeit bei Männern wächst zwar prozentual nur in «schweizerischem» Ausmass, aber eben ausgehend von leicht höheren Ausgangszahlen.

Kleine Kids, präsentere Väter?

Was das Datenmaterial zur Teilzeitarbeit in der Schweiz auch zeigt: Heutige Väter mit Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren arbeiten deutlich häufiger Teilzeit als Väter mit Kindern im Alter von 7 bis 14 Jahren. Die These dazu: Wer heute Vater wird, ist womöglich zugänglicher für Teilzeitarbeit, als es die frischgebackenen Väter noch vor wenigen Jahren waren. (Der Bund)

(Erstellt: 30.11.2014, 15:30 Uhr)

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