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BKW und Staatskasse leiden unter der raschen Stilllegung
Von Hans Galli. Aktualisiert am 09.03.2012 2 Kommentare
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Die BKW geht von einem Betrieb des Atomkraftwerks Mühleberg bis ins Jahr 2022 aus: Das machte Verwaltungsratspräsident Urs Gasche an einer Medienorientierung in Bern klar. Eine vorherige Abschaltung käme nur aus zwei Gründen infrage: erstens, falls die Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre, und zweitens, falls die Nachrüstungskosten so hoch ausfielen, dass sich der Weiterbetrieb nicht mehr lohnte.
Die BKW werde das vom Bundesverwaltungsgericht geforderte Instandhaltungskonzept erarbeiten und im Herbst entscheiden, ob sie die erforderlichen Investitionen vornehmen oder das AKW am 28. Juni 2013 abschalten werde, sagte der Verwaltungsratspräsident weiter. Zur Schmerzgrenze wollte er sich nicht äussern. Die BKW-Spitze hatte aber in der Vergangenheit durchblicken lassen, dass sie bereit ist, beispielsweise ein weiteres Kühlsystems zu bauen und den Wohlensee-Staudamm zu verstärken, damit er erdbebensicher wird.
Kernmantel kostet 500 Millionen
Über Sein oder Nichtsein des AKW Mühleberg dürfte der Kernmantel entscheiden: Dabei handelt es sich um ein Rohr, das rund um die Brennelemente das aufsteigende und das absteigende Kühlwasser trennt. Vor zwanzig Jahren wurden in diesem Rohr Risse entdeckt, weshalb es mit Zugankern verstärkt wurde. Die deutsche Firma TÜV-Nord äusserte in ihrem Gutachten im Auftrag der AKW-Kritiker erhebliche Zweifel an der Sicherheit des Kernmantels in Mühleberg. Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Kritik in seinem diese Woche veröffentlichten Urteil aufgenommen.
Für die BKW ist schicksalhaft, welche zusätzlichen Massnahmen sie zur Verstärkung des Kernmantels vornehmen muss. Zusätzliche Zuganker würde sie wohl anbringen. Der Einbau eines neuen Kernmantels erscheint aber unrealistisch, obwohl sich Gasche gestern nicht festlegen wollte.
Die Berner Regierung hatte vor drei Jahren die Kosten für den Ersatz des Kernmantels auf 400 bis 500 Millionen Franken geschätzt. Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass sich eine derart hohe Investition nicht lohnt. Die BKW erzielt mit dem Strom aus Mühleberg pro Jahr schätzungsweise einen Gewinn von 100 Millionen Franken. Sie müsste somit bis zu fünf Jahresgewinne aufwenden, um die Kosten für den Kernmantel zu amortisieren. Dieser würde die Lebensdauer des AKW um neun Jahre verlängern, davon stünde es aber wegen der Bauarbeiten zwei Jahre still. Da auch noch weitere Investitionen anfielen, könnte die BKW trotz der verlängerten Betriebsdauer nichts mehr verdienen. Die Schliessung aus wirtschaftlichen Gründen wäre die logische Konsequenz.
Mittel reichen für den Rückbau
Der Rückbau würde die BKW nicht ruinieren. Das Bundesamt für Energie (BFE) schätzt die Nachbetreuungs- und Stilllegungskosten für Mühleberg auf 800 Millionen Franken. Die BKW hat dafür bereits 243 Millionen Franken in den vom Bund vorgeschriebenen Stilllegungsfonds einbezahlt und eigene Rückstellungen von 530 Millionen Franken gebildet – zusammen sind das 773 Millionen Franken.
Die Entsorgungskosten für die hoch aktiven Brennelemente schätzt das BFE auf 1,2 Milliarden Franken. Die BKW hat dafür 360 Millionen Franken in den Entsorgungsfonds einbezahlt und 540 Millionen Rückstellungen gebildet. Bis zum Sollbetrag fehlen 300 Millionen, aber bei einem früheren Ende des AKW fiele auch weniger Abfall an.
Wenn das AKW aber ohne den Einbau eines neuen Kernmantels weiterbetrieben werden kann, wird die BKW mit dem Strom aus Mühleberg bis 2022 rund eine Milliarde Franken Gewinn einfahren. Daraus werden dem Kanton als Mehrheitsaktionär rund 300 Millionen Franken an Dividenden zufliessen, und er kann mit Steuereinnahmen von mindestens 200 Millionen rechnen. Bei einer Abschaltung schon 2013 würde dieses Geld in der Staatskasse fehlen. (Der Bund)
Erstellt: 09.03.2012, 09:09 Uhr
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2 Kommentare
Bei einer möglichen grossen Mühleberg-Panne, bei einem Gau, geht es nicht nur um unzählige Milliarden, sondern vor allem um das Wohl und das Leben unzähliger Menschen. Profit gegen Volkswohl und gegen unsere Zukunft? Da müsste einem die Antwort doch leicht fallen! Antworten
Unglaublich wie schnell man zu vergessen scheint. Als Fukushima passierte, hätte sich wohl niemand gewagt die Karte mit dem Gwinnverlust zu spielen. Als ob im Falle eines Mühleberg GAUs die geretteten Millionen in der Staatskasse zählen würden. Diese Argumentation zeigt auch deutlich wie verzweifelt man das GEsicht wahrt bei der BKW, plötzlich ist die Rendite ein Argument für eine Abschaltung. Antworten
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