Bern

Ausgetrockneter Lehrermarkt sorgt für Besetzungsprobleme

Von Andrea Mantel. Aktualisiert am 05.08.2012

Laut Kanton wird die Auswahl potenzieller Stellenanwärter immer kleiner. Nicht alle Schulen konnten auf das beginnende Schuljahr hin ihre ausgeschriebenen Stellen besetzen.

Der Kanton Bern hat mit Lehrermangel zu kämpfen.

Der Kanton Bern hat mit Lehrermangel zu kämpfen.
Bild: Adrian Moser

Aktuell sind auf der Internetseite des Kantons Bern noch 27 Lehrerstellen an Kindergärten und Volksschulen ausgeschrieben – Stellvertretungen, Kleinstpensen, befristete und unbefristete Stellen. Stellenantritt ist bei knapp der Hälfte der Schuljahresbeginn. Was noch im April mit einer Zahl von 180 offenen Stellen im Volksschulbereich nach einem Desaster aussah, hat sich in den vergangenen Monaten etwas relativiert. Doch nicht alle Schulen konnten problemlos ihre ausgeschriebenen Stellen besetzen.

Interne Notlösungen

In Roggwil etwa sind für das in einer Woche beginnende Schuljahr noch zwei Stellen ausgeschrieben. Gesucht werden eine Klassenlehrkraft für die Realstufe und eine Lehrperson für integrative Förderung. Willy Ellenberger, stellvertretender Schulleiter, kann teilweise Entwarnung geben: «Wir hatten am vergangenen Donnerstag noch Vorstellungsgespräche, und für die Besetzung der Klassenlehrerstelle sieht es sehr gut aus.» Die heilpädagogische Stelle sei jedoch schwieriger zu besetzen. «Da haben wir noch niemanden finden können. Glücklicherweise können wir aber mit einer internen Lösung bis zu den Herbstferien überbrücken», sagt Ellenberger. So habe man länger Zeit für die definitive Stellenbesetzung.

An der Schule Hasliberg ist ebenfalls noch eine Stelle ausgeschrieben – eine Stellvertretung an der Primarschule bis zu den Herbstferien. «Diese Stelle konnten wir glücklicherweise in der Zwischenzeit besetzen», sagt Schulleiterin Ruth Blatter. Doch man merke ganz klar, dass sie als Schule in einer Randregion und mit mehrstufigen Klassen grössere Schwierigkeiten bei der Lehrersuche hätten. «Die Anzahl der Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung ist nicht gross und seit ein paar Jahren abnehmend.»

«Es braucht heute mehr Geduld»

Auch in der Stadt ist die Lehrersuche keine einfache. Aktuell zählt man drei Stellenausschreibungen der Stadtberner Schule Breitfeld/Wankdorf – eine per 13. August, eine per 10. September und eine per 15. Oktober, alles Stellvertretungen. Auf Anfrage gibt die Schulleiterin Pia Käser jedoch Entwarnung. «Wir konnten alle Stellen besetzen.» Doch es habe sich durchaus bemerkbar gemacht, dass weniger Lehrer auf dem Markt seien, und es benötige heutzutage wesentlich mehr Geduld, um eine Stelle zu besetzen. «Ein Inserat zweimal zu veröffentlichen, ist ganz normal.»

Projekte wider die Lehrerflaute

Bei der Erziehungsdirektion des Kantons Bern (ERZ) ist man sich dieser Situation durchaus bewusst. «Man kann heute die offenen Stellen zwar besetzen, aber man hat keine grosse Auswahl mehr», sagt Martin Werder, Leiter Kommunikation der ERZ. «Und wir glauben zu wissen, dass in absehbarer Zukunft im Kanton Bern ein Lehrermangel auftreten wird.» Eine Pensionswelle sei unabwendbar, «das zeigen die Zahlen eindeutig». Dass dann Stellen nicht mehr besetzt werden können, ist somit noch wahrscheinlicher, als dies bereits heute der Fall ist.

Verschiedene Projekte und Lösungsansätze für die Problembewältigung sind in Arbeit oder wurden schon umgesetzt. «Ein Pilotprojekt, welches Studierenden der Pädagogischen Hochschule Bern ermöglicht, im letzten Studienjahr bereits zu unterrichten, ist aktiv», sagt Werder. In diesem Rahmen konnten bis jetzt vier Personen eingesetzt werden. Des Weiteren existiert seit einem knappen Jahr der erleichterte Zugang zum Seklehrer-Diplom für Primarlehrpersonen (der «Bund» berichtete). Ausserdem ist ein System für die erleichterte Zulassung an die Pädagogische Hochschule Bern (PH) für Quereinsteiger laut Werder in Arbeit. «Lösungen erwarten wir im kommenden Jahr.» (Der Bund)

Erstellt: 05.08.2012, 08:16 Uhr

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