Bern
Aufgetischt: Gutes Essen und Vereinsmeiereien
Die Rechnung, bitte
Karte: Grosses Angebot an eher klassischen Speisen. Mittags unterschiedliche Mittagsmenüs und am Wochenende ein Weekend-Menü (59 Franken). Vegetarier müssen länger suchen: Sie finden auf der Karte nur gerade drei fleischlose Gerichte.
Preise: Mittleres Preissegment – das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt absolut.
Kundschaft: Viele Paare, vor allem Einheimische und Gäste aus der Umgebung. Ruhige Atmosphäre, aber trotzdem für Auswärtsessen mit Kindern geeignet.
Öffnungszeiten: Mo und Di geschlossen, Mi und Do 8.30 Uhr bis 23.30 Uhr, Fr und Sa 8.30/9.00 Uhr bis 0.30 Uhr, So 9 Uhr bis 23 Uhr.
Adresse: Restaurant Baselstab, Hauptstrasse 79, 2554 Meinisberg, Telefon 032 / 377 23 43, Internet: www.baselstab-meinsiberg.ch
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Die Dorfbeiz. Sie ist einer dieser Orte, an denen man täglich vorbeigeht, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Wie selbstverständlich steht das Restaurant Baselstab in Meinisberg da – jahrein, jahraus. Mitten in der Gemeinde verteidigt es seinen Platz, doch zum geografischen Dorfzentrum hat es das Restaurant noch nicht gebracht – auch wenn die dazugehörende «Chueli-Bar» ein beliebter Treffpunkt ist.
Auch die Innendekoration der Gaststube zeugt von der Bemühung, sich bei den Vereinen in Meinisberg einen Platz im Herzen zu erobern. So hängt etwa eine Flagge der Feldschützen oder des Turnvereins, und auch die Dorfmusik hat sich mit Pokalen verewigt.
So liegt die Zentrumslosigkeit des Baselstabs vielmehr an der Entwicklung begründet, die viele Dörfer in Stadtnähe durchmachen. Bäckerei und Metzgerei sind längst den grossen Einkaufszentren bei der nächsten Autobahnausfahrt gewichen, und Neubauhäuser aus dem Katalog kontrastieren die übrig gebliebenen Bauernhäuser. Der frühere Dorfplatz ist eine Brache oder bereits überbaut.
Unverkennbarer Dialekt
Und doch, im Restaurant Baselstab in Meinisberg treffen sich an diesem Abend vor allem einheimische Gäste. Der Dialekt der Tischnachbarn ist unverkennbar, obwohl nicht viel gesprochen wird – und wenn, dann nur leise. Trotzdem stehen die Tische zu nahe beieinander, als dass man sich nicht zuhören könnte. Auch die Hintergrundmusik mag die Gespräche nicht zu übertönen. Da geht es um Eishockey, Spritzen gegen Schmerzen im Rücken oder darum, wann die nächste Zigarette geraucht werden soll.
So viel vorneweg. Doch spätestens nach dem Amuse-bouche – Mini-Siedfleischsalat auf zwei sauren Gurkenschnitzen – ist die Durchschnittlichkeit wie weggefegt. Das zarte Fleisch lässt die Erwartungen steigen. Der kleine Mittestesser schlingt die Portion auf einmal hinunter, damit er schnellstmöglich wieder in die Kinderspielecke verschwinden kann. «Das Kindermenü ist da.» Chicken-Nuggets und Pommes frites (7.50 Franken) hat er bestellt.
Für die Erwachsenen wird gleichzeitig die Vorspeise serviert: ein exzellentes Twanner Wysüppli (9.50 Franken) und eine schmackhafte Steinpilzcremesuppe mit Streifen von geräuchertem Wildschwein (11.50 Franken). Wildschweinpfeffer (27.50 Franken) sei eine der besonderen Spezialitäten, wie die Serviertochter sagt. Die Wahl für das Hauptmenü fällt aber auf Pferde-Entrecôte (200 Gramm ), begleitet mit einer Trilogie von Chili-, Knoblauch- und Kräuterbutter (31.50 Franken), und auf Wienerschnitzel (35.50 Franken). Als Beilage gibt es eine Auswahl von Herbstgemüse wie Kastanien und Rotkohl mit Äpfeln sowie Kroketten.
Zu bemängeln gibt es gar nichts
Am Tisch herrscht erst einmal Ruhe. Ob das hervorragende Essen einen leiser sprechen lässt – oder sogar die Sprache verschlägt? Zu bemängeln gibt es beim Gebotenen auf jeden Fall gar nichts. Alles ist frisch zubereitet und voller Geschmack. Kein Tröpfchen Öl, keine Prise Salz zu viel – auch beim Kindermenü nicht. Wer exzellentes Essen in einem Dorf ohne Zentrum geniessen will und keinen Anspruch auf stilvolle Einrichtung hat, kommt im Baselstab voll und ganz auf seine Kosten. Die Kinderecke war nach dem Essen nicht mehr zugänglich, weil ein Vereinsanlass im selben Saal stattfand. Das lässt vermuten, dass der Baselstab zwar nicht vom Standort, aber von seiner Funktion her längst eine Art Dorfkern ist. Die Dorfbeiz halt.
(Der Bund)Erstellt: 14.10.2012, 09:33 Uhr
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