Bern
Auf der Aare lässt sichs feiern – ohne Bewilligung
Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 29.06.2012 3 Kommentare
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- «Aarebööteln» mit 1000-Watt-Boxen
- Mit 237 Gummibooten ins «Guinnessbuch der Rekorde»
- Weltrekordversuch im Aarebötle
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Es gibt sie noch, die wenig reglementierten Orte in Bern. Bestes Beispiel: die Aare. Wochenende für Wochenende treiben Massen farbiger Gummiboote stromabwärts: Familien, Jugendliche, junge Männer und Frauen lassen den Alltag hinter sich und das Ufer vorbeiziehen. Manche suchen die Abkühlung, manche den geselligen Anlass, nicht wenige stillen auf dem Fluss ihren Durst mit Alkoholischem.
Mitunter ist das Bööteln organisiert: Am Gummiboot-Rave, der letztes Wochenende über die Aare ging, liessen sich über hundert Gummiboot-Kapitäne den Fluss hinabtragen. Eine Gruppe junger Partyveranstalter hatte über Facebook zur Aare-Party mobilisiert. Auf Protest aus der Bevölkerung hin, verzichtete man dann aber darauf, eine Musik-Anlage mit starker Leistung einzusetzen. Ganz gross aufgezogen wird schliesslich jeweils der Weltrekordversuch im Gummibööteln: Mit 750 Booten und 1500 Passagieren wollen die Veranstalter am 4. August zum wiederholten Male die Bestmarke knacken.
Behinderungen ausgeschlossen
Spätestens nach den jüngsten Tanzdemos schien klar: Wer im öffentlichen Raum tut und lässt, was er will, der schlägt zumindest Wellen. Für die Aare gilt das zwar wortwörtlich, nicht aber im übertragenen Sinne. Die Böötler müssen Repression nicht fürchten – und auch den Politikern schlägt kein lautes Medienecho entgegen. Denn eine Bewilligung ist selbst bei organisierten Grossveranstaltungen nicht nötig.
Marcel Perrottet, Abteilungsleiter Schifffahrt beim kantonalen Schifffahrtsamt bestätigt gegenüber DerBund.ch/Newsnet: «Eine nautische Bewilligung ist nicht nötig, die Aareböötler bewegen sich ja nur stromabwärts.» Einspurig, sozusagen. Behinderungen der Schifffahrt seien somit ausgeschlossen. Doch Perrottet gibt auch zu bedenken: «Keine Bewilligung heisst nicht dass alles erlaubt ist, die Aare ist kein Abfalleimer. Höchste Rücksicht gegenüber Fauna und Flora ist ein Muss.»
Die Aare, ein Freiraum? Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass auch dieser Raum kommerzialisiert wird. Der Weltrekordversuch etwa wird vom Berner Startup Gonnado durchführt, das gewinnorientiert arbeitet: «Wir sind eine Internetplattform und bieten unsern Usern personalisierte Freizeitangebote an», sagt Marc Lässer, bei Gonnado fürs Eventmarketing zuständig. Der Deal lautet folgendermassen: Die Teilnehmer zahlen 89 Franken und erhalten dafür unter anderem ein Gummiboot, Erfrischungen und den Taxidienst. Wenn Lässer auch keine genauen Zahlen nennt, räumt er doch ein: «Es schaut schon etwas heraus für das Unternehmen.»
Zwischen Spass und Profit
Gonnado stellt dabei nur die digitale Plattform zur Verfügung, den eigentlichen Anlass organisieren die Berner nicht selber – dafür hat man eine Zürcher Eventagentur ins Boot geholt. Die Finanzierung sichern nebst den Teilnehmern Sponsoren: ein Sportartikelhersteller und eine Kioskbetreiberin. Sie dürfen am Event werben, zum Beispiel mit Getränken. «Dank solcher Events können wir unsern Namen fördern und Sponsoren anwerben», sagt Lässer.
Doch die Firma sieht sich nicht als reiner Profitmaximierer: «Unser primäres Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer Spass hat», sagt Lässer. Auf dem Portal wolle das Unternehmen den Leuten Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihre Freizeit nutzen können. «Die Aare erachten wir durchaus auch als Erholungszone. Deshalb soll der Fluss unbedingt unberührt zurückbleiben.» Gonnado verpflichtet sich laut Lässer, die Gummiboote kostenlos zurückzunehmen und «umweltgerecht zu entsorgen», den Müll hinter den Teilnehmern einzusammeln und selbige auch auf ihre Abfallproduktion hinzuweisen.
Bliebe noch die Frage, was den Freiraum Aare denn eigentlich auszeichnet. Die Massen, die sich gemeinsam hinabtreiben lassen – oder doch jene, die nicht mit dem organisierten Strom schwimmen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.06.2012, 12:03 Uhr
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3 Kommentare
Es stellt sich die Frage, wie lange es geht, bis auch die reglementiert wird.
Wieso der Rave keine Musik machte, verstehe ich hingegen nicht. Die Anwohner hören vielleicht 10 Minuten Musik, dann sind die Boote ja weg... und ausserdem war ja Nachmittag. Ein paar Informationen mehr, wären da hilfreich....
Antworten
Es ist mir ein Greuel, wie aus der ruhigen und entspannenden Aarefahrt so ein Massensport werden konnte. Organisierte Grossveranstalter sollten verboten werden. Die Fauna hat keine ruhige Minute mehr, und die Flora wird entlang des Flusses und der Anlegestellen zerstört. Die Menge machts, das wusste schon Paracelsius. Antworten
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