72 Stahlpfähle sollen Mühleberg-Damm stabilisieren

Der Wohlensee-Damm beim AKW Mühleberg soll mit Pfählen verstärkt werden – um seine Festigkeit bei Erdbeben zu verbessern. Das Baugesuch liegt nun auf.

Stahlpfähle sollen den Wohlensee-Damm verstärken. Das Baugesuch der Mühleberg-Betreiberin BKW liegt nun auf.

Stahlpfähle sollen den Wohlensee-Damm verstärken. Das Baugesuch der Mühleberg-Betreiberin BKW liegt nun auf. Bild: Simon Thönen

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Eine lange Reihe von Pfählen soll am Fuss des Wasserkraftwerks Mühleberg im Untergrund verankert werden, um das Stauwehr für den Fall eines Erdbebens zu stabilisieren. Bei den 72 Pfählen handelt es sich um 18 Meter lange Stahlrohre, die ihrerseits von Betonrohren umhüllt werden. Dies geht aus dem Baugesuch der BKW hervor, das seit gestern in den Gemeindeverwaltungen von Wohlen und Mühleberg zur Einsicht aufliegt.

Mit der Nachrüstung will die BKW verhindern, dass das 35 Meter hohe Stauwehr oberhalb des Atomkraftwerks Mühleberg bei einem Erdbeben ins «Gleiten» geraten könnte. Das heisst: dass das Stauwehr sich aus der Verankerung im Untergrund lösen und abrutschen könnte.

BKW betont Freiwilligkeit

Die BKW betont, dass sie diese Arbeiten freiwillig ausführt, «um die Sicherheitsmarge zusätzlich zu erhöhen», wie BKW-Chef Kurt Rohrbach es Mitte März ausdrückte. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hat die Erdbebenfestigkeit sowohl des Staudamms wie des Atomkraftwerks Mühleberg Anfang Juli als ausreichend beurteilt. Der stellvertretende Ensi-Direktor Georg Schwarz begrüsste aber die Nachrüstung des Staudamms, weil dieser «nicht wahnsinnig viele Reserven» bezüglich der Sicherheit aufweise.

Die BKW will das Wasserkraftwerk zudem im Hinblick auf eine spätere Modernisierung verstärken. Laut den Gesuchsunterlagen sollen die «bald hundertjährigen Maschinen» im Wasserkraftwerk in den nächsten Jahren durch neue Turbinen ersetzt werden. Das Wasserkraftwerk wurde 1917 bis 1921 unter schwierigen Umständen gebaut: Zement und Stahl waren während des Ersten Weltkriegs Mangelware. Für den Bau wurden auch russische Kriegsinternierte beigezogen.

Hangrutsche «nicht relevant»

Beim Bau der aktuellen Dammverstärkung erwartet die BKW laut den Baugesuchsunterlagen keine Sicherheitsprobleme. Zwar liege der Bauplatz «naturgemäss im Bereich von Überflutungsgefahren (Hochwasser)», schreibt die BKW. Hangrutsche infolge von Hochwasser seien, so die BKW, dennoch keine Gefahr für das Projekt: «Die angrenzenden Bereiche mit Rutschgefahren sind für die Ausführung und den Endzustand nicht relevant.» Während der Bauarbeiten werde «zur Ableitung von Hochwasser und zum Schutz von Personen und Material» ein «detailliertes Notfallkonzept» gelten, das aber erst noch erarbeitete werden muss.

Die BKW erwartet zudem «keine nennenswerten Erschütterungen» von Damm und Umgebung durch die Bauarbeiten, weil die Pfähle nicht in den Boden gerammt werden. Es werden stattdessen Löcher gebohrt, die dann mit Beton ausgekleidet und mit den Stahlrohren gefüllt werden. Übrige Bauarbeiten könnten «allenfalls punktuell Erschütterungen» auslösen.

Verzögerung bei Nachrüstung

Die Kosten der Nachrüstung betragen laut BKW zehn bis zwölf Millionen Franken. Die Bauarbeiten sollen im November beginnen und bis Mai 2013 abgeschlossen sein. Die BKW ist damit gegenüber ihrem ursprünglichen Zeitplan im Rückstand: Dieser sah vor, die Arbeiten schon im Juni zu beginnen und die Nachrüstung des Staudamms bis Ende 2012 fertigzustellen.

Die Projektunterlagen der BKW liegen bis 28. August in den Gemeindeverwaltungen von Wohlen und Mühleberg zur Einsicht auf. (Der Bund)

Erstellt: 26.07.2012, 06:59 Uhr

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