150 Millionen für neue Swatch-Hauptsitze
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 21.02.2012 3 Kommentare
Swatch-Gruppe gewährt Einblick
Die Uhrenbranche gilt als verschwiegen. Aussenstehende erhalten kaum je Einblick in die Produktion. Die Swatch-Gruppe will dies jetzt ändern. Im neuen Hauptsitz der Marke Omega, welcher in Biel entsteht, ist eine begehbare Uhrenmanufaktur geplant. Auf einem «Lehrpfad» sollen Besucherinnen und Besucher die Entstehung einer Luxusuhr mitverfolgen können. Etwas Vergleichbares gibt es bisher noch nirgends.
Vorgesehen sind in den Neubauten ausserdem gleich drei Museen für die Marken Omega und Swatch sowie für das gescheiterte Projekt Swatchmobil. Omega produziert seit gut 130 Jahren Uhren in Biel. Die Geschichte der Marke wird bereits heute in einem kleinen Museum gegenüber den Produktionsstätten in Biel gezeigt. Dieses soll erweitert und in den neuen Hauptsitz integriert werden.
Deutlich jünger ist die Geschichte der Marke Swatch. Die Plastikuhr wurde vor 29 Jahren in Zürich vorgestellt. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Schweizer Uhrenindustrie gegenüber der Konkurrenz aus Fernost behaupten konnte. Eine kleine Swatch-Ausstellung existiert derzeit lediglich in der Cité du Temps in Genf. Mit dem Bau des neuen Hauptsitzes entsteht nun in Biel das erste Swatch-Museum – und selbstverständlich auch ein Swatch Store. Bereits vor zehn Jahren wollte die Firma auf dem Zentralplatz im Stadtzentrum, in einem ehemaligen Tramwartehäuschen, einen «Swatch-Pavillon» einrichten. Breiter Widerstand verhinderte jedoch das Vorhaben.
Der dritte Museumsteil ist dem legendären Swatchmobil gewidmet. Der 2010 verstorbene Gründer der Swatch-Gruppe, Nicolas G. Hayek, hatte in den Neunzigerjahren viel Geld und Herzblut in das Projekt gesteckt. Zusammen mit VW und später mit Mercedes wollte er ein Mikrokompaktfahrzeug mit umweltverträglichem Elektro- oder Hybridantrieb entwickeln. Doch das Projekt misslang, 1998 stieg Hayek aus. Mercedes brachte daraufhin selber den Smart auf den Markt – mit einem Benzinmotor.
«Das Swatchmobil hat dennoch sehr viel bewegt», sagt der heutige Chef der Swatch Gruppe, Nick Hayek, über das Projekt seines Vaters. Die Idee der umweltfreundlichen Mobilität sei damals sehr modern gewesen. «Es war ein industrielles Abenteuer», so Hayek. Für ihn stehe das Swatchmobil auch dafür, dass man nicht den Mut verlieren soll, wenn etwas keinen direkten Erfolg hat. Mit der Belenos Clean Power Holding arbeitet die Familie Hayek weiterhin an der Entwicklung umweltfreundlicher Antriebssysteme.
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Sie seien «ganz verliebt» in das Projekt, sagten Nayla und Nick Hayek gestern in Biel. Mehr als drei Jahre nachdem das Stimmvolk dem Landverkauf im Gurzelen-Quartier zugestimmt hatte, präsentierten die Verwaltungsratspräsidentin und der CEO der Swatch-Gruppe die konkreten Pläne für die neuen Hauptsitze der Marken Swatch und Omega.
Vorgesehen ist weder alltägliche Industriearchitektur noch prunkvoller Luxus. Vielmehr setzt der renommierte Architekt Shigeru Ban auf eine verspielte Holzfachwerkkonstruktion sowie auf ökologische Holzrahmenbauweise. Mit der Abteilung Holz der Berner Fachhochschule verfüge Biel über «the most advanced timber technology», sagte der Architekt in einer Videobotschaft.
Shigeru Ban hat sich unter anderem mit dem Bau der Dependance des Centre Pompidou in Metz einen Namen gemacht. Derzeit entsteht in Zürich zudem der von ihm entworfene Erweiterungsbau des Verlagshauses Tamedia. Für das 150-Millionen-Franken-Projekt in Biel hat er sich in einem Architekturwettbewerb gegen vier Mitbewerber aus dem In- und Ausland durchgesetzt. Für die Swatch-Gruppe war Ban bereits früher tätig: Er hatte in Tokyo das Nicolas-G.-Hayek-Center gebaut.
Freude über Hayek-Plaza
Im Sommer will die Firma das Baugesuch einreichen. Bis 2014 oder spätestens 2015 soll zumindest ein Teil des Projekts realisiert sein. Für Omega entsteht westlich der bereits bestehenden denkmalgeschützten Büro- und Produktionsgebäude ein neues, fünfgeschossiges Produktions- und Logistikgebäude. Es wird vollständig in Holzrahmenbauweise erstellt, was für eine Fabrik sehr aussergewöhnlich ist. Östlich der bestehenden Anlagen, auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Wyss, entsteht der neue Swatch-Hauptsitz, wo unter anderem Administration, Marketing, Verkauf und die Designabteilung untergebracht werden. Der lang gezogene Bau in einer modernen Holzfachwerkkonstruktion dürfte schnell zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden.
Zwischen den beiden grossen Neubauten für Swatch und Omega – unmittelbar an der Gottstattstrasse – wird ein Zentralbau erstellt, der unter anderem die Museen, Konferenzräume sowie ein Auditorium mit 500 Plätzen beherbergt. Der entsprechende Abschnitt der Strasse soll sich dank einer Geschwindigkeitsbegrenzung zu einer Begegnungszone entwickeln. Besonders freuen sich die Geschwister Hayek, dass das Strassenstück offiziell in Hayek-Plaza umbenannt wird und die Adresse des Swatch-Hauptsitzes künftig Hayek-Plaza 1 lauten wird.
«Ein Zeichen für das ganze Land»
Stadtpräsident Erich Fehr (SP) bezeichnete das Vorhaben der Swatch-Gruppe gestern als «historische Etappe» in der Entwicklung der Uhrenindustrie in Biel. Parallel zu den Neubauten könne zudem der Uferweg entlang der Schüss sowie eine Insel im Fluss als Naherholungsgebiet realisiert werden. Auch der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Bern, Andreas Rickenbacher (SP), betonte die Bedeutung des «mutigen Projekts». Die Swatch-Gruppe zeige auf, dass es weiterhin möglich sei, in der Schweiz industrielle Arbeitsplätze zu halten und neue zu schaffen. «Dies ist ein positives Zeichen für das ganze Land», sagte der Regierungsrat.
Wie viele neue Arbeitsplätze in Biel entstehen und von wo allenfalls Jobs nach Biel verlegt werden, führte Nick Hayek nicht weiter aus. Anders als vor der Volksabstimmung ist heute jedenfalls nicht mehr von «mehreren Hundert» neuen Arbeitsplätzen die Rede. Unbekannt ist auch, ob die Swatch-Gruppe für ihr Engagement in Biel mit Steuererleichterungen belohnt wird. Rickenbacher sagte dazu nur, zu einzelnen Firmen gebe es keine Auskünfte. (Der Bund)
Erstellt: 20.02.2012, 16:27 Uhr
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3 Kommentare
Die Ideen sind zwar gut, aber die Ausführung weniger. Das Teil sieht aus wie ein Lindwurm, und von Autofahrern zu erwarten, sie führen langsam durch eine Begegnungszone, ist naiv. Die Schüss dort aufzuwerten bedeutet, dass es keine ungenutzten Abschnitte mehr geben wird: die Tiere können sich nirgends mehr zurückziehen und werden ganz verschwinden, egal welcher Stararchitekt die Uferzone designt. Antworten
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