Frischer Zopf in der 300-jährigen Hofenmühle in Wohlen

Die Hofenmühle produziert mittlerweile Strom statt Mehl. Am Mühlentag erhalten Interessierte vor Ort trotzdem Einblick in das traditionsreiche Handwerk des Müllers.

Seit 2011 ist die Hofenmühle wieder in Betrieb. Anstelle von Mehl wird heute Strom produziert. Attraktionen am Mühlentag: Kraftwerk besichtigen, Brot backen – oder Wäsche waschen wie anno dazumal. Bild: Valérie Chételat

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine 300-jährige Mühle könne man nicht in einer halben Stunde besichtigen, sagt die Landwirtin Regula Baumgartner. Sie stellt morgen Samstag im Rahmen des Mühlentages die entsprechend alte Hofenmühle in Wohlen vor. Ihr Schwiegervater hat damit noch bis 1994 Getreide gemahlen. Noch immer sind die meisten Maschinen funktionsfähig. So etwa die Transmission, das Herz der Mühle. Die Transmission übertrage die Energie der Turbine mechanisch auf sämtliche Maschinen, erklärt die Landwirtin. «Das ist eine Technik, die man fast nirgendwo mehr sehen kann.»

Ein weiterer Höhepunkt der Mühle sei der Sackaufzug. Dieser bestehe aus einem Schwungrad mit Bremse und Eichenknüttel. «Zieht man stark, geht es rauf, zieht man schwach, geht es runter.» Themenschwerpunkt der Führung sind die alten Mahlsteine. Für diesen Programmpunkt erhält Baumgartner Unterstützung von einem Müller, der noch die traditionelle Form des Handwerks gelernt hat.

Ökologisch und vielfältig

Seit 2011 ist die Hofenmühle wieder in Betrieb. Anstelle von Mehl wird heute Strom produziert. Dafür musste der alte Kanal saniert werden. An guten, also wasserreichen Tagen produziert die Turbine rund 12 Kilowatt Strom pro Stunde. «Wir machen das aus Überzeugung», sagt Baumgartner. Ein sonderlich gutes Geschäft sei es jedenfalls nicht. «Einerseits war der Umbau teuer, andererseits ist die Anlage wartungsintensiv.» Mittlerweile wird Getreide fast ausschliesslich in modernen, vollautomatischen Mühlen gemahlen. Baumgartner bedauert das nicht nur aus nostalgischen Gründen.

«In traditionellen Mühlen wird das Getreide schonender gemahlen und zu qualitativ hochwertigem Mehl verarbeitet», sagt sie. Zudem seien in Zeiten höherer Mühlendichte die Transportwege kürzer gewesen. «Das ist aus ökologischen Gründen begrüssenswert.» Schliesslich produzierten kleinere Mühlen oftmals eine grössere Vielfalt an Mehlsorten. Auch am Mühlentag könne man sich davon überzeugen. «Wir bieten den Besucherinnen und Besuchern Zopf aus unterschiedlichsten Mehlen an», sagt Baumgartner.

Die Hofenmühle in Wohlen kann morgen zwischen 9 Uhr und 17 Uhr besichtigt werden. (Der Bund)

Erstellt: 30.05.2014, 13:12 Uhr

99 Mühlen sind geöffnet

Anlässlich des 14. Schweizer Mühlentags kann morgen Samstag nicht nur die Hofenmühle in Wohlen besichtigt werden. Im gesamten Land öffnen 99 traditionsreiche Mühlen ihre Tore für Besucherinnen und Besucher. Zahlreiche davon befinden sich auf Berner Boden. So etwa die Otti-Mühle in Oberwil bei Büren. Sie ist seit rund 200 Jahren in Betrieb. Noch heute werden darin verschiedene Biomehle produziert. Doch auch in Saxeten, Meiringen, Sigriswil und in weiteren Berner Gemeinden können Mühlen besichtigt werden.

Der Schweizer Mühlentag wird von der Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde organisiert. Der erste Mühlentag fand 2001 statt – damals konnten insgesamt 62 Anlagen besichtigt werden. In den letzten Jahren folgten jeweils 25 000 Besucherinnen und Besucher der Einladung.

Homepage

Artikel zum Thema

Neue Energie aus uraltem Hause

In der 1994 stillgelegten Hofenmühle in Wohlen wird neuerdings wieder produziert – allerdings Ökostrom statt Weissmehl. Das Kleinkraftwerk kann man heute anlässlich des Schweizer Mühlentags besichtigen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

KulturStattBern Von der Rolle

Zum Runden Leder Der neue Vorsitzende

Die Welt in Bildern

Hinter den Kulissen: Models werden an der Moskauer Fashion Week geschminkt uns posieren für Selfies (24. März 2017).
(Bild: Maxim Shipenkov) Mehr...