Pulver ist grüner als Egger
Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 18.02.2010
Umwelt-Rangliste
Wie umweltfreundlich sind die Regierungsratskandidaten?
1. Bernhard Pulver (grüne)
2. Barbara Egger (sp)
2. Philippe Perrenoud (sp)
2. Andreas Rickenbacher (sp)
2. Maxime Zuber (psa)
3. Alexandra Perina-Werz (cvp)
4. Marc Jost (evp)
5. Patrick Gsteiger (evp)
6. Hans-Jürg Käser (fdp)
7. Marc Früh (edu)
8. Christoph Neuhaus (svp)
9. Sylvain Astier (fdp)
10. Albert Rösti (svp)
*BDP-Kandidatin Beatrice Simon hat die Fragen nicht beantwortet
Wie umweltfreundlich waren die Fraktionen des Grossen Rats in dieser Legislatur?
1. Grüne und SP/Juso
2. EVP und CVP/PSA
3. EDU
4. BDP
5. FDP
6. SVP
Wenn Umweltorganisationen Anwärter auf ein politisches Amt im Kanton zu ihrer Umweltfreundlichkeit befragen, müssen sich Letztere überlegen, wie grün sie überhaupt sein wollen oder dürfen. Deshalb sind Ranglisten, die zeigen sollen, ob die Kandidierenden für den Regierungsrat der Umwelt wohlgesinnt sind, mit einer Prise Vorsicht zu geniessen. Das Ergebnis, zu dem 16 bernische Umweltorganisationen – darunter WWF, Pro Natura, Greenpeace, VCS, Pro Velo, Dachverband Berner Tierschutzorganisationen, Hausverein und Heimatschutz – kamen, ist denn auch keine Überraschung. Bernhard Pulver (grüne) ist der umweltfreundlichste Regierungsrat, gefolgt von den Kandidierenden der SP. Schlusslichter – die wohl mit Strom aus Kohle betrieben würden – sind für die Umweltschützer hingegen Sylvain Astier (fdp) und Albert Rösti (svp). Keine Antwort erhalten hätten sie von der BDP-Kandidatin Beatrice Simon, sagte Jörg Rüetschi, Geschäftsführer WWF Bern, gestern in Bern vor den Medien.
Astier will weder Kohle noch Gas
Die Aspiranten für die Exekutive wurden etwa gefragt, ob sie für oder gegen neue Atomkraftwerke im Kanton sind – wobei ein Kontra als umweltfreundlich galt. Es fällt auf, dass sich neben Pulver alle SP-Leute klar gegen neue AKWs stellten – noch im Herbst hatte sich die Regierung in der ständerätlichen Energiekommission für Mühleberg als zukünftigen AKW-Standort ausgesprochen. Schlechte Noten erhalten die SP-Kandidaten hingegen für die Befürwortung des Autobahnzubringers Oberaargau. Pulver enthielt sich in diesem Punkt weise eines Urteils.
Die rot-grünen Kandidierenden sowie die Mitglieder von EVP, EDU, CVP und Sylvain Astier (fdp) wollen zudem alle mehr Geld für den Veloverkehr sprechen. Bei Astier fällt ferner auf, dass er sich als einziger Bürgerlicher dafür ausspricht, dass der Energiekonzern BKW kein Geld mehr in Gas- und Kohlekraftwerke im Ausland investieren soll.
Mehr Gewicht für die Umwelt
Die Umweltorganisationen haben auch dem Grossen Rat auf den Zahn gefühlt und das Abstimmungsverhalten bei den 28 Umweltgeschäften der zu Ende gehenden Legislatur untersucht – analog zum Handels- und Industrieverein, der aufgrund von Abstimmungen jeweils die wirtschaftsfreundlichsten Grossräte kürt. Auch hier liegen die Grünen und die SP vorne, auf dem letzten Platz folgt die SVP. Die junge BDP ist immer noch ein bisschen umweltfreundlicher als die FDP, weil sie im Gegensatz zu Letzterer den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen für weitere drei Jahre verbieten wollte und weiterhin Direktzahlungen für Biolandbau wollte. Dafür war die FDP damit einverstanden, ökologischen Zielen bei Renaturierungen von Gewässern Vorrang einzuräumen.
«Diese Legislatur unterschied sich aus umweltpolitischer Sicht von früheren Jahren», sagte Rüetschi. Bei mehreren Vorlagen und Themen habe das Parlament wichtige Anliegen von Natur und Umwelt berücksichtigt. «Dies widerspiegelt die rot-grüne Regierungsmehrheit und die knappen Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat.» Als Beispiel für vielversprechende Vorhaben nannte Rüetschi die Wasserstrategie, mit deren Hilfe festgelegt werden soll, welche Gewässer für die Energiegewinnung genutzt werden dürfen. «Zudem hängt die Höhe der Motorfahrzeugsteuer nun vom Verbrauch ab. Vor acht Jahren hatten WWF und VCS dies noch vergeblich in einer Initiative gefordert.» Ein wichtiges Geschäft der kommenden Legislatur sei schliesslich die konsultative Abstimmung zum AKW Mühleberg. (Der Bund)
Erstellt: 18.02.2010, 08:35 Uhr
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