16 Kandidaten für 7 Regierungssitze

Ein dissidenter CVP-Mann und ein «Revolutionär» bereichern das bisher bekannte Kandidatenfeld für die Regierungsratswahlen vom 28. März 2010.

Eine Rekordzahl von 1937 Kandidaten kandidiert am 28. März für die Berner Grossratswahlen. Für die Regierungsratswahl ist der Ansturm bescheidener. 16 Männer und Frauen haben bis gestern um 16 Uhr fristgemäss ihre Kandidatur bei der Berner Staatskanzlei deponiert. Zu den bisher bekannten sind nur zwei neue Namen hinzugekommen.

Linke mit «4 gewinnt»

SP und Grüne wollen ihre vor vier Jahren überraschend errungene Regierungsmehrheit verteidigen – und sie treten mit ihren vier bisherigen Regierungsräten an. Unter der Parole «4 gewinnt – Sichere Werte im Regierungsrat» führen sie auch eine gemeinsame Wahlkampagne für

• Barbara Egger, sp (53), Baudirektorin seit 2002;

• Andreas Rickenbacher, sp (41), Volkswirtschaftsdirektor seit 2006;

• Philippe Perrenoud, sp (54), Gesundheitsdirektor seit 2006;

• Bernhard Pulver, grüne (44), Erziehungsdirektor seit 2006.

SVP, FDP und BDP ohne Einheit

Anders als die Linke haben sich die Bürgerlichen diesmal nicht zu einem gemeinsamen Ticket gefunden – zu stark waren die Nachwehen der SVP-Spaltung. SVP, FDP und BDP ziehen darum alle allein in die Wahlen – wobei es den Wirtschaftsverbänden kürzlich immerhin gelungen ist, die fünf Kandidierenden für einen gemeinsamen Auftritt zu gewinnen. Für die Bürgerlichen treten zwei Bisherige und drei Neue an:

• Hans-Jürg Käser, fdp (60), Polizeidirektor seit 2006;

• Christoph Neuhaus, svp (43), Justizdirektor seit 2008;

• Sylvain Astier, fdp (34), Grossrat aus Moutier, Abteilungschef beim Bundesamt für Migration;

• Albert Rösti, svp (42), Direktor des Schweizer Milchproduzentenverbands;

• Beatrice Simon, bdp (49), Grossrätin aus Seedorf, Kauffrau, Präsidentin der BDP Kanton Bern.

Die Kandidaten der Kleinen

Bereits bekannt waren auch fünf Kandidaturen aus vier kleineren im Grossen Rat vertretenen Parteien:

• Marc Jost, evp (35), Grossrat und Pfarrer in Thun;

• Patrick Gsteiger, evp (42), Energieberater aus Perrefitte, ein Ex-Freisinniger;

• Marc Früh, edu (53), Grossrat und Sozialpädagoge aus Lamboing;

• Maxime Zuber, psa (46), Gymnasiallehrer, Grossrat und Stadtpräsident von Moutier;

• Alexandra Perina, cvp (33), Fraktionssekretärin der CVP/EVP/GLP-Bundeshausfraktion.

Zwei neue Aussenseiter

Zwei Aussenseiterkandidaten kamen gestern hinzu:

• Als Parteiloser tritt der 50-jährige Josef Rothenfluh, Geschäftsführer aus Lengnau, an: Der CVP-Politiker war in der parteiinternen Ausmarchung der Kandidatin Perina unterlegen und kandidiert jetzt wild, weil er für seine gesundheitspolitischen Ideen kämpfen will, wie er gestern sagte. Der Vorstand der CVP hat Rothenfluh bereits aus der Partei ausgeschlossen und von der CVP-Grossratswahlliste im Kreis Biel-Seeland streichen lassen. Rothenfluh sei stets klar dargelegt worden, dass dies die Konsequenzen seien, falls er wild kandidiere, sagte gestern Parteipräsident Valentin Lagger auf Anfrage.

• Ausserdem kandidiert Bruno Moser aus Les Prés-d’Orvin, ein 48-Jähriger, der als Berufsbezeichnung «Revolutionär» angibt. Es brauche «einen change», sagte er gestern auf Anfrage, eine friedliche Revolution der Liebe – und die Abschaffung der Steuern.

Moser ist neben Perrenoud, Astier, Gsteiger, Früh und Zuber der sechste Kandidat, der sich um den Sitz bewirbt, der dem Berner Jura garantiert ist und für den besondere Spielregeln gelten.

Bei der Regierungsratswahl 2010 gilt eine wichtige Neuerung, deren Auswirkungen auf den Wahlausgang schwer abzuschätzen sind: Es gibt keine vorgedruckten ausseramtlichen Wahlzettel mit den Kandidaten eines Parteienpäcklis mehr. Die Wähler müssen die Personen, die sie in die Regierung wählen wollen, handschriftlich auf die leere Liste schreiben. Als Wahlhilfe erhalten sie eine Liste mit den Namen und einem kleinen Bild aller Kandidierenden. (Der Bund)

Erstellt: 26.01.2010, 07:23 Uhr

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