Menschenklumpen und surreale Bilder in der Dampfzentrale
Von Marianne Mühlemann. Aktualisiert am 26.10.2009
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Tanz in. Bern
Heute: Verleihung des Tanz- und Choreografiepreises, 19.30 Uhr, in der Dampfzentrale.
Fünfzehn Jahre hat sie den klassischen Spitzentanz praktiziert. Dann hatte Isabelle Schad das Gefühl in eine Sackgasse zu tanzen. Ihre Kreativität und Experimentierfreude forderten mehr Raum, mehr Freiheit. So kehrte die in Berlin wohnhafte Stuttgarterin der Ballerinenwelt den Rücken. Nach Erfahrungen in den Compagnies von Wim Vandekeybus und Felix Ruckert machte sie sich 2003 selbstständig. Zusammen mit Bruno Pocheron und Ben Anderson gründete sie das Indie-Label Good Work. Dieses international vernetzte Denk- und Forschungslabor kreiert Performancekonzepte, in denen Körperbilder und Wahrnehmungsformen im urbanen Alltag untersucht werden. Wie das auf der Bühne funktioniert, zeigte im Rahmen von Tanz in. Bern das Projekt «Still Lives».
Die fünfzig Bernerinnen und Berner aller Altersgruppen, die sich am Freitagabend in der Dampfzentrale versammelt haben, sind Tanzlaien. Authentisches Bewegungsmaterial sozusagen, das sich in einem zehntägigen Workshop zur Company ad hoc kitten liess. Behoste und berockte, solche mit Rollstühlen, andere mit Zöpfen. Sie laufen, liegen, rollen durcheinander, formieren sich zum Fischschwarm, zur Kette aus Körpern, die an Dominosteine erinnern. Wenn sie sich in Slow Motion oder plötzlich rückwärts bewegen, wird die Szenerie surreal.
Körper werden zu Stelen
Im zweiten Teil zeigt die 80-minütige Performance Längen. Wiederholungen strapazieren die Dramaturgie. Das Bewegungsmaterial wird zu konkret. Man erkennt Velofahrer, Telefonierer, Zigarettenroller. Zum Machen lustig, zum Zuschauen ziemlich unbedarft. Menschen, die sich mit erhobenen Fäusten zum explosiven Cluster aus Leibern formieren, bleiben als Bilder in Erinnerung. Auf einen Klick verschwinden die Gesichter im Dunkel, und die Körper stehen als anonyme holzschnittartige Stelen im Raum. Das hätte Potenzial. Stillleben als Ort der Imagination.
Kunst und Wirklichkeitserfahrung durchdringen sich auch akustisch. Ab Band werden Stimmen eingespielt. O-Ton aus den Strassen Berns, wo im Vorfeld Passanten aufgefordert worden waren, die Fotografie „Stumbling Block“ von Jeff Wall spontan zu kommentieren. Leider bekommt das Publikum Walls Bild nie zu Gesicht. Die Antworten der Bernerinnen und Berner sind selbstredend. Sie sagen über ihre Beschreiber und ihre Stadt zum Teil mehr aus als über das Bild. Einige Statements kommen trocken wie Stroh daher. Andere amüsieren durch ihr assoziatives Wuchern, das zu neuen Denk-Geschichten anregt. Das wiegt das Defizit an reeller Tanzbewegung auf. Ein Abend, der beweist, dass ein gutes Konzept, das halbe Stück ist. Aber eben nur das halbe.
(Der Bund)
Erstellt: 26.10.2009, 14:27 Uhr
Bern
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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