Perspektiven: Vorurteile – leider bestätigt
Von Artur K. Vogel. Aktualisiert am 29.03.2010
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Das Zitat wird Winston Churchill zugeschrieben, lässt sich aber weder in seinem schriftlichen Werk noch in den Abschriften seiner Reden nachweisen und ist wohl selber eine Fälschung: «Es ist wahrscheinlich, dass der Ausspruch (. . .) Churchill vom Propagandaapparat des Naziregimes in den Mund gelegt worden ist. Dieser war erbost über die von Churchill veröffentlichten Statistiken, bei denen die Deutschen vor allem natürlich zu Ende des Krieges immer öfter den Kürzeren zogen. Da lag es nur nahe, Winston sich selber als Lügner bzw. Fälscher bezeichnen zu lassen», kann man bei Faktenfuchs.de nachlesen.
Wie dem auch sei: Die erste gesamtschweizerische Kriminalstatistik liegt vor (siehe «Bund» vom Dienstag und Mittwoch); sie erfasst endlich alle Kantone nach denselben Kriterien. Laut ihr haben Delikte in der Schweiz in gewissen Bereichen stark zugenommen – so stark jedenfalls, dass der Anstieg signifikant ist, auch wenn genaue Vergleichskriterien mit den Vorjahren fehlen. Im Besonderen sind mehr Delikte begangen worden, die man für die Verunsicherung im öffentlichen Raum verantwortlich machen kann: Raub, Nötigung, Freiheitsberaubung, Tätlichkeit, Diebstahl, Sachbeschädigung.
Die neuen Zahlen sind beunruhigend. Bisher ging man, gestützt auf die zur Verfügung stehenden, unpräzisen Daten, davon aus, dass Verbrechen tendenziell eher abnehmen. Das hat jenen Medien, die mit ihrer Berichterstattung das Gegenteil suggerierten, heftige Kritik eingetragen. Doch sie hatten Recht, wie wir jetzt wissen.
Daraus müssen wir den ersten Schluss ziehen: Einige «Wissenschaftler» haben aus der Medienschelte ein eigentliches Geschäftsmodell gemacht; sie beschuldigten die Medien kollektiv und repetitiv (Stichwort «Rudeljournalismus»), Straftaten – namentlich Jugendkriminalität – aufzubauschen und Einzelfälle zu gesellschaftlichen Trends zu stilisieren. Diese Leute, meist im Fach Soziologie aktiv, sind nun mit ihren eigenen Waffen – Statistiken eben – geschlagen; ihre Medienbeschimpfung ist fehl am Platz.
Hoher Ausländeranteil
Nicht nur die «gefühlte» Zunahme der Delikte wird durch das neue Zahlenmaterial bestätigt. Auch andere Vermutungen lassen sich jetzt belegen. Was Strafvollzugspraktiker schon lang gesagt haben, trifft zu: Der Anteil der Ausländer an den Straftätern ist überdurchschnittlich hoch: 29 Prozent der Beschuldigten sind Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz; an der Gesamtbevölkerung haben diese nur 22 Prozent Anteil; 14 Prozent sind Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz (Kriminaltouristen); 4,4 Prozent sind Asylsuchende (Anteil an der Gesamtbevölkerung: weniger als 0,2 Prozent). Dies hat nichts mit Rassismus, nichts mit Xenophobie, nichts mit Populismus zu tun, sondern ist eine nüchterne, wenngleich unerfreuliche Feststellung: Die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz macht gut ein Fünftel der Gesamtbevölkerung aus, doch bei den Straftätern haben fast die Hälfte einen ausländischen Pass. (Der «Migrationshintergrund» als solcher wird gar nicht erfasst; Eingebürgerte zählen in der Statistik als Schweizer.)
Daraus müssen wir den zweiten Schluss ziehen: Es ist ein berechtigtes Anliegen breiter Bevölkerungskreise, dass die Behörden konsequenter gegen straffällige Ausländer vorgehen und diese, wo es das Gesetz erlaubt, nach Verbüssung ihrer Strafen auch aus dem Land weisen. Wenn diese populäre Forderung nicht viel konsequenter umgesetzt wird, ist ein Ja zur SVP-Ausschaffungsinitiative in ähnlicher Grössenordnung wie jenes gegen den «Rentenklau» auch ohne prophetische Begabungen vorauszusagen.
Jugendliche Täter
Leider wird auch das letzte Vorurteil bestätigt: Straftäter sind überdurchschnittlich oft Jugendliche und junge Erwachsene, und junge ausländische Männer werden viel öfter straffällig als junge Schweizer.
Hier sind Rezepte besonders schwierig und besonders komplex. Vermutlich könnte nur eine breite Offensive im präventiven ebenso wie im repressiven Bereich zur Trendwende beitragen: bessere Einbindung jugendlicher Ausländer ins Schulwesen (allenfalls auch zwangsweise); forcierter Sprachunterricht; bessere Überwachung neuralgischer Stellen im öffentlichen Raum; konsequente Ausweisung bei schweren Straftaten; Bestrafung auch «geringfügiger» Delikte, die oft am Beginn einer kriminellen Laufbahn stehen. (Jugendpsychiater haben heute ziemlich genaue Erkenntnisse darüber, durch welche Verhaltensweisen und Persönlichkeitsveränderungen potenzielle Straftäter zu erkennen sind.)
Mangelhaft integriert
Oft werden «schlechte Bildungschancen» als Grund für die Kriminalität junger Migranten genannt. «Schlechte Bildungschancen» sind in Wirklichkeit oft die Folge fehlender Integration. Integrationsleistungen muss der Ankommende erbringen, nicht der Einheimische. Das ist weltweite Usanz; jeder, der schon im Ausland gelebt hat, weiss das.
Der Nachweis von Integrationsleistungen müsste eine Voraussetzung für das Bleiberecht sein, was man auch umgekehrt lesen kann: Wer nicht bereit ist, sich den Gepflogenheiten unserer Gesellschaft so weit anzupassen, dass er sich in ihr bewegen kann, ohne an jeder Ecke anzustossen, hat eigentlich hier nichts zu suchen. (Der Bund)
Erstellt: 29.03.2010, 15:21 Uhr
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