Bern

«Eine Vergewaltigung ist mit Horror verbunden»

Von Rudolf Burger. Aktualisiert am 15.02.2010

Monika Hauser hilft geschändeten Frauen in Kriegsgebieten und kämpft für eine «geschlechtergerechte Welt».

«Wir haben heute viel mehr Hass in der Welt als 2001»: Monika Hauser. (Keystone)

«Wir haben heute viel mehr Hass in der Welt als 2001»: Monika Hauser. (Keystone)

Zur Person

onika Hauser, Jahrgang 1959, ist in Thal im Kanton St. Gallen geboren und aufgewachsen. Sie ist Südtirolerin und studierte Medizin in Innsbruck und Bologna und bildete sich in Deutschland zur Gynäkologin aus. Im Bosnien-Krieg 1992 reiste sie nach Zenica und richtete ein Frauenzentrum ein, um vergewaltigten Frauen Hilfe anzubieten. Hauser gründete zu diesem Zweck die Hilfsorganisation «Medica Zenica» in Zentralbosnien, aus der 1994 in Köln der Verein «medica mondiale» (www.medicamondiale.org) wurde, als dessen Geschäftsführerin sie heute arbeitet. 1993 wurde sie von den «Tagesthemen» der ARD als «Frau des Jahres» ausgezeichnet und 2008 erhielt sie den «Right Livelihood Award», der oft als «Alterntiver Nobelpreis» bezeichnet wird. Monika Hauser ist verheiratet und Mutter eines Sohnes. Sie wohnt in Köln.
Dieses Interview ist im Rahmen eines Vortrags entstanden, den Monika Hauser kürzlich vor dem Soroptimist International Club in Solothurn hielt. «Nicht aufhören anzufangen» heisst das Buch über sie, erschienen im Zürcher Verlag rüffer & rub.

Frau Hauser, wieso ist es so schwierig, Frauen, die im Krieg vergewaltigt wurden, zu helfen?

Monika Hauser: Auch im Frieden ist eine Vergewaltigung eine extreme Demütigung, über die in einer Gesellschaft nicht gern gesprochen wird. Das gilt umso mehr in extrem patriarchalen Gesellschaften, wenn sich im Krieg Männer mit einer Waffe in der Hand herausnehmen können, was sie wollen oder aber Frauen aus kriegsstrategischen Gründen vergewaltigt werden.

Frauen als Kriegsbeute?

Ja, das sehen wir durchs Band, wenn wir die Kriege der letzten 2000 Jahre untersuchen. Das ist aber noch nie so klar thematisiert worden wie 1993 im Bosnien-Krieg. Mutige bosnische Frauen sagten: «Wir wollen, dass die Welt weiss, was mit uns geschehen ist», und haben mit ausländischen Journalisten über ihre erlittenen Vergewaltigungen gesprochen.

Damals sind auch Sie auf das Thema aufmerksam geworden?

Ich befasse mich schon lange mit dem Thema «Gewalt gegen Frauen». Ich kenne es als junges Mädchen von Geschichten meiner Grossmuter aus dem Südtirol, später aus meiner Arbeit in einer Klinik in Südtirol und auch von meiner Ausbildung als Gynäkologin her in einer Klinik in Nordrhein-Westfalen. Das Thema wurde mir mitgegeben, und es ist mir im Alltag in den sogenannten «Friedensländern» immer wieder bewusst geworden.

Wieso sagen Sie «sogenannte Friedensländer?»

Weil etwa 40 Prozent aller Frauen auch in Ländern wie der Schweiz oder Deutschland, Gewalterfahrungen machen.

Woher haben Sie diese Zahl?

Sie stammt vom deutschen Frauenministerium aus dem Jahr 2004. Die Beratungsstellen in der Schweiz können Ihnen sicher dazu sehr viel Aufschluss geben.

Es ist schwierig, dazu genaue Zahlen zu erhalten. Vielleicht sind die 40 Prozent doch etwas übertrieben?

Es handelt sich um eine wissenschaftlich ermittelte Zahl. In Kriegsgebieten ist es aber tatsächlich schwierig, genaue Zahlen zu erhalten. Auch dort werden wir häufig gefragt, wie viele Frauen vergewaltigt worden seien. Ich sage: Wir haben ungefähre Zahlen, die genauen werden wir nie wissen. Viele Frauen sind mehrfach vergewaltigt worden, und viele Frauen sind auch umgebracht worden. Und ich rede von «sogenannten Friedensgesellschaften», weil es sich nicht um eineeigentlich befriedete Situationen handelt, wenn ein grosser Teil der Bevölkerung Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt ist. Das gilt natürlich erst recht für die Regionen, in denen wir arbeiten.

Ist es Ihnen gelungen, die Frauen in Bosnien zum Sprechen zu bringen?

So generell stimmt das nicht, viele Frauen haben von sich selbst diesen Entschluss gefasst. Aber weil wir immer mit einheimischem Personal und gezielten Strategien arbeiten, haben wir tatsächlich Wege gefunden, um Frauen Unterstützung anzubieten, adäquat zur Gesellschaft, in der wir gerade arbeiten – in Bosnien anders als zum Beispiel in Liberia. 1993 in Bosnien haben wir in den Flüchtlingslagern den Frauen deutlich gemacht, dass wir wissen, dass ihnen im Krieg viel passiert ist. Nach und nach sind Frauen zu uns gekommen, um sich Hilfe zu holen.

Seit dem Bosnien Krieg sind 17 Jahre vergangen. Können Frauen dort wieder ein «normales» Leben führen?

Mit dem Wort «normal» ist es schwierig. Nach wie vor ist Bosnien ein gespaltenes Land, viele Muslime können wegen des Dayton-Abkommens nicht in ihre ursprünglichen Dörfer zurück. Die Arbeitslosigkeit beträgt 80 Prozent, von einer Friedenssituation kann man nicht sprechen. In einer solchen Situation gibt es immer noch viel häusliche Gewalt. Frauen können so gar nicht zur Ruhe kommen.

Besteht nicht die Gefahr, dass Frauen, die über ihre Vergewaltigung sprechen, aus der Gesellschaft ausgestossen werden?

Das gilt für Kosovo und erst recht für Afghanistan, aber nicht für Bosnien. Der bosnische Islam ist sehr weltlich, viele Leute gehen genau so selten in die Moschee wie Sie vielleicht in die Kirche. In Bosnien habe ich es auch immer wieder erlebt, dass es sehr hilfreiche Ehemänner gab. Ich kann mich an einen Mann erinnern, der zu mir kam und mir sagte, seine Frau spreche mit ihm seit der Flucht nicht mehr, sie spiele nicht mehr mit den Kindern und habe sich vom Leben verabschiedet. Er wollte, dass wir ihr helfen.

Wusste er, was mit seiner Frau im Krieg passiert war?

Ja, er wusste, dass sie wochenlang in einer Wohnung festgehalten und dort von vielen Männern vergewaltigt worden war. Seine Frau war seelisch zerstört und sah im Leben keinen Sinn mehr. Wir haben sie bei uns aufgenommen und für die beiden dann ein neues Zuhause in Zenica gefunden. Mindestens einmal im Jahr sehen wir uns. Mir gibt es Mut, wenn ich sehe, dass sie wieder mit ihrer Familie leben kann.

Man kann also über das Trauma einer Vergewaltigung hinwegkommen.

Frauen können das, wenn sie gute Bedingungen haben, das heisst erstens, psychosoziale Unterstützung, mit der die Frau verarbeiten kann, was geschehen ist. Zweitens braucht es Familie, die nicht sagt: «Wenn du darüber redest, bring ich dich um», sondern eine Familie, welche die Frau unterstützt, ins Leben zurückzukommen.

Kosovo ist anders, sagen Sie. Inwiefern?

Kosovo ist viel patriarachaler. Dort mussten wir lange Aufbauarbeit leisten, um ein Ambiente zu schaffen, in dem Frauen reden konnten. 1993 in Bosnien kamen Frauen zu uns und getrauten sich zu reden. Im Kosovo brauchte es dazu zum Beispiel Radiosendungen, bei denen Menschen, die Kriegserlebnisse hatten, anrufen konnten.

Wieso ist es so schwierig, über Vergewaltigungen zu reden?

Es geht um eine Gewalt, die auch mit Scham und Demütigung zu tun hat. Männer wissen: Wenn sie eine Frau vergewaltigen, demütigen sie sie in extremster Weise. Manchmal halten sie ihrem Opfer auch ein Messer an den Hals und drohen, die Frau umzubringen, wenn sie darüber rede. Eine Vergewaltigung ist mit Horror und Todesangst verbunden. Wir wissen, dass Männer, die zu Täter wurden, sehr oft selber Opfer waren. Um ihren eigenen Schmerz nicht zu spüren, fügen sie anderen Schmerz zu. Dabei haben sie sich von ihren eigenen menschlichen Gefühlen abgeschnitten, sonst könnten sie eine andere Person nicht so erniedrigen.

Seit bald zehn Jahren sind Sie auch in Afghanistan tätig. Sind dort auch Vergewaltigungen das grösste Problem?

Ein elf-, zwölfjähriges Mädchen, das zwangsverheiratet wurde, wird jede Nacht vergewaltigt! Leider werden über 60 Prozent der Frauen in Afghanistansehr früh zwangsverheiratet und damit kontinuierlich der Gewalt ausgesetzt. Und schlimm war auch der Krieg: Dörfer wurden von der einen Gruppierung überfallen, die Frauen vergewaltigt. Sie wurden von der anderen Gruppierung zurückerobert und Frauen wieder vergewaltigt.

Wiederum: Frauen als Kriegsbeute.

Auch in Afghanistan ist das leider so. In den letzten Jahren ist zu dieser Gewalt im Krieg so viel häusliche Gewalt dazugekommen, dass Frauen mit ihrem unmittelbaren Überleben im Heute beschäftigt sind. Die afghanische Gesellschaft spricht überhaupt nicht über das, was im Krieg passiert ist.

Ist es nicht unheimlich schwierig, an diese Frauen heranzukommen, die Sprache zu sprechen, die Sitten zu verstehen – wie schaffen Sie das?

Indem wir nur mit einheimischen Personal arbeiten. In Afhganistan zum Beispiel verfügen wir über 35 Mitarbeiterinnen, die wir für diese schwierige Arbeit fortgebildet haben. Sie kennen den kulturellen Kontext und die Sprache der Frauen. Unsere Beratungsstellen richten sich auch nicht speziell an vergewaltigte Frauen, sondern heissen einfach «Beratungsstellen für Frauen. In Afghanistan gehen wir aber davon aus, dass 90 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, sexuelle Gewalt erlebt haben.

In Afghanistan dürfen Mädchen ja kaum in die Schule gehen. Ist es nicht schwierig, solche Beratungsstellen anzubieten?

Man muss es einfach tun, so schwierig ist es nicht. Wir haben in Kabul kaum Widerstand erfahren, auch nicht in Herat und Mazar-e Sharif. Nicht mehr möglich war die Arbeit in Kandahar.

Werden Sie von der gegenwärtigen afghanischen Regierung unterstützt?

Ja. Ich bedauere, dass in den Medien immer nur militärische Situationen dargestellt werden. In welchen Berichten erfahren Sie etwas über das alltägliche Leben der Frauen? Die Kabuler Regierung unterstützt uns zwar, macht uns aber auch das Leben schwer. Zum Beispiel hat Präsident Karzai, um noch einige Stimmen zu gewinnen, das frauenfeindliche Shia-Gesetz durchgedrückt.

Ist es nicht widerrufen worden?

Nur zum Teil, das Gesetz beinhaltet weiterhin, dass eine Ehefrau ihren Mann um Erlaubnis bitten muss, das Haus verlassen zu dürfen, und es billigt nur Männern und Grossvätern das Sorgerecht für Kinder zu. Vieles, was die Regierung tut, ist auch nur ein Lippenbekenntnis. Man gibt vor, uns zu unterstützen, ist aber Anhänger von fundamentalistischem Gedankengut. Übrigens findet man nicht nur bei den Taliban fundamentalistisches Gedankengut im Kopf von Männern.

Noch schlimmer als in Afghanistan ist Ihrem Urteil nach momentan die Situation für Frauen in Kongo. Wieso?

Im Osten des Kongos wurde viele Jahrzehnte lang Krieg geführt, und trotz dem Uno-Einsatz gibt es seit anderthalb Jahren immer wieder neue Kriegswellen. Es herrscht ein heftiger Verteilungskampf um Bodenschätze wie Coltan und Gold. Dabei werden Dörfer überfallen und Frauen in brutalster Weise vergewaltigt, verletzt und oft getötet Ich habe schon viel gesehen, aber über das, was Frauen im Osten Kongos widerfahren ist – gezielte sexuelle Verstümmelungen von Brüsten und Unterleib – gibt es Berichte, die selbst mich sprachlos machen. Da wird ein absolut unmenschlicher Hass auf alles Weibliche, auf die Reproduktionskraft von Frauen ausgeübt. Das passiert dort jeden Tag.

Können Sie dagegen überhaupt etwas unternehmen?

Das ist äusserst schwierig, aber unsere Partnerorganisation Paif mit Sitz in Goma und Kalehe arbeitet dort, wo diese Frauen stranden. Sie geht in die Dörfer hinaus, wo die verletzten Frauen nach wie vor schutzlos sind, organisiert die notwendigen Operationen und die psychosoziale Unterstützung und hilft diesen Frauen ein Stück weit, ins Menschsein zurückzukommen.

Bezeichnen Sie sich selber als Feministin?

Aber selbstverständlich. Als Feminstin sage ich doch: Ich möchte eine geschlechtergerechte Welt, eine Welt in der Frauen mit gleichen Möglichkeiten und gewaltfrei leben können, eine Welt, in der Burschen und Männer nicht mehr diesen Stereotypien von tollen und starken Männern unterliegen.

Sie bezeichnen sich aber nicht mehr als Pazifistin.

Das hat mit der Feministin nicht unbedingt etwas zu tun. . .

. . . sondern mit der Gewalt, die Sie antreffen?

Nachdem ich 1993 in Bosnien gelebt habe und gesehen habe, wie die Frontlinien immer näher kamen, wie die internationale Politik untätig zusah, wie die Uno-Truppen durch ihre Pesudo-Neutralität den Serben half, weitere Gebietseroberungen zu machen, wurde es für die Pazifistin in mir sehr schwer. Ich habe damals nicht begreifen können, dass man Sarajewo der Belagerung aussetzt, und mir meine Kolleginnen jeden Morgen berichten mussten, es seien wieder Verwandte umgekommen.

Hätten Sie sich damals eine frühere Intervention gewünscht?

Ja, eine gezielte militärische Intervention zu einem früheren Zeitpunkt hätte sehr viel Leid verhindern können. Die Welt aber schaute zu und trägt eine hohe Verantwortung dafür, dass der Krieg immer weiter ging. Die pazifistische Vision habe ich nach wie vor, aber ob ich das in meinen Leben noch erlebe, bezweifle ich. Wenn ich in Kriegsgebieten arbeite und miterlebe, welcher Gewalt die Zivilbevölkerung, in erster Linie die Frauen, ausgesetzt sind, dann denke ich, dass gezielte militärische Interventionen mit klarem Uno-Mandat manchmal sinnvoll wären.

Wie eben zum Beispiel die – allerdings sehr spät erfolgte – Nato-Intervention gegen Serbien?

Wenn Sie mich nach Irak und Afghanistan fragen würden, sähe meine andere Antwort anders aus. Aber zu den Interventionen in Kosovo und Bosnien: Ohne Nato-Intervention hätten die Kosovaren nie zurückkommen können.

War es denn nicht richtig, dass die Nato in Afghanistan intervenierte?

Zunächst hat nicht die Nato interveniert, sondern eine tief gedemütigte Männerclique mit Namen Bush und Cheney. Die Katastrophe in New York hat diese zutiefst machistischen Männer so getroffen, dass ihre einzige Antwort war, sozusagen mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Sie haben damit so viele weitere Probleme für die afghanische Bevölkerung, gesschaffen, dass ich das überhaupt nicht mit der Situation in Bosnien vergleichen würde. Es waren doch vorher die Amerikaner, die das Erstarken der Taliban ermöglicht haben, weil sie in ihnen ein Bollwerk gegen die Sowjetintervention in Afghanistan sahen.

Verhamlosen Sie mit einer solchen Aussage nicht, was am 9. 11. 2001 in den USA geschehen ist?

Was hat es dem afghanischen Volk geholfen, dass Bush die al-Qaida bombardiert und die Taliban in Richtung Pakistan vertrieben hat? Durch eine völlig verfehlte Militärpolitik sind die Taliban erstarkt und die Bevölkerung ist noch mehr traumatisiert worden. Wir haben doch heute viel mehr Hass in der Welt als 2001. Selbstverständlich war es ein Verbrechen, was al-Qaida in den USA verübte, aber Bushs Bomben haben uns in eine noch viel fatalere Situation gebracht.

Würde es helfen, wenn sich die Nato jetzt aus Afghanistan zurückziehen würde?

Jetzt, wo so vieles schiefgelaufen ist, fragen Sie mich. 2002 gab es Hoffnungen auf eine bessere Zukunft in Afghanistan.

Ist Afghanistan nicht einfach ein so kompliziertes Land, in dem man fast alles nur alles falsch machen kann?

Keine Frage, es ist eine absolut archaisch organisierte Clanbevölkerung, die sich in den Kriegsjahren sehr viel Leid zugefügt hat. Aber daneben gab es die Stellvertreterkriege. Die Sowjetunion hat eine hohe Verantwortung, die USA, weil sie die Taliban hochgezogen hat, weitere Grossmächte in diesem Raum sind involviert. Durch die Bush-Antwort ist eine so traumatisierte Männergesellschaft wie in Afghanistan in extremster Weise weiter gedemütigt worden. Bush und al-Qaida sind für mich zwei verschiedene Seiten der gleichen Medaille.

Kann man eine demokratische Gesellschaft mit al-Qaida und Taliban auf die gleiche Stufe stellen?

Das mache ich nicht. Aber es ist doch gar nicht versucht worden, die Taliban international auszutrocknen. Im Gegenteil, die USA haben sogar versucht, mit der Taliban Geschäfte zu machen.

Wenn man Ihnen zuhört, fragt man sich: Wieso steigen Sie nicht in die Politik ein?

Ich bin in der Frauenrechtspolitik und spreche immer wieder mit Politkern, um für uns weitere Schritte zu erreichen. Meine Partei heisste medica mondiale.

Sie sehen und erfahren unheimlich viel. Wie überstehen Sie das?

Das ist schwierig und gelingt nur, weil ich und meine Kolleginnen achtsam mit uns selber umgehen. Wir nehmen zum Beispiel professionelle Supervision in Anspruch, um die schweren Inhalte nicht immer wieder nach Hause zu tragen. Wir versuchen, eine gute Balance zwischen Spannung und Entspannung herbeizuführen.

Was gibt Ihnen die Kraft, um weiterzufahren?

Wenn ich in meinen Vorträgen sehr viel Zustimmung erfahre, gibt das Kraft. Auch wenn ich vor Ort bin mit den einheimischern Kolleginnen: Wir tauschen uns aus, haben die gleichen Ideale, wir glauben, dass unseren Beitrag dazu zu leisten, damit die Gesellschaft anders wird. Diese Gemeinschaft unter uns medica-Frauen gibt uns sehr viel Stärke.

Wird jemand wie Sie, der sich mit dieser Gewalt gegen Frauen befasst, nicht zur Männerhasserin?

Nein, ich spreche Probleme nur konsequent an. Vergewaltigungen sind ein Männerproblem. Aber Hass? Nein. Ich möchte mir trotz der Gewalt, von der ich erfahre, meine Menschlichkeit bewahren. Würde ich merken, dass ich nur noch bitter bin und nicht mehr mitfühlen könnte, würde ich sofort aufhören. Im übrigen habe ich ja zuhause einen grossen und einen kleinen Mann. Ich will von Männern aber wissen, wie sie selber mit dieser Thematik umgehen.

Sie machen also weiter.

Ja klar. Natürlich habe ich immer wieder auch mutlose Momente. Das gibt es immer wieder. Aber am Tag danach höre ich von einer Kollegin oder einer Kollegin aus Goma oder Kabul etwas Positives, und ich weiss wieder, dass es sich lohnt, weiterzumachen. Was wäre die Alternative dazu? Es gibt keine Alternative zum Handeln. (Der Bund)

Erstellt: 15.02.2010, 10:36 Uhr

Bern

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!