Bern

Zu Tisch beim Botschafter

Von Franziska Müller. Aktualisiert am 08.12.2008

Schon der Anmarsch ist eine Freude: Das Restaurant Veranda in Bern liegt inmitten prächtiger Villen mit Gärten im vorderen Länggassquartier. Hier findet man in der Mittagspause noch Ruhe und Frieden.

Das Haus mit dem klangvollen Namen Villa Favorite wurde 1862 bis 1864 für den Seidenfabrikanten Eduard Albrecht Ludwig Simon erbaut. Die Villa hatte im Lauf ihrer wechselvollen Geschichte diverse Funktionen: Bis 1908 war sie Sitz der französischen Botschaft, ab 1910 eine Pension mit Kurbad und ab 1914 das Park-Hotel Favorite. Während sieben Jahrzehnten gehörte dann das aufgestockte Gebäude dem Diakonissenhaus Bern. 2001 wurde es renoviert und beherbergt heute neben dem Restaurant von Mary Ann Novell auch Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Neugierig tritt man vom Villenpark ins Innere. Der Raum ist gross und hell, Säulen und ausladende Spiegel erfreuen das Auge. Die uniformen Holztische und -stühle wirken dagegen eher steril und fantasielos. Dafür bietet sich ein traumhafter Blick ins Grüne und auf die gegenüberliegenden Hügel. Das Lokal ist äusserst gut besucht, ab zwei Personen muss zwingend reserviert werden. Die überwältigende Mehrheit der Gäste ist jenseits der Vierzig, gediegen und intellektuell. Am Tisch gegenüber wird munter französisch parliert. Die zahlreichen Stammgäste scherzen mit der Bedienung, der Lärmpegel bleibt jedoch erträglich.

Über Mittag gibt es heute Randen aus dem Ofen mit Baumnüssen und Polenta (Fr. 21.–/Fr. 18.– kleine Portion) oder ein Pouletsteak mit Paprikarahmsauce und Spinatnudeln (Fr. 23.–). Zu beiden Menüs gehören eine Gemüse-Kokos-Suppe und ein Blattsalat. Als Alternativen sind Graved Saibling mit Meerrettich-Crostini und Blattsalat (Fr. 18.–), gratinierte Kartoffelgnocchi mit Lauch und Geisskäse (Fr. 21.–) oder Saltimbocca vom Schwein in Portweinjus mit Spinat und Safranrisotto (Fr. 25.–) zu haben.

Die Schreibende bestellt das Menü mit Fleisch. Die Suppe ist üppig und von schöner Farbe, der Kokosgeschmack deutlich spürbar. Dazu gibt es knuspriges, frisches Brot. Der Salat mit würzigem Dressing mundet ebenso gut, wenn auch die Blätter etwas gross geraten sind. Der Hauptgang lässt dann länger auf sich warten. Die freundliche Bedienung entschuldigt sich, offenbar eine kleinere Panne in der Küche. Das Fleisch ist schliesslich zart und gar, die Nudeln al dente. Beides wäre jedoch ohne die köstliche, intensive Paprikarahmsauce mit den frischen Champignons etwas fade.

Wie ein Blick zu den Nachbarn zeigt, sind kleine Portionen nur zu empfehlen, wenn man gerade eine strikte Diät befolgt. Das Tagesdessert – Passionsfrucht-Parfait mit Schokoladensauce (Fr. 6.–) – präsentiert sich schliesslich wie ein kleines Kunstwerk und schmeckt vorzüglich.

Die «Veranda» hat letzthin 13 Gault-Millau-Punkte bekommen. Das Mittagessen war zwar durchaus ein positives Erlebnis, dennoch ist anzunehmen, dass die Klassifizierung doch eher auf den aufwendigeren Abendessen beruht. (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2008, 11:52 Uhr

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