Bern

Wenn Maharadschas reisen

Von . Aktualisiert am 07.09.2009

Die Rechnung, bitte!

Karte: grosse Auswahl an indischen Spezialitäten.

Preise: nicht billig, wie üblich in vielen exotischen Restaurants, Mittagsbuffet Fr. 20.–, eher an oberer Grenze, dafür à discretion.

Kundschaft: Büropersonal, Studierende der WKS (KV), Bundesangestellte der Steuerverwaltung.

Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–14 Uhr, 17.30–23 Uhr, Sa 17.30–23 Uhr, (So auf Anfrage).

Adresse: «Maharaja Palace», Effingerstrasse 51 (per 1. 9. von Nr. 4 umgezogen), 3008 Bern, Telefon 031 382 64 64, www.maharajapalace.ch (noch nicht aufgeschaltet).

Dank Google Street View sieht man im Internet abgebrannte Beizen in der Gegenrichtung wieder in intaktem Zustand («Bund» vom Dienstag). Ähnliches erlebt in der Realität, wer mit dem Tram Richtung Fischermätteli fährt. Vom Haus Effingerstrasse 4 grüsst noch immer das orange Elefäntlein des «Maharaja Palace», doch das Lokal (das Ex-«Old Inn») ist leer. Eine kleine Strecke westwärts erspäht der Fahrgast das Rüsseltier erneut: am Haus Effingerstrasse 51. Der Wirt Gurbachan Singh ist ins vormalige «Victoria Hall» umgezogen.

Das Team begrüsst uns freundlich. Ein höflicher junger Kellner – man findet solche dienstbaren Geister sonst fast nur in asiatischen Luxushotels – fragt nach den Wünschen und behändigt den Regenmantel, um ihn an der Garderobe aufzuhängen. «Sorry, mein Deutsch», meint er entschuldigend, obwohl er die Sprache recht gut spricht.

Wir lassen uns das braune Buch geben und blättern in der Liste indischer Köstlichkeiten. Man könnte à la carte bestellen, doch fast alle wählen am Mittag das Buffet. Auf vier Rechauds beim Fenster stehen Kupferpfannen mit Reis, Linsen und Bohnen, Kartoffeln und Erbsli sowie Pouletfleisch mit pikanter rosaroter Sauce. Dazu gibt es knusprige Fladenbrotscheiben und Joghurt mit Kümmel. Gute Esser holen sich Nachschlag, was erlaubt ist. Zwei Damen studieren nebenan ein Buch über Bundessteuern, die Verwaltung ist in der Nähe.

Der bärtige Patron, mit Turban und Krawatte, schreitet nach allen Seiten freundlich lächelnd durchs Lokal. Die Bildnisse von indischen Mogulen oder Maharadschas an der Wand wollen nicht recht zum Interieur passen, zum hohen Raum mit den weiss gestrichenen Holzbalken und den Kunststofftischen, wie man sie in Selbstbedienungsrestaurants findet. Wie Theaterutensilien wirken auch die geschnitzten Stehwändchen. Im Gegensatz zum Lokal im Haus Nummer vier, das klein und intim wirkte, ist hier sehr viel Platz, denn ein hübsch gedeckter Speisesaal gehört auch dazu. Den möchte man einmal abends erleben, wenn Tandoori-Chicken, Lamm-Curry und Chutney frisch zubereitet serviert werden.

Es soll Vorgänger gegeben haben, die den Pachtzins kaum aufzubringen vermochten, so sehr sie sich auch abrackerten. Bleibt zu hoffen, dass der rührige Wirt bessere Konditionen aushandeln konnte. Und dass er keinen Ärger bekommt wegen der pikanten Gerüche; an der vormaligen Adresse hatten Nachbarn deswegen reklamiert. Die Stadtverwaltung verfiel gar auf die Idee, das «Alki-Stübli» dort einzurichten, was einen Sturm der Entrüstung auslöste, weshalb man es bleiben liess. Apropos Alkohol: Es gibt hier eine wohldotierte Weinkarte, wobei Kenner behaupten, am ehesten passe zu asiatischem Essen ein Rosé. Oder ein Kingfisher-Bier, doch auch darauf verzichten wir heute. Vielmehr erfreuen wir uns an einem Joghurt-Drink mit Mango-Geschmack: sehr lieblich, aber auch nicht billig (Fr. 7.50). Er ersetzt ein Dessert. Als wir gehen, hat es zu regnen aufgehört. Glatt hätten wir den Mantel vergessen, nicht aber der dienstbare Kellner. So viel Aufmerksamkeit stünde manchem Luxuslokal gut an.

Markus Dütschler

(Der Bund)

Erstellt: 07.09.2009, 08:37 Uhr

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