Treppenstufen, die sich lohnen
Die Rechnung, bitte
Karte: gehobene mediterrane Küche.
Preise: Businesslunch zwei oder drei Gänge Fr. 35.–/39.–; Tagesteller Fr. 17.50 bis Fr. 21.50; à la carte etwas teurer, aber der guten Qualität angemessen.
Kundschaft: Leute, die im Zentrum in ruhiger Atmosphäre Feines geniessen möchten.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–15 Uhr; 17–23.30 Uhr; im Winter auch samstags ab 17 Uhr; Events nach Vereinbarung Sa/So möglich.
Adresse: Ristorante Scala Bar-Enoteca, Schweizerhof-Passage 7, 3011 Bern, Telefon 031 326 45 45, info@ristorante-scala.ch.
Stichworte
Frage an Radio Eriwan: Soll man bei einer Übernahme den Beizennamen behalten? Im Prinzip ja: Man profitiert vom Bekanntheitsgrad. Im Prinzip nein: Man wird mit früheren Problemen in Zusammenhang gebracht. Beim Restaurant Scala in Bern haben sich die Neuen für Kontinuität entschieden – was den Namen betrifft. Das Scala, das früher zum einst grossen Pedrazzoli-Gastroimperium gehörte, war einer der angesagten Edel-Italiener. Kellner mit weissen Handschuhen raffelten Trüffel auf den Risotto. Das Etablissement hatte aber den Ruf, die Preise seien angesichts des Gebotenen gesalzen. Der Gastroführer «Gault Millau» (GM) raunte: «Nach dem Essen wunderten wir uns nicht mehr, dass das Scala so leer war.» Und strich es in der nächsten Ausgabe aus der Gastrobibel.
Der neue Scala-Gastgeber Hans Maurer ist in Bern wohlbekannt. Früher in der Markthalle tätig, begleitete er Fredi Boss im Kursaal-Flaggschiff Meridiano auf dem Weg zum 17-GM-Punkte-Ruhm. Dann wirkte er im Schöngrün im Klee-Zentrum (ebenfalls 17 Punkte). Nach einem Intermezzo in der Lebensmittelbranche hat Maurer das Dornröschen in der Schweizerhof-Passage am 3. Mai wachgeküsst unter der Affiche: mediterrane Küche des Südens. Die freundliche Dame am Telefon hat uns einen schönen Tisch am Fenster reserviert. Allerdings hätte uns an diesem lauen Sommerabend auch ohne Reservation niemand das Plätzchen streitig gemacht. Während der ganzen Zeit widmet sich nur ein einzelner Gast seinem Znacht, sonst bleibt das Lokal leer. Wir haben den grosszügigen Raum mit der edlen indirekten Deckenbeleuchtung, den weiss gedeckten Tischen und der Vitrine mit kulinarischen Köstlichkeiten ganz für uns. Ein Blick durchs Fenster in die Passage hinunter zeigt, dass dort an einem Tisch eine Gruppe einen vergnügten Abend verbringt. Die Kellnerin und Hans Maurer wieseln unentwegt die gewundene Treppe hinauf und hinunter, denn das Lokal trägt den Namen Scala nicht umsonst.
Wir beginnen mit einem Prosecco (Fr. 8.–/dl). Ein Schälchen mit fruchtigem Olivenöl wird platziert, in das wir Brot tauchen: Grosse Genüsse sind oft einfacher Natur. Es folgt ein Amuse-Bouche mit Feige und lauwarmem Ziegenkäse. Der Testesser erfreut sich an einem Thunfisch-Carpaccio (Fr. 17.50). Butterzart sind die Kalbsschnitzelchen an Zitronensauce (Scaloppina al limone Fr. 38.50), sämig der Risotto, bei dem wir einen Hauch von Blauschimmelkäse herauszuspüren glauben. Die Begleiterin lobt ihr ebenso schön angerichtetes Saltimbocca alla romana mit Safranreis (Fr. 39.50). Eine gute und recht preiswerte Wahl ist der Rote aus Apulien: ein Neprica aus dem Weingut Tormaresca. Die Assemblage aus Cabernet, Primitivo und Negroamaro verströmt Kraft und den Gout von Waldbeeren (Fr. 55.50/7,5 dl). Ein Semifreddo Lemon mit Waldbeeren und eine Panna cotta (beide mit Heidelbeeren und Erdbeeren, je Fr. 10.50) runden das erfreuliche Mahl ab – und natürlich ein Grappa della casa, ein feiner Moscato (Fr. 9.50). Für ein Tête-à-tête sucht man kein überfülltes Lokal, doch so leer sollte es nicht sein. Selbst wenn die Kundschaft dem stets herzlichen Gastgeber Maurer die Bude einrennt, was wir ihm von Herzen wünschen, ist genug Platz da für alle. (Der Bund)
Erstellt: 09.08.2010, 08:47 Uhr
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