Schnell und deftig gegen den Elektrolytenmangel
Sei es wegen des anstrengenden Marschs auf den Hügel. Sei es, weil das mitgebrachte Picknick der Sonne nicht standhielt. Oder sei es wegen fehlender Elektrolyten aufgrund übertriebenen Alkoholkonsums. Der «Bund» hat sich darum aufgemacht, im Rahmen eines «Aufgetischt spezial» Gurtens Schnellimbissbuden zu begutachten.
Schliesst man vom Angebot auf die Kundschaft, könnte ein kurzes und bündiges Fazit lauten: Gurtengänger mögens schnell und deftig. Nahrhaft muss es sein, und lange warten will niemand, schliesslich könnte man im Getümmel die potenzielle Liebschaft aus den Augen verlieren oder den Konzertanfang der Lieblingsband verpassen.
Aber beginnen wir – wie es sich gehört – beim Amuse-Bouche. Ein solches gibt es beim Inder. Das feine frittierte Häppchen aus Kichererbsenmehl und Gemüse heisst «Pahora», ist leicht, bekömmlich und sogar gesund. Vom Pasta-Angebot kann man das weniger behaupten: Nach Gemüse sucht man bei den üblichen Saucen wie «Bolognese», «Napoli» und «Carbonara» umsonst. Der Reibkäse ist undefinierbar und zu dominant im Geschmack, die Pasta dafür erfreulicherweise «al dente».
Etwas kreativer kommt die chinesische Nudelpfanne daher: Gebratene Lauch-, Karotten- und Chinakohlstreifen paaren sich mit knusprigen Reisnudeln. Das Gericht schmeckt leicht und würzig, könnte jedoch etwas mehr (Soja-)Sauce vertragen. Das Herzstück der Schweizer Küche, die Rösti, ist durchschnittlich. Zum Glück nicht mit Butter übersättigt, schmeckt sie gut, ist aber nicht knusprig und höchstens lauwarm – im Unterschied zum schön heissen Wok-Gericht. Das Schweinsgeschnetzelte ist knusprig gebraten und zart im Biss. Leider hat das «Rahmgeschnetzelte» niemals Rahm gesehen – der Ausdruck «Bratensauce» wäre treffender.
Alle Essstände schliessen bereits um 2 Uhr morgens, einzig der Crêpestand ist rund um die Uhr geöffnet. Wer also nach 2 Uhr noch etwas Festes zu sich nehmen will, dem bleiben «nur» noch die süssen und salzigen Eierkuchen ab 6.50 Franken. Aber (Nutella-)Crêpes sind ohnehin Gurtens kulinarischer Höhepunkt: Leicht, klassisch und süss sind sie die perfekte Mahlzeit zwischen zwei Konzerten.
Für welches Gericht sich der Festivalgast auch immer entscheidet, das Depot kostet überall gleich viel. Punkto Abfall zeigt sich das Festival-OK jahrein, jahraus konsequent: Selbst auf Gabel und Messer wird eine – man könnte sagen: provisorische – Gebühr von je einem Franken erhoben. Auch der Teller kommt der Besucherin vorübergehend einen Franken zu stehen. Später wird derselbe zu Strom, das jedenfalls sagt die Werbung eines Energiekonzerns auf dem Tellerrand: «Ich liefere doppelt Energie! Aus mir wird Strom», steht da geschrieben.
Aber wie viel kostet es eigentlich den Standbetreiber, während vier Tagen einen Fleck Gurten zu pachten? Die Preise seien «nicht öffentlich», sagt Festival-Sprecher Micha Günter. Die Standbetreiber auf der Fressmeile antworten ebenfalls zurückhaltend: Er dürfe keine Zahlen bekannt geben, sagt einer, das stehe so im Vertrag. Der «Bund» weiss aber, die Betreiber müssen tief in die Tasche greifen und über 10000 Franken hinblättern. Aber es scheint sich auszuzahlen: Getrunken und gegessen wird immer. (Der Bund)
Erstellt: 17.07.2009, 08:21 Uhr
Bern
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