Neuer Chic im Quartierbeizli
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 26.01.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte: Reichhaltige italienische Küche, erlesene Grillspezialitäten, keine Pizzen.
Preise: Ausgesprochen preiswert, insbesondere über Mittag, Wochenspezial (3 Gänge) Fr. 17.50.
Kundschaft: Büezer, Studenten, Professoren.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 8–23.30 Uhr, Sa 18–23.30 Uhr, So: Ruhetag.
Adresse: Länggass-Stübli da Massimo, Muesmattstrasse 46, 3012 Bern, Telefon 031 301 62 22, www.laenggass-stuebli.ch
Wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Unitobler wurden hier bisher nebst Büezern und quartiereigenen Bonvivants immer auch Studenten und Professoren mit reichhaltiger südländischer Kost verpflegt. Und dies zu bestechenden Preisen. Das Tagesgericht schlug mittags mit Fr. 13.50 zu Buche. Den Espresso gabs genau wie die Stange Bier für 3 Franken. Seit Sommer 2008 wurden Befürchtungen laut, dass im neuen Jahr alles anders werden sollte. Die Schliessung im Dezember zwecks Renovation galt den Gästen nur als weiteres Indiz dafür. Noch in der Woche der Neueröffnung des Länggass-Stüblis machen wir uns zu zweit auf, dem Wandel auf den Grund zu gehen.
Der erste Eindruck bestätigt die Gerüchte. Das Länggass-Stübli hat nicht nur einen neuen Anstrich erhalten. Das charmant verstaubte Interieur samt Stammtisch und Vitrinen für die Pokale verschiedener Sportvereine wurde entfernt. Der Raum strahlt neu eine zeitgemässe Sachlichkeit aus. Einzig die Galerie mit historischen Bildern aus der Länggasse erinnert daran, dass man sich hier in einer traditionsreichen Quartierbeiz befindet.
Im Gegensatz zum Erscheinungsbild ist beim Kerngeschäft des Länggass-Stüblis fast alles beim Alten geblieben. Auch der neue Pächter, Massimo Crameri, bis vor Kurzem im Restaurant Cinématte hinter den Töpfen tätig, setzt auf eine preiswerte südländische Küche. Als vegetarisches Tagesgericht locken Farfalle an Tomatensauce, verfeinert mit Peperoni und Rucola (Fr. 12.50). Das fleischhaltige Tagesgericht, ein Pot au Feu, wird für Fr. 14.50 angepriesen. Mit dem Wochenspezial, bestehend aus Salat oder Suppe, Raviolone auf Gemüsebett an Salbeibutter und einer Crème Brulée, findet sich für nur Fr. 17.50 auch ein günstiger Dreigänger auf der Karte. Wir widerstehen aber all diesen Verlockungen und entscheiden uns für das etwas teurere Schweins-Ragout an Polenta und Kräuterbouquet (Fr. 24.50) und die Gnocchi an Tomaten-Parmesan-Sauce (Fr. 18.50), die der Begleitung mit einem grosszügigen Preisabschlag als kleine Portion serviert werden.
Die Wartezeit verkürzt ein gemischter Blattsalat (Fr. 5.50), dessen pikante Sauce von der Begleitung gelobt wird. Der Testesser entscheidet sich blind für die Tagessuppe (Fr. 6.50), die sich als köstliche Sellerie-Amaretto-Crème herausstellt. Die neue Küche im Länggass-Stübli vermag auch bei den Hauptgerichten zu überzeugen. Das Ragout vom Schwein ist für sich genommen zwar recht deftig, dies erweist sich in Kombination mit dem fruchtigen Rotwein Senza Parole (Fr.3.80/dl) der hier neu kredenzt wird, aber als durchaus angemessen. Auch beim Gegenüber löst das Hauptgericht Entzücken aus. Die Gnocchi sind ausgesprochen zart, auch das aus getrockneten Tomaten und Kapern gefertigte Pesto mundet der Begleitung. Einziger Wermutstropfen: Die bestellte Karaffe Wasser hat den Weg bis an den Tisch nicht geschafft. Dies, obwohl die ansonsten sehr zuvorkommende Bedienung einmal nachgefragt hat, ob man gerne Wasser zum Wein wünsche. Nicht als Unkonzentriertheit, sondern als freundliche Geste möchte man der Bedienung auslegen, dass sie sich bei der ersten Abrechnung zu unseren Gunsten irrte. Dies war nicht nötig. Denn auch bei korrekter Buchführung ist der Preis für dieses feine Mittagessen beinahe schon unanständig tief. (Der Bund)
Erstellt: 26.01.2009, 13:43 Uhr
Bern
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