Kulinarischer Stützpunkt im Quartier
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 14.09.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte: Gutbürgerliche Schweizer Küche, sehr breite Auswahl, einige Pizze, Grillspezialitäten, auch Angebote für den kleinen Hunger.
Preise: normale Mittelklasse.
Kundschaft: Büropersonal, Pensionäre aus den Senioren-Appartements, Hausfrauen, die sich nach dem Einkaufen stärken.
Öffnungszeiten: Mo-Sa 8-23.30 Uhr; So 9-23.30 Uhr.
Adresse: Restaurant Egghölzli, Weltpoststrasse 16, 3015 Bern, Telefon 031 350 66 40, Internet: www.egghoelzli.ch (Restaurant und Senioren-Appartements), Parkplätze in der Tiefgarage.
Unter dem Sonnendach auf der grossen Terrasse vertiefen wir uns in die Karte. Das preisgünstige Menü eins (Fr. 15.50) besteht an diesem Tag aus Quornspiess, Blätterteigkissen, gefüllt mit Kürbis- und Gemüseragout und Eisbergsalat, Bouillon oder Jus inklusive. Kalbsbrustschnitte gibts als Menü zwei mit den Beilagen Gnocchi und Romanesco, dem Verwandten des Blumenkohls – ebenfalls mit Jus/Suppe.
Der Vorschlag «Es het so lang’s het» bietet für attraktive Fr. 18.50 Schweinsfilet, Gnocchi und Ratatouille. Eigentlich gibt es jedes Gericht nur solange, bis es verkauft ist, doch suggeriert die Affiche, man müsse sich sputen, um die Gelegenheit nicht zu verpassen. Wir lassen natürlich nichts anbrennen und bestellen das Schweinsfilet.
Der Begleiterin hat es der Business-Lunch (Dreigänger Fr. 37.50) angetan, ist doch unser Treffen rein geschäftlich. Der Nüsslisalat ist mit gehacktem Ei und mit zwei Cherrytomatenhälften garniert. Die Entenbrust mit Orangensauce, Kroketten und Tomate Provençale sieht ebenfalls «anmächelig» aus. Nur das Petersilienbüschel könnte man streichen, ist es doch farblich attraktiv, aber sonst eine Verlegenheitslösung. Die Begleiterin isst die Ente mit Hochgenuss. Die Portion ist eher klein, was damit zusammenhängen dürfte, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Senioren-Appartemente ihr Mittagessen hier im Restaurant einnehmen: Ein Bärenhunger bei älteren Menschen ist eher die Ausnahme. Den Betagten zuliebe nehmen die Kellner auf Wunsch den Gang zum Salatbuffet ab (kleiner Teller Fr. 7.50/grosser Fr. 16.50). Wir fühlen uns noch jung genug, den Mix selbst zu bestimmen.
Schön angerichtet ist auch das Schweinsfilet, über das sich der Testesser freudig hermacht. Ratatouille ist farblich stets eine attraktive Beilage. Für unseren Geschmack hätte es etwas weniger Sauce auch getan. Wenn Fleisch in einer Lache liegt, besteht immer die Gefahr, sich so zu bekleckern, dass man sich am Nachmittag nirgendwo mehr blicken kann. Trotz der aufregenden Begleitung vermeiden wir ein Malheur.
Beim Rebensaft halten wir uns oft – meist zur Zufriedenheit – an den Hauswein, da sich ein Etablissement kaum damit blamieren will. Ausserdem ist der Egghölzlitropfen Merlot Piave preislich beinahe harddiscountermässig tief angesiedelt (Fr. 2.90/dl). Nun, das Tröpfchen ist absolut trinkbar, doch kann der Landwein aus dem Tessin die bescheidene Herkunft nicht verleugnen. Bei diesem Preis verbietet sich aber jegliches Gemäkel. Wer tiefer in die Tasche zu greifen bereit ist, findet auf der «Egghölzli»-Karte gehobene DOC- und Riserva-Tropfen aus der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien.
Die Dame gegenüber ist glücklich mit den Rotweinzwetschgen mit Vanilleglace. Der Testesser setzt auf die Hausspezialität, einen Egghölzli-Coupe mit Vanille- und Pistache-Glace, Pralinenmousse und Kirschen an Schokoladen-Balsamico-Sauce (klein Fr. 7.50 / gross Fr. 9.50). Auch beim Nachtisch gilt: Je ne regrette rien. (Der Bund)
Erstellt: 14.09.2009, 09:00 Uhr
Bern
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