Kebab mit «Dynamit»
Die Rechnung, bitte!
Karte:Kebab und kurdisch-türkische Spezialitäten.
Preise: Kebab ab 7, Tagesmenü für 13 Franken.
Kundschaft:Gewerbeschüler, Journalistinnen, Kurden und Quartierbewohnerinnen.
Öffnungszeiten:Montag bis Freitag von 7 bis 22.30 Uhr, am Samstag ab 9 und am Sonntag ab 11 Uhr. Im Sommer jeweils bis 24 Uhr.
Adresse:Kings Kebap, Breitenrainstrasse 44, 3013 Bern, Tel. 031 331 20 50.
Die Preise stimmen im Lokal, die Bedienung ist familiär und die Kost bietet Abwechslung zur hauseigenen Kantine.
Gute Kunden des «Kings Kebap» an der Breitenrainstrasse 44 sind auch die Gewerbeschülerinnen und -schüler. Mittags stürmen sie die Bude des Kurden Savas Cifti. Sie bestellen dann jeweils «Kebab!», und Besitzer Cifti scheint dann kurz in sich zu gehen, lächelt leicht und sagt: «Ohne Fleisch?» Mindestens beim ersten Mal vermag er die Schülerinnen und Schüler zu verunsichern. Und auch wenn die Frage für einen selbst zur Gewohnheit wird – anderer Leute Reaktion zu beobachten, bleibt selbst beim hundertsten Mal ein Vergnügen.
Heute bestellen wir aber für einmal keinen Kebab. Obwohl das Kebab-Angebot weit über das für unsereins schon fast banale Taschenbrot, gefüllt mit Gemüse und Kalbfleisch vom Spiess, hinausgeht. Besonders zu empfehlen ist der Sis-Kebab (lies: Schisch). Die Zubereitung dauert ein bisschen länger als beim herkömmlichen Kebab; warten lohnt sich aber in diesem Fall. Sis-Kebab (Fr. 8.50) geht so: Cifti grilliert Lammfleisch und frisches Gemüse und steckt dieses nach gut fünf Minuten Bratzeit in ein Fladenbrot. Fast schon asiatisch und vor allem sehr frisch kommt der Schnellimbiss daher. Wers scharf mag, sagt vor der Zubereitung noch «Dynamit, bitte!», und schon verteilt Cifti drei Kaffeelöffel Peperoncino-Sauce auf das Fladenbrot.
Die scharfe Sauce gibts auch zum Tagesmenü (Fr. 13.–), für das wir uns heute entscheiden. Musaka heissts und wird auf verhältnismässig edlem Gedeck serviert, wenn man bedenkt, dass wir in einen Take-away-Laden eingekehrt sind. Selbst eine Saucière wird uns gereicht – mit einer Knoblauch-Joghurt-Sauce drin. Der Teller schliesslich ist üppig mit Reis, knackigem Salat und dem Fleisch-Gemüse-Gericht Musaka gefüllt. Dieses beinhaltet frittierte Auberginen, gekochte Peperoni und Zucchini sowie Kalbfleisch. Dass mit dem Geschmacksträger Fett nicht gegeizt wurde, ist nicht der einzige Grund, weshalb die Speise sehr «chüschtig» daherkommt. Trotzdem mögen wir nicht auf türkisch-kurdisches Dessert verzichten. Wir entschliessen uns für den Klassiker: Baklawa, das Blätterteiggebäck gefüllt mit Pistazien, getränkt in Honigsirup.
Spätestens an diesem Punkt – das heisst beim Dessert – zahlt es sich aus, Stammkunde zu sein. Savas Cifti, seine Frau oder sein Bruder – wir sitzen in einem Familienbetrieb – fragen jeweils beim Abräumen wie selbstverständlich: «Chai?» (lies: Tschai). Der anregende Schwarztee geht aufs Haus. Und wir fühlen uns wie in einer anatolischen Teestube.
Philipp Schori (Der Bund)
Erstellt: 07.04.2009, 08:13 Uhr
Bern
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