Bern

Im Keller gibts Edles vom Grill

Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 20.04.2009

Das «Ziegelhüsi» in Deisswil bei Stettlen ist ein Gasthaus mit einer langen und bewegten Geschichte.

Die Rechnung, bitte!

Karte: Grosses Angebot an Grillspezialitäten; zwei Mittagsmenüs.

Preise: Preiswerte Mittagsmenüs; Hauptspeisen zwischen Fr. 16.50 und 49.50. Für einige Gerichte wird im Gewölbekeller ein Zuschlag von 5 Franken verlangt.

Kundschaft: Im edlen Gewölbekeller essen vor allem Businessleute, in der heimeligen Gaststube Angestellte der Karton Deisswil, «Büetzer» und Ausflügler.

Öffnungszeiten: Montag 8–14 Uhr, Dienstag bis Freitag 8–23.30 Uhr, Samstag 16–24 Uhr.

Adresse: Bernstrasse 7, 3066 Deisswil/Stettlen; 031 931 40 38 www.ziegelhuesi.ch

Auf der Webseite des Restaurants ist zu erfahren, dass Johann Rudolf Scheurer bereits um 1700 eine «steinerne und mit Ziegeln bedeckte Behausung» errichten liess. Diese diente vor allem als Umschlagplatz für Weinfuhren aus dem Neuenburgischen. «Scheurers Ziegelhüsi» war als Ort des Genusses und der Lebensfreude bekannt. So wurde 1720 einigen Herren wegen des «Spiels mit Karten zu verwichener Zeit» eine Strafe von fünf Batzen auferlegt. Als Mitte des 18. Jahrhunderts der Besitzer wechselte, änderte auch die Klientel – nun gingen Stadtpatrizier im «Ziegelhüsi» ein und aus. 1919 kaufte die Karton- und Papierfabrik Deisswil AG das «Ziegelhüsi» und funktionierte es zur Kantine für die Mitarbeiter um. Auch heute bewirten die Pächter – Christoph und Astrid Harder-Bucher häufig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kartonfabrik.

Doch nun genug der Worte, kommen wir zum Wesentlichen, dem Essen. Die Speisekarte des «Ziegelhüsi» wartet mit einem grossen Angebot an Grillspezialitäten auf: Vom Kalbskotelett (Fr. 49.–) über das Schweinsfilet (Fr. 29.50) und das Lamm-Rack (Fr. 31.–) bis zum Bison-Entrecôte (Fr. 49.50) kann alles bestellt werden, was das Herz des Karnivoren erfreut. Zu jedem Fleischgericht wird eine Sauce sowie eine Beilage serviert – ob Trüffeljus oder Café de Paris, Schupfnudeln, Maiskrapfen oder Pommes Allumettes, die Gäste entscheiden selber. Zusätzlich findet man auf der Karte ein kleines, aber feines Angebot an Tellergerichten, zum Beispiel Kalbsleber an Himbeersauce und Zucchetti-Rösti (Fr. 27.50)oder Maispoulardenbrust gefüllt mit Mozzarella an Thymianjus (Fr. 23.50). Zudem werden jeden Mittag zwei Menüs angeboten.

Da wir am Nachmittag nicht mit allzu vollem Magen in das Büro zurückkehren wollen, entscheiden wir uns für die etwas kleineren Tagesmenüs – Hackbraten an Pilzsauce mit glasierten Karotten (Fr. 17.50) und Gemüselasagne (Fr. 14.50). Im Preis ist eine Vorspeise inbegriffen; die Gäste können zwischen einem kleinen Salat und einer Suppe auswählen. Ersterer ist eine wahre Gaumenfreude: geraffelte Zucchetti, Cherrytomaten und Kresse werden an einer Sauce aus weissem Balsamico serviert. Auch die Gemüsesuppe überzeugt.

Während wir auf den Hauptgang warten, schauen wir uns ein wenig im Restaurant um. Die heimelige Gaststube wurde kürzlich renoviert. Am Mittag liegen auf den Holztischen lediglich weisse Stoffsets – auf Chichi wird bewusst verzichtet. Abends werden die Tische allerdings einladend aufgedeckt. Noch gediegener speist man im edlen Gewölbekeller mit den alten Sandsteinmauern und dem hellen Holzboden. Gedimmtes Licht, schwarz-weisse Fotos an den Wänden und weisse Kerzen sorgen für eine angenehme Atmosphäre – genau richtig für ein romantisches Tête-à-tête.

Voilà, schon bringt die freundliche Bedienung die Hauptspeise. Der Hackbraten ist «chüschtig», die Pilzsauce cremig. Auch die Lasagne mundet vorzüglich – ein voller Erfolg. Eigentlich sind wir nach den Menüs schon satt, doch das Latte-macchiato-Türmchen mit Joghurtsauce und Johannisbeerconfit(Fr. 12.–) tönt derart verlockend, dass wir nicht widerstehen können. Das Dessert wird auf einem mit exotischen Früchten garnierten Teller serviert. Wer nun ein bescheidenes Türmchen erwartet, liegt fehl. Das Türmchen ist in Tat und Wahrheit ein stattlicher Turm aus Mocca-Crème und Panna cotta. Dieser schmeckt zwar vorzüglich, doch er ist etwas zu gross geraten. Auch zu zweit gelingt es uns nicht, das Macchiato-Türmchen aufzuessen – etwas weniger wäre hier mehr. Dennoch: Wir kommen wieder.

Lisa Stalder

(Der Bund)

Erstellt: 20.04.2009, 14:19 Uhr


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