Herzlichkeit und Fast-Food-Fusionen
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 09.02.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte:Währschafte Küche mit italienischem Einschlag. Ebenso: Fast-Food-Gerichte.
Preise: Sehr moderat.
Kundschaft:Zur Mittagszeit sehr durchmischt. Von Studenten bis zu Stammgästen.
Öffnungszeiten:Mo bis Fr 8.30 bis 23.30 Uhr.
Adresse:Restaurant & Bar Viktoriahall, Effingerstr. 5, 3008 Bern. Telefon: 031 535 19 61.
Wer bei der Suche nach einem geeigneten Speiselokal hin und wieder das Telefonbuch zurate zieht, bleibt unweigerlich an diesem Eintrag hängen. Der Name des Restaurants erzählt von einer grossen Vergangenheit, die Adresse von einem eher freizügigen Umgang mit dem Glanz der Berner Belle Epoque. Die Rede ist vom Restaurant Viktoriahall, das an der – mit Verlaub – eher unglamourösen Effingerstrasse gleich gegenüber dem Schulhaus der Berner Wirtschafts- und Kaderschule domiziliert ist. Beeindruckt von diesem Spannungsverhältnis beschliessen wir, bei einem kurzen Mittagessen zu prüfen, was sich hinter diesem Telefonbucheintrag verbirgt.
Schon beim Betreten der geräumigen Gaststube beschleicht uns ein anheimelndes Gefühl. Verantwortlich dafür sind die warme Herzlichkeit des Personals, die Blumengestecke auf den Tischen und die übrigen Gäste. Diese widmen sich dem Rauchen von Zigaretten und zwar so inbrünstig, wie man es heutzutage nur mehr selten zu Gesicht bekommt. Vor dem Salat, vor der Hauptspeise, und noch einmal zum Espresso. Die Begleitung tut es den Gästen gleich, der Schreibende kaut Pfefferminzkaugummis und bestellt die Karte.
Das Angebot im «Viktoriahall» birgt einige Überraschungen. Die Knödel, die im «Viktoriahall» in Kombination mit Rindsgeschnetzeltem Stroganoff und sautierten Peperoni (Fr. 18.50) angeboten werden, sind ungewöhnlich in unseren Graden. Damit noch nicht genug: Auf die Knödel folgt eine Reihe von belegten Fladenbroten, gekrönt von der Pizza Kebab (Fr. 15.50). Das Restaurant Viktoriahall schlägt mithin Brücken von nordeuropäischer Schwerkost zu italo-orientalischen Fast-Food-Fusionen. Wir entscheiden uns für Rindsgeschnetzeltes an Knödeln und eine Pizza Parma (Fr. 16.50). Inbegriffen sind jeweils Suppe und Salat. Die grosszügig angerichteten Gerichte treffen den Geschmack der beiden Testesser. Den Nachtisch bildet ein Mokka-Parfait, das gemäss Abbildung in der Glace-Karte flambiert serviert werden sollte. Hier zeigt das Personal erstmals Nerven. Trotz mehrmaligem Anzündversuch bei Tisch will der Rum kein Feuer fangen. Schmecken tut das Parfait trotzdem. Einem nächsten Besuch steht jedenfalls nichts im Wege. Allenfalls setzt man sich dann auch ins Nichtraucherstübli, das sich eher uneinladend in einem Nebenraum der Gaststube befindet. (Der Bund)
Erstellt: 09.02.2009, 09:53 Uhr
Bern
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