Bern

Frohen Sinnes in der Gasse

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 08.06.2009

Im Restaurant Frohsinn in der Berner Altstadt ist die Auswahl gross.

Die Rechnung, bitte!

Karte: Schweizerische und mediterrane Kost in kreativen Kombinationen.

Preise: Im Mittelfeld, einige günstige Angebote.

Kundschaft: Angestellte in der Mittagspause, kaum Touristen. Gehbehinderte aufgepasst: WC ist im ersten Stock (ohne Lift).

Öffnungszeiten: Mo – Fr 10 –23.30 Uhr, Sa 9 – 0.30 Uhr.

Adresse: Restaurant Frohsinn, Münstergasse 54, 3011 Bern, Telefon 031 311 67 68, Fax 031 311 37 74, E-Mail: info@froh-sinn.ch, www.froh-sinn.ch

Rindshamburger mit dreifarbigen Cappelletti und Ratatouille mit Salat (Fr. 16.50); Penne Caprese mit Mozzarella und Basilikum (Fr. 20.50); Pouletsalat mit Currymayonnaise, Früchten und Salat (Fr. 24.50); Steiners Schweinsbratwurst an Zwiebelsauce (Fr. 20.50) oder grilliertes Kalbsschnitzel mit Kräuterbutter (Fr. 35.50), die letztgenannten beiden Menüs mit Pommes frites als Beilage.

An diesem sonnigen Tag gelüstet es uns nach Gazpacho, der Kaltschale mit Brotcroûtons, Mozzarellawürfeln und Basilikum (Fr. 5.20). Die kalte, dickflüssige spanische Tomatensuppe ist ein erfrischender Genuss – und nicht zu scharf, was uns gut gefällt. Dann nehmen wir den gratinierten Ziegenkäse auf gemischtem Linsensalat an Honigdressing (Fr. 19.90). Auf dem Glasteller sind drei Chicoréeblätter wie ein Propeller angeordnet, der halb zerlaufene Ziegenkäse schmeckt tipptopp – sofern man nicht grundsätzlich gegen kapriziöse Milchprodukte eingestellt ist. Die «Frohsinn»-Küche ist nicht «sophisticated», aber mit Sinn für kleine Besonderheiten. Das Vollkornbrot wird täglich im Hause gebacken. Es soll laut Karte «mit der nötigen Vorsicht» gegessen werden, da das Mehl ganze Körner enthalten kann. Man übernehme keine Haftung für Zahnschäden. Wenn sich hier bloss nie ein US-Amerikaner einen Zahn ausbeisst – das gäbe wohl Sammelklagen.

Mangels Begleiterinnen klinken wir uns mental in die Gespräche der Nachbarn ein, die auf engem Raum den Frischluftzmittag geniessen, behütet von Sonnenschirmen, nur von grünen Stauden vom Geschehen in der Gasse getrennt. Zwei Secondos switchen zwischen lupenreinem Berndeutsch und Italienisch hin und her. («Bund»-Habitués erinnern sich: Diesbezüglich hätte man einst auf der Boulevard-Seite auf die Sprachglosse «Böllechilbi» nebenan verweisen können. Tempi passati.) Der Münsterorganist radelt vorbei, eine Primarklasse auf Schulreise mit Rucksäcken defiliert, dann zieht ein blondes Kind, begleitet von der Grossmutter, einen Dackel hinter sich her: Es gibt draussen immer etwas zu sehen.

Zwei freundliche, aufmerksame junge Frauen in roten «Frohsinn»-Blusen bedienen abwechslungsweise – ohne die andernorts oft erlebte «Das-ist-nicht-mein-Tisch»-Nummer. Die eine hat uns als Apéro ein Gläschen Weisswein empfohlen: Petite Arvine aus dem Wallis natürlich (Fr. 6.–/dl), denn wie die alte autochthone Rebsorte stammt auch der junge, unternehmungslustige Ex-«Unterer Juker»-Wirt Daniel Schmidt aus dem Rotten-Kanton. Auch der zweite Wein ist eine Besonderheit, ein vollmundiger, im Fass ausgebauter Lagrein, aus dem Südtirol (Fr. 8.40/dl) – ebenfalls eine autochthone Sorte.

«No nes Päuseli?», fragt die Serviererin mit Hang zu elliptischen Sätzen. Nur ein kurzes, dann freuen wir uns an marinierten Erdbeeren mit Vanilleglace (Fr. 6.50). Eine Taube knabbert unter den Tischen an Brosamen und flattert als post-pentecostales Ereignis über die Häupter hinweg. Am Nachmittag sinnieren wir, was es auf der Karte unter Punkt 9 zu essen gegeben hätte: Auf der von 1 bis 10 reichenden Aufstellung fehlte die Ziffer. Vielleicht finden wir es ja beim nächsten Mal heraus. (Der Bund)

Erstellt: 08.06.2009, 15:56 Uhr


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