Bern

Eintauchen ins Reich der Mitte

Von Klaus von Muralt. Aktualisiert am 15.06.2009

Die Rechnung, bitte!

Karte: Chinesische undthailändische Speisen aller Art. Die chinesischen Gerichte basieren auf der kantonesischen Küche. Auch Take-away ist während der normalen Öffnungszeiten möglich.

Preise: Am Mittag sehr preiswerte Menüs, am Abend etwas teurer.

Kundschaft: Stammkunden aus der Gegend, dazu Mitarbeiter der nahe gelegenen Bundesämter für Migration und Topographie.

Öffnungszeiten: Sonntag bis Freitag von 11.30–14 und 18–22.30 Uhr, Samstag ab 18 Uhr.

Adresse: China-Restaurant Tai Yien, Dorfstrasse 2, 3084 Wabern, Telefon 031 961 64 00, Fax 031 961 64 01, www.taiyien.ch.

Schon hundert Mal sind wir vorbeigefahren und doch nie eingekehrt: Das China-Restaurant Tai Yien in Wabern liegt an prominenter Stelle zwischen dem Bahnhof Wabern und der Tramhaltestelle Gurtenbahn, wirkt aber von aussen eher unscheinbar. Umso bemerkenswerter ist darum der Wechsel, wenn man das Restaurant betritt: Ein Meer von Farben, asiatischen Wandbemalungen und Orchideen lässt einen in eine fremde Welt eintauchen: Auf Wiedersehen farblose Schweiz, willkommen zauberhafter Osten!

Gerne nimmt man an einem der kunstvoll verzierten Holztische auf den einladend gepolsterten Stühlen Platz. Dabei beäugen einen von allen Seiten Drachen: goldene, weisse, silbrige, in Skulptur- oder in Gemäldeform. Auch lachende Buddhas und wohlwollende Lebensratschläge verteilende Tao-Figuren fehlen nicht. Dazu rieselt chinesische Instrumentalmusik ins Ohr des fröhlich gestimmten Gastes. Der gemütlichen Atmosphäre entsprechend bestellen wir JasminTee, serviert in kleiner Porzellankanne (Fr. 4.80) und chinesisches Tsingtao-Bier (Fr. 5.60).

Wir haben die Qual der Wahl, als wir uns entscheiden müssen, was wir zu Mittag speisen möchten: entweder chinesisch oder thailändisch. Das Restaurant hat beides im Angebot. Mein Begleiter entschliesst sich für chinesisch: als Vorspeise Frühlingsrollen, danach Pouletfleisch an Currysauce zum Hauptgang. Ich selbst wähle thailändisch: zur Vorspeise Tom Yam Suppe scharf-sauer mit Pouletstreifen, danach als Hauptgang Schweinefleisch mit Stangenbohnen – ebenfalls sehr scharf, wie die Speisekarte ausdrücklich erwähnt. Beide Tagesmenüs gibt es für Fr. 17.50 mit Vorspeise. Vor vielen Jahren – am 19. Oktober 2001 – erschien im «Bund» ein Artikel über dieses Restaurant. Daraus ersieht man, dass die Preise inzwischen im Schnitt nur um einen Franken erhöht worden sind.

Spätestens bei den Stangenbohnen verkommen die chinesischen Stäbchen zu sinnlosen Objekten, mit denen man keinen Teller wirklich leer bekommt. Wir geben uns geschlagen und nehmen die Gabel zur Hand. Es soll uns schliesslich kein einziger Bissen verloren gehen, denn das Essen mundet vorzüglich.

Die chinesische Familie Ngo leitet das Restaurant bereits seit zehn Jahren. Der Herr des Hauses gesteht uns, dass das Pouletfleisch an Currysauce eigentlich gar kein chinesisches Gericht ist: Curry gebe es in China gar nicht, in Wirklichkeit sei das Gericht malayischer Herkunft. Die gesättigten Gäste nehmen es voller Gleichmut zur Kenntnis (die Buddha-Statuen haben gewirkt) und gönnen sich zum Abrunden einen Espresso (Fr. 3.50). Und dieser ist definitiv nicht chinesisch.

Möchte man im «Tai Yien» à la carte speisen, sei besonders die Peking-Ente (Fr. 58.80 pro Person) zu empfehlen, führt Herr Ngo weiter aus, der trotz seinem Namen nichts mit einer Nicht-Regierungs-Organisation zu tun hat. Die Preise am Abend sind ungefähr doppelt so hoch wie am Mittag. Dafür bietet sich einem die Möglichkeit, in trauter Zweisamkeit bei romantischem Kerzenlicht zu dinieren. (Der Bund)

Erstellt: 15.06.2009, 08:41 Uhr


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