Bern

Ein schönes Ristorante mit «take away» – und «bring in»

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 12.01.2009

Ein Tessiner Grotto ist ein einfaches Lokal, auf dessen Veranda von Mamma gekochter Risotto an Granittischen verzehrt und Landwein aus der Gegend getrunken wird: alles Nostrano, auf unsere Art. Das Restaurant Grotto Ticino in Bern legt da einen Zacken zu.

Die Rechnung, bitte!

Karte:Italienisches in allen Varianten – von Antipasti bis Dolce.

Preise: Leicht gehoben, aber im Rahmen.

Kundschaft:Geschäftsleute, Angestellte, Armeeangehörige im gescheckten Tarnanzug (aber dennoch gut erkennbar).

Öffnungszeiten:Mo–Fr 9–23.30 Uhr; Sa 10–23.30 Uhr, So 12–23.30 Uhr; von 12–14 Uhr rauchfrei.

Adresse: Restaurant Grotto Ticino, Breitenrainplatz 26,

3014 Bern, Tel 031 331 96 77,

Internet: www.grotto-ticino.ch

Mit einer roten Backsteinwand und dunklen Holzbalken an der Decke bedient es rustikale Klischees, zeigt aber etwa mit der innenbeleuchteten Wein-Kühlvitrine, dass man sich schon etwas gehobener positionieren will.

Die Tischsets sind aus Stoff, ebenso die Servietten. Ein Gruss aus der Küche zeigt, wo es kulinarisch langgeht: ein Würfelchen Polenta mit einer Scheibe scharfer Wurst. An der Wand steht ein Salatbuffet. Unseren gemischten Salat (Insalata mista für 9 Franken) schöpft der Kellner aber selbst und bringt ihn fixfertig mit pikanter italienischer Sauce, zu der es offenbar keine Alternative gibt – Kichererbsen und Kürbiskerne inklusive. Letztere sollen ja für nicht mehr ganz junge Männer sehr gesund sein. Diverse Menüs und Tagesempfehlungen bieten sich an. Pizza – es gibt sie auch zum Mitnehmen – wäre die naheliegendste Lösung, von Napoli (Fr. 19.–) bis Mediterranea (Fr. 26.–). Doch wir bevorzugen heute die Pette di Pollo al Balsamico (geschnittene Pouletbrust), serviert mit Risotto und Gemüse (Fr. 24.50).

Die durchwegs männliche Bedienung ist schnell und effizient, aber freundlich. Bald steht der Teller vor uns, das Fleisch attraktiv angerichtet, der Safranreis von schöner Farbe. Wir hätten uns das Gericht allerdings eine Spur heisser gewünscht. Die Gemüsegarnitur enthält unter anderem Rüebli und Broccoli. Letzterer hat die knackigsten Zeiten hinter sich – es ist bald 13 Uhr. Dazu trinken wir den vom Kellner vorgeschlagenen Hauswein, den günstigeren. Der Merlot del Veneto (Fr. 4.50/dl) ist tatsächlich eine gute Wahl.

Gerne lässt sich der Alleinesser von einer angeregten Herrenrunde im Rücken unterhalten, die Interessantes aus der Welt der Wirtschaft kolportiert – wir bleiben dran.

Draussen ist es bitterkalt, weshalb wir uns nicht auf Glace kaprizieren, sondern eine mastige, mit Amaretto getränkte Spuma di Castagne geniessen, eine ebenso schwere wie verführerisch gute hausgemachte Marronimousse mit Rahm und Kirschen(Fr. 9.50). Das kleine Amaretto-Guezli zum Espresso (Fr. 4.–) unterstreicht, dass im «Ticino» auch auf Details Wert gelegt wird.

Mangels Gesprächspartnerin kommen einem in diesem Lokal unweigerlich olle Kamellen in den Sinn, so heftig man dagegen ankämpft. Hier spielte sich nämlich einst die sogenannte Thonsalat-Affäre ab. Ein früherer Stadtpräsident brachte – so ging die Mär in einem Berner Presseorgan – ein eigenes Döschen mit Thunfisch in die Beiz mit. Die grinsende Öffentlichkeit erkannte darin einen weiteren Beweis für die legendäre Sparsamkeit des Stadtpräsidenten. Dieser, von überflüssigen Pfunden gepeinigt, wollte aber mit der ungewöhnlichen Bestellweise lediglich sicherstellen, dass sein Salat mit kalorienarmem Fisch in Salzlake und nicht in Olivenöl zubereitet wird. (Der Bund)

Erstellt: 12.01.2009, 09:09 Uhr


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