Bern

Ein Italiener mit deutschem Namen

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 02.06.2009

Oft haben Pizzerien Namen, bei denen mit der Italianità dick aufgetragen wird. Nicht so das Restaurant Römer in der Lorraine.

Die Rechnung, bitte!

Karte: Pizzen, Nudelgerichte, traditionelle italienische Küche wie Piccata alla milanese Fr. 26.70, Saltimbocca alla romana Fr. 35.50, Spiedino di gamberoni senza guscio (Riesencrevettenspiess ohne Schale Fr. 35.50).

Preise: günstige Mittagsmenüs, A-la-carte-Gerichte zu vernünftigen Preisen, Monatsweine im Offenausschank, Römerpass

(«11 x essen, 10 x bezahlen»).

Kundschaft:Quartierbewohner, Handwerker, Heimweh-Italiener, Kantonspolizisten vom Ringhof.

Öffnungszeiten:Mo–Do 08.30–23.30 Uhr, Fr 08.30–00.30 Uhr,

Sa 10–0.30 Uhr, So 10–23 Uhr.

Adresse:Restaurant Römer, Alessandro La Marra, Turnweg 18, 3013 Bern, Telefon 031 331 00 88, Fax 031 331 25 01,www.roemer-bern.ch

Natürlich erinnert «Römer» an Italien, doch ist das Lokal einfach nach dem Römerweg benannt, an dem es liegt. Ein altes Haltestellenschild neben dem Eingang («Stadt-Omnibus Haltestelle Römerweg») erinnert an eine Zeit, als die öffentlichen Verkehrsmittel andere Routen befuhren – so es denn echt ist. Aktenkundig ist, dass das Beizli vor über einem Jahrzehnt ein eher düsterer Quartierspunten war. Als es Alessandro La Marra 1998 übernahm, wandelte es sich mehr und mehr in ein freundliches Italo-Restaurant. Drinnen, in der recht kleinen L-förmigen Gaststube, hat es oft Vereine, die etwas feiern. Doch wer will bei diesem Wetter schon drin sitzen? Und was gibt es Italienischeres, als unter freiem Himmel zu trinken und zu tafeln?



Als Tagesteller gibt es heute Pizza con zucchetti (ohne Vorspeise) oder Picccata di maiale con spaghetti (je Fr. 15.80). Letzteres tönt gut, doch da man auch am Nachmittag noch mit reiner Weste dastehen möchte, entscheidet man sich für das, was der Chef empfiehlt: Cannelloni alla casalinga, (hausgemachte Fleisch- Cannelloni, Fr. 15.80). Für nur zwei Franken Aufpreis gibts dazu Insalata Mimosa, einen Nüsslisalat mit Ei. Den typischen Wintersalat essen wir auch im Wonnemonat Mai gerne, obgleich etwas viel italienische Sauce darüber geschüttet worden ist. Die gefüllten Teigwaren-Röhren werden in einem zischend heissen Porzellan-Geschirr serviert, das schätzungsweise über dem Vesuv auf höllische Temperaturen erhitzt wurde. Auch hier gibt es etwas viel Flüssigkeit zu löffeln, doch geschmacklich gefällt uns das hausgemachte Gericht sehr gut.



Die eine Tischgenossin entscheidet sich für Gnocchi ripiene di pomodoro e mozzarella, also für Gnocchi, die mit Tomaten und Mozzarella-Käse gefüllt sind (Fr. 21.50). Darauf befindet sich eine Art Osternestli aus Rucola-Blättern. Die Kollegin lobt die Gnocchi sehr, fährt aber nicht unbedingt auf Rauke ab. Rucola ist ein Modesalat. Ein böser Gastro-Kritiker – (der andere!) – hat unlängst die Rauke auf die Liste der gastronomischen Sünden gesetzt, was schamlos übertrieben ist. Andrerseits wissen Kaninchen vermutlich sehr wohl, weshalb sie die Blätter nicht mümmeln.



Die andere Begleiterin entscheidet sich für Roastbeef con insalata e tartara (Fr. 26.50). Das nicht sehr blutige kalte Fleisch, das ihr gerade deshalb sehr zusagt, ist mit Salat garniert, und die reichlich bemessene feine Tartar-Sauce füllt ein Chicorée-Blatt. Innert 24 Stunden mausern wir uns zu «Römer»-Kennern, haben wir doch hier tags zuvor eine Spezialität probiert, an der einfach kein Weg vorbeiführt: Tagliatelle con fragole e surimi. Richtig gelesen: Nudeln mit frischen Erdbeeren, Krebsfleisch, Cognac, Tomaten und Rahm (Fr. 22.50). Die Kombination klingt abenteuerlich, doch würden wir das Gericht sofort wieder bestellen. Den preiswerten offenen Montepulciano (Fr. 4.10/dl) können wir ebenfalls nur loben.



Die Begleiterinnen berichten vom stillen Örtchen, wo es allerhand «Schmöckiwasser» zum Applizieren gibt, wobei die Fläschchen aber an Ort und Stelle zu belassen sind. Der Laden läuft gut. Man braucht auf den orangen Plastikstühlen nicht lange auf sein Essen zu warten. Wer mittags anruft und reserviert, hat einen etwas kurz angebundenen Mitarbeiter am Draht. Auch wenn der Kellner die Speisen bringt, merkt man, dass er keine Zeit zum Trödeln hat. In einem alten «Bund»-Artikel von 2001 – «Aufgetischt»-reloaded gewissermassen – schrieb ein Quartierbewohner und Kolumnist unter dem Stichwort Bedienung: «Zuvorkommend. Stresszeiten spürt man zwar auch als Gast, aber wo nicht?» Wir verstehen nun besser, was er gemeint hat.



Wenige Schritte entfernt befindet sich der Ringhof, die Zentrale der Kantonspolizei. Wenn wir auf der Speisekarte lesen, dass das Etablissement am Samstag von «10–23.30/24.30?» offen sei, schliessen wir darauf, dass die früher pickelhart durchgesetzte Polizeistunde nach diversen Liberalisierungsschritten im Gastgewerbe heute nicht mehr das ist, was sie einmal war.



Die Damen versagen sich aus Zeitgründen ein Dessert. Aber nur fast. Der Esser soll das Tiramisu (Fr. 8.50) bestellen, finden sie. Frauenversteher wissen, was nun kommt, nämlich der Satz: «Ich nehme dann ein bisschen von dir.» Die Serviererin ist gar nicht begriffsstutzig und bringt die süsse Versuchung mit Zusatzwerkzeugen. So löffelt das Trio die Kalorienbombe einträchtig in sich hinein, denn auch «Bund»-Redaktionsmitglieder haben in bitteren Zeiten zuweilen etwas Süsses nötig. (Der Bund)

Erstellt: 02.06.2009, 09:16 Uhr


Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!