Eckwerte, die froh machen
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 22.06.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte: Marktfrische Küche, sorgfältig angerichtet.
Preise: Mittags günstige Menüs (Vegi Fr. 18.–/Fleisch Fr.19.–); À-la-carte-Gerichte 30 bis 40 Franken.
Kundschaft: Beamte und andere Büroleute, für die Mittagspause mehr bedeutet als ein Sandwich.
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9–23.30 Uhr; Sa 11–14.30 Uhr und 17.30–23.30 Uhr, So und allgemeine Feiertage geschlossen.
Adresse: Restaurant Frohegg, Belpstrasse 51, 3007 Bern, Telefon 031 382 25 24, info@frohegg.ch, www.frohegg.ch
Was Restaurateur Andreas Kobel (seit über 20 Jahren), Chef de Cuisine Heinrich Hillbrecht und Chef de Service Andreas Schori dem Gast bieten, ist weit mehr als «guet u gnue». Die originale – nicht herbeidesignte – Bistro-Atmosphäre des Restaurants heben wir uns für das Winterhalbjahr auf. Die Plätze auf der lauschigen Hofterrasse sind längst ausgebucht. Wer sie ergattert hat, verbringt über Mittag eine Art Kurzurlaub. Daher sitzen wir mit einem Begleiter – (die weibliche Form ist ausdrücklich nicht mitgemeint) – im Wintergarten am offenen Fenster. Vom Tisch draussen dringt Zigarettenrauch durchs offene Fenster. Man ahnt es: Selbst das ordnungspolitisch abenteuerlichste Rauchverbot wird solche Spezialfälle nicht zu verhindern vermögen.
Da wir früh dran sind, lassen wir uns von der Serviererin als Aperitif einen Heida bringen (Fr. 7.–/dl). Das ist ein Walliser Weisswein der Rebsorte Savagnin aus dem höchstgelegenen Weinberg Europas. Was da in Visperterminen auf 1150 Metern über Meer wächst, hat Quitten- und Felsgesteins-Aromen, eine feine Säure und sommerliche Frische. Das Auge schweift über die Karte, die von Nichtalltäglichem kündet: Sizilianische Zitronensuppe mit Safranfäden und Zanderklösschen (Fr. 12.50), Emmentaler Hofkaninchenrückenfilets mit Salbei und Speck, Gemüse und Gnocchi (Fr. 36.–) oder gebratene Kalbsnierentranchen mit Eierschwämmen und Bratkartoffeln (Fr. 32.–). Wir wählen den dreigängigen Business-Lunch (Fr. 56.–) und sehen während des Wartens wie die Hofterrassen-Esser bunte Salatteller mit Melonenschnitzen erhalten, und dass der Kartoffelstock beim Tagesmenü nicht einfach als Pampe daherkommt, sondern der Kundschaft mit einer kunstvoll gewellten Oberfläche schmeichelt.
Unser erster Gang, das sorgfältig angerichtete Thunfisch-Carpaccio mit Oliven und kleinem Salatbouquet (einzeln Fr. 19.50), ist die richtige Vorspeise für einen Sommertag. Tadellos auch der Hauptgang: Kalbsmedaillons mit Eierschwämmen und kleinem Gemüse – ein farbenfrohes Bouquet aus Kefen, Rüebli, grünen Spargeln, Blumenkohl, Zucchetti und Cherrytomaten. Dazu gibts Trockenreis. Als Rotwein wird uns ein leichter Herrschäftler aus Malans (Fr. 7.80/dl) empfohlen. Frische Erdbeeren im Glas mit Vanilleglace und Pfefferminzblatt gibts zum Dessert. Den Espresso (Fr. 4.–) trinken wir auf der Strassenseite auf steinernen Bänken und Tischen in der Pergola – und fühlen uns unter den rankenden Reben wie in einem Tessiner Grotto. Der Guide Michelin listet das «Frohegg» auf; im Gault Millau sucht man es auch nach 20 Jahren Kobel vergebens. Vielleicht kommt es dem «Quartierbeizli» gar nicht so ungelegen, dass es stets ein wenig unterschätzt wird. (Der Bund)
Erstellt: 22.06.2009, 08:40 Uhr
Bern
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