Der Geheimtipp im Quartiersträsschen
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 02.02.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte: Täglich zwei Menüs, schmackhafte Kost wie zu Hause.
Preise: Sehr moderat, dafür bescheidene Auswahl.
Kundschaft: Leute aus dem Quartier, wegen versteckter Lage vermutlich kaum Laufkundschaft.
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 6.15– 17.15 Uhr, Sa 8–12 Uhr, So Ruhetag.
Adresse: Café Cappuccio, Radarstrasse 13, 3013 Bern, Telefon 031 331 00 33.
Kein Wunder. Das kleine Lokal, das unverhofft auf unserem Gastro-Radarschirm aufgetaucht ist, befindet sich in einem Quartiersträsschen im Nordquartier, eingeklemmt zwischen einem unauffälligen Wohnblock und einer noch unscheinbareren Garagenzeile.
Als wir die Gaststätte aus der Kälte kommend durch den Windschutzvorhang betreten, ist sie gut besetzt. Jüngere Frauen bevölkern einige Tische, wohl Spitalpersonal, das sich einmal ausserhalb des Personalrestaurants verpflegen möchte, ohne viel mehr ausgeben zu müssen. Auch einige ältere Semester – der Ausdruck wird hier völlig diskriminierungsfrei verwendet – haben es sich gemütlich gemacht. Sie schätzen die familiäre Atmosphäre, das «Futtern wie bei Muttern», das das AHV-Budget nicht zu stark belastet – und den kleinen Schwatz danach. Trotz einer alten Standuhr und zwei Wanduhren wird keiner zur Eile gedrängt. Drei Spiegel, zwei davon mit goldenem Rahmen, verleihen dem einfachen Raum mit dem hellen Holzmobiliar einen Hauch Noblesse. Wer im Sommer im begrünten Hof auf dem Sitzplatz speist, dürfte sich fühlen wie in einem Kurzurlaub.
Lederkladden mit zahllosen Speisevorschlägen gibts hier nicht. Die zwei Tagesmenüs sind auf der Schiefertafel vor der Tür vermerkt. Der Testesser nimmt das süss-saure Schweinsgeschnetzelte mit chinesischen Nüdeli, kleiner Gemüsegarnitur (unter anderem Zucchetti) und Salat (Fr. 15.–). Die Begleiterin bestellt Spaghetti Carbonara mit Salat (Fr. 14.–, klein Fr. 12.–). Der Salat, in einer tassenartigen Schale serviert, enthält Blattsalat und Saisongerechtes wie geraffelten Kohl und Rüebli. Die gelbliche, sicher hausgemachte Sauce mit einem Schuss Curry passt bestens. Beim Wein sind wir wieder auf die Empfehlung des Wirts angewiesen, denn eine Karte liegt nicht auf. Gut seien alle offenen Weine, sagt Hansruedi Ruckstuhl, ihm gefalle der Nero d’Avola am Besten. Wir folgen dem Vorschlag. Es ist ein einfacher, aber ansprechender und preiswerter Tropfen (Fr. 3.80/dl).
In der Küche ist Susanne Ruckstuhl speditiv zugange, während ihr Mann die Gäste rasch und freundlich bedient. Die Begleiterin wird mit der kleinen Portion satt, ansonsten gebe es Nachschlag, wie der Chef versichert. Es ist eine unspektakuläre, solide Alltagsküche, schmackhaft und liebevoll zubereitet. Was will man mehr – erst recht zu diesem Preis? Auch bei den Getränken hält man sich preislich zurück: beim Kaffee (Fr. 3.30), mit einem Mandelguezli serviert, und beim Mineralwasser (Fr. 4.–/5 dl). Ein Dessert? In der Vitrine herrscht heute gähnende Leere. Oft gibts frisch zubereitete Amaretto- oder Beerencrème. Der Wirt empfiehlt heute Schokoladekuchen (Fr. 4.–). Ein guter Tipp. Das innen schön feuchte Stück, von einer Schlagrahmwolke begleitet, hat Geburtstagsqualität. Nur ein Detail wollte uns nicht so recht gefallen: Noch als wir mit dem Hauptgang beschäftigt waren, gingen am Nebentisch schon die Zigaretten in Rauch auf. Das müsste nicht sein. Was wohl der goldene Engel dazu sagen würde, wenn er nicht schweigend auf dem Getränkekühlschrank sitzen müsste? (Der Bund)
Erstellt: 02.02.2009, 08:30 Uhr
Bern
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