Das Huhn, das auch ins Büro kommt
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 18.05.2009
Die Rechnung, bitte!
Karte: Asiatische Gerichte, Spezialität Curry («Best Curry in Town»), Pizza, indische Süssspeisen (Galub Jamon, Pistazien-Creme, Sawayan etc.)
Preise: Ziemlich gehoben (auf Webseite z. T. nicht aktualisiert)
Kundschaft: Leute, die nicht aus dem Haus wollen, aber keine Lust zum Kochen haben; Hauslieferung in Bern kostenlos
Öffnungszeiten: Mo–Fr 10.30 bis 13 Uhr, Mo–So 17 bis 22.30 Uhr
Adresse: Curry House, Freiburgstrasse 64, 3008 Bern, Telefon 031 381 87 87, Fax 031 381 88 11, Natel 079 653 37 46, E-Mail: bestellung@curryhouse.ch, Internet: www.curryhouse.ch
Für eine Expedition ins wilde Gastronistan reicht die Zeit nicht. Doch: Wenn der Berg nicht zum Poulet kommt, kommt das Poulet zum Berg – frei aus dem Gedächtnis zitiert.
Wir gucken uns in der Branche um. Fastfood-Anbieter gibts viele. Der eine warnt auf der Homepage, dass die Zubereitung seiner Köstlichkeiten zwei Stunden verschlinge. Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Beim Nächsten ertönt die telefonische Ansage: «Diese Nummer ist ungültig.» Ein gültiges Ess-Resultat ist also nicht zu erwarten. Also rufen wir das Curry House in Bern an. Ein netter Herr, vermutlich mit Wurzeln auf dem indischen Subkontinent, notiert sich die Bestellung. Da Pangasius-Fisch mit Kichererbsen und Mayonnaise-Currysauce (Fr. 20.50) eine zu lange Zubereitungszeit erfordert, wählen wir Nr. 17: Chicken Coconut Cream, Pouletbrust an feiner Kokosnuss-Currysauce. Das zweite Gericht: Chicken Sweet and Sour, Pouletbrust an Curry-Sauce mit Ananas (je Fr. 20.50). Es dauere 30 Minuten, sagt der Mann. Er hält Wort. 25 Minuten später klingelt sein Kurier an der Bürotüre. Mit einem Smart hat er sich durch den Verkehr gekämpft und liefert noch vor der Deadline.
Die Speisen sind heiss. Öffnet man die beiden Aluschalen, entströmt ihnen ein echter indischer Curry-Geruch. Dazu gibts eine riesige 2-Portionen-Alu-Schale Reis (Fr. 4.–). Die Kennerinnen schmecken im Reis Pfeffer und Fenchelsamen heraus. Negativ bewerten die fastfoodgewohnten Begleiterinnen – man müsste sie diesmal situationsgerechter Mitesserinnen nennen – , dass der Plastiksack keine Bestecksets enthält. Mühsam suchen wir Werkzeug zusammen, und das in einer Redaktion, in der es oft aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.
Es kann losgehen. Die Qualität ist gut. Das Coconut Chicken ist im Rachen schön scharf. Als saftig wird das Pouletfleisch gelobt. Dazu gibts einen Behälter mit einem wunderbar säuerlichen Joghurt mit Kräutern, der die Schärfe des Gerichts mildert. Beim Sweet and Sour moniert eine Expertin, die mutmasslichen Dosen-Ananas-Stücke. Der Reis ist genau richtig gekocht, nicht zu körnig, aber auch nicht pampig.
Die Kehle verlangt nach einem kräftigen Schluck. Ach richtig, hatten wir nicht Rivella und Mineralwasser (Fr. 3.–/5 dl) bestellt – und der Mann am Telefon hatte sich sogar noch erkundigt, ob wir das rote meinen? Wir meinten das rote – und leiden nun darunter, dass es vergessen gegangen ist. Nobody is perfect. (Der Bund)
Erstellt: 18.05.2009, 13:53 Uhr
Bern
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