Bern

Aufgetischt: Währschaftes bei der Katechetin

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 16.06.2010

Der «Bären», wie der Volksmund ihn schlicht nennt, soll die älteste Taverne im Kanton Bern sein. Seit 1371 soll in diesem wunderbaren Holzhaus eine Gaststätte einquartiert sein.

Der «Bären» in Münsingen. (Google Street View)

Der «Bären» in Münsingen. (Google Street View)

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Die Rechnung, bitte

Karte: Währschaft, bewährt, mit wechselnden Themenschwerpunkten.
Preise: Moderat.

Kundschaft: Mittags eher lokale Bevölkerung und Arbeitnehmerschaft. Abends auch zugereiste Gäste.

Öffnungszeiten: Di–Do: 9–23 Uhr, Fr: 9–24 Uhr, Sa: 10–24 Uhr, So: 10–22 Uhr

Adresse: Bernstrasse 26, 3110 Münsingen.

«Nein, ich kann es dir nicht sagen», druckst der Tischnachbar herum. Seine weibliche Begleitung wird langsam ungeduldig. «Jetzt sag es doch.» Wir versuchen, so gut es geht, wegzuhören. Doch die menschliche Anatomie kennt nun halt mal keinen Schliessmuskel im Gehörgang.

Es mag ein Zufall sein: Aber an diesem hundskommunen Dienstagmittag bekommt man im «Wynhus zum Bären» in Münsingen die eine oder andere private Unterhaltung mit. Vielleicht ist es die vertraute, familiäre Atmosphäre, die hier im altehrwürdigen Lokal herrscht, die Geheimnisse und Geständnisse leichter über die Lippen gehen lässt.

Der «Bären», wie der Volksmund ihn schlicht nennt, soll die älteste Taverne im Kanton Bern sein. Seit 1371 soll in diesem wunderbaren Holzhaus eine Gaststätte einquartiert sein. Der Türschwelle ist es anzusehen: Es handelt sich wahrscheinlich um die abgelaufenste Schwelle zwischen dem Nordkap und den Südlichen Sandwichinseln. Die Haare der Kellnerin, die uns bedient, kontrastieren auf sympathische Weise mit dem geschichtsschwangeren Holztäfer im «Bären»: Sie sind knallrot gefärbt.

Die Mittagskarte schlägt uns drei preiswerte Menüs vor. Spinat-Tortelloni mit Basilikum-Tomaten-Sauce (15 Franken), Toast Williams mit Birne, viel Raclettekäse und einem Spiegelei (13 Fr.) sowie Schweinsteak mit Eierschwämmesauce und Bratkartoffeln (19 Fr.). Das klingt verlockend währschaft, aber – Hand auf den Magen – auch nicht gerade überraschend. Wir schielen daher etwas verstohlen auf die dicke Menükarte und nehmen uns vor: Beim nächsten Mal gehen wir mal wieder abends in den «Bären» einkehren.

Wer hier nämlich zu späterer Stunde diniert, den lächelt zum Beispiel ein Eringer Rindsfilet an, das an einer Syrah-Wein-Sauce mit Butternudeln genossen werden möchte (42.50 Fr.). Oder unter der Kategorie «Währschafts» lässt uns das «Chaubsläberliplätzli» das Wasser im Mund zusammenlaufen, das mit «Öpfle brate» an einer Calvadossauce daherkommt (31.50 Fr.). Unter den Vorspeisen fallen uns etwa die Munder Safrannudeln an Fendant-Rahm-Sauce auf, die mit sautierten Krustentieren angereichert werden (19.50 Fr.).

Der Walliser Einschlag auf der Karte ist kein Zufall, aber nur temporär. Alle sechs Wochen begrüsst der «Bären» einen imaginären Gast – und richtet seine Karte nach ihm aus. Zurzeit ist es Joseph-Samuel Farinet, der Walliser Falschmünzer. Auch Casanova schaute schon vorbei, demnächst wird Wolfgang Amadeus Mozart erwartet.

Seit einem Jahr steht der «Bären» unter neuer Führung. Barbara Seiler und Beat Kunz haben den bekannten Landgasthof übernommen – das ist Ehre und Herausforderung zugleich. Die beiden sind kein Paar, aber offenbar ein gutes Team. Er kochte früher mal im Berner «Landhaus». Sie war vorher Katechetin in Thierachern – und erfüllt sich nun den lang gehegten Traum von der eigenen Gaststätte.
Und die Wirtin ist eine Gastgeberin, wie man sie sich wünscht. Als sie uns das Schweinesteak bringt, begrüsst sie uns mit ansteckender Fröhlichkeit – dass hier unbestechliche Gastrokritiker am Werk sind, weiss sie nicht. Mit der Beurteilung des Steaks ist es dann so eine Sache: Falsch machen kann man vieles, herausstechen fällt da schwerer. Das Steak ist zwar gelungen, die Kartoffeln sind dagegen schon etwas schlabbrig, was wir aber auf unsere Kappe nehmen, da wir späte Mittagsgäste sind. Auch wenn der Gang kein wasserdichtes Fazit zulässt, eines können wir bestätigen: Hier wird mit frischen Zutaten gekocht. Das haben sich die Wirte vorgenommen, und das schmeckt man.

(Der Bund)

Erstellt: 16.06.2010, 14:51 Uhr

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