Aufgetischt: Vorzügliches Tatar im unscheinbaren Café-Stübli
Stichworte
Die Rechnung, bitte
Karte: Tatar als Hausspezialität, daneben ein grosses Angebot an kalten und warmen Speisen wie Salat, Birchermüesli, Spaghetti oder Pizzen.
Preise: Preiswert, etwa Tatar für Fr. 24.50 oder das Tagesmenü für Fr. 18.–.
Kundschaft: Quartierbewohner, Büroleute, Coiffeusen, Rentner.
Öffnungszeiten: Mo–Fr, 6–18.30 Uhr, Sa, 7–14 Uhr, So geschlossen.
Adresse: Café Viktoria, Viktoriaplatz 1, 3013 Bern, Telefon 031 331 31 13
Es ist eines dieser Cafés, an denen man täglich vorbeigeht, ohne sie zu bemerken. Weisse Plastikstühle stehen davor, daneben sind Töpfe mit Efeugewächs aufgereiht, grell violette Vorhänge versperren die Sicht ins Innere. An der Fassade prangt in grossen weissen Lettern die Aufschrift Café Viktoria – auch diese übersieht man für gewöhnlich. Heute nicht. Denn genau in dieses von aussen verstaubt wirkende Lokal machen wir uns auf. Vertrauenswürdige Gourmetschnäbel haben gezwitschert, dort würde das beste Tatar Berns serviert.
Glücklicherweise haben wir reserviert, das Café am Viktoriaplatz ist zur Mittagszeit dicht besetzt. Der freundliche Kellner führt uns an einen der massiven Holztische mit blauen Polsterstühlen. Die Gedecke sind simpel: blaues Set, Gabel und Messer. Für die Getränke gibts Bieruntersätze. Gespannt schauen wir in die Tatar-Karte – und werden nicht enttäuscht. Zehn Sorten sind aufgelistet und mit Hochglanzfotos bebildert. Die Auswahl reicht von der Version mit Crevetten bis zu derjenigen mit Hüttenkäse und Melone. Jede Ausführung kostet Fr. 24.90 (140g), die halbe Portion Fr. 18.90. Die Schreibende entscheidet sich für Tatar Nr. 2 (mit Joghurt und Gemüsewürfeln), die beiden Begleiter für Nr. 4 (mit Parmesan, Olivenöl, Pfeffer und Zitronensaft) und Nr. 8 (mit Provençal-Kräutern und einem mit Olivenbutter überbackenen Baguette).
Während das Rind durch den Fleischwolf gedreht wird, schauen wir uns die restlichen Karten an, die ganz bistromässig in einem Ständer auf dem Tisch stehen. Da findet sich etwa das Tagesgericht (Menü Viktoria): Salat und Suppe zur Vorspeise, als Hauptgang entweder Eglifilet mit Pommes frites und Gemüse-Curry oder Pizza mit Tomaten, Artischocken und Zwiebeln (Fr. 18.–). Des Weiteren gibt es ein grosses Burger-Angebot (alle Fr. 14.–). Und als ob das nicht genug wäre, entdecken wir zuhinterst noch eine Karte, die jeden «Schnäderfrääs» zufriedenstellt: Von Sandwiches über Spaghetti bis hin zu Fleischkäse und Birchermüesli ist alles zu finden.
Nach einer Weile steht eine zweite Kellnerin entschuldigend an unserem Tisch und versichert, das Essen sei gleich bereit. Anscheinend ist sie sich einen unglaublich flotten Service gewöhnt, denn für unser Empfinden liegt eine Wartezeit von 20 Minuten durchaus im Rahmen des Erwartbaren. Wir schauen uns mit Interesse noch etwas im Raum um. An den Wänden hängen Bilder verschiedener Künstler, Schokoladentartes aus Karton baumeln von der Decke, und hinter der Bar prangt ein riesiger Goldspiegel. Es ist ein Sammelsurium an Gegenständen, aber penibel geordnet.
Dann liegen die Tatar endlich auf unseren Tellern. Dazu werden warme Toastscheiben und Butter serviert. Es schmeckt köstlich. Das rohe Rindshackfleisch ist vorzüglich gewürzt und in der Konsistenz perfekt. Die Kombination mit dem Joghurt erweist sich als gelungen. Auch die Begleiter haben nichts zu meckern. Die aufmerksame Chefin erkundigt sich beizeiten, ob wir noch mehr Toast brauchten, und fragt gar nach der gewünschten Bräunungsstufe.
Nach dem Essen fühlen wir uns rundum gut. Hätten wir noch Zeit genug, wir würden uns gar noch die süsse Hausspezialität genehmigen: die Schokoladentarte. So belassen wir es damit, uns an der Version aus Karton zu erfreuen und genehmigen uns einen Espresso – und freuen uns schon auf den nächsten Besuch. Denn eines ist gewiss: Achtlos werden wir am Café Viktoria nicht mehr vorübergehen.
Bild: (Der Bund)
Erstellt: 15.02.2010, 09:01 Uhr
Bern
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